Ein Abend ... auf einer Playboy-Party

von Luke Atcheson

Dass Playboy-Häschen in der echten Welt existieren, kann sich niemand vorstellen. Bisher kannte ich sie nur von den Seiten des bekannten Hochglanzmagazins (obwohl ich wirklich nur die Artikel lese). Eine offizielle Playboy-Party erschien mir und dem Rest der Berliner Loser wie eine einmalige Gelegenheit, die man nicht verpassen darf.

Playboy hat schon immer diesen gewissen „Mädchen-von-nebenan-Look“ propagiert, auch wenn es sich dabei eher um eine ganz besondere Nachbarin handelt, nämlich die großbrüstige Blondine, die gleich neben Hugh Hefner wohnt. In der ersten Ausgabe des Magazins schrieb Hefner, dass diese ideale Frau gerne über Picasso, Nietzsche, Jazz und Sex diskutiert. Doch es hat den Anschein, als ob die ersten drei Elemente für den Playboy seitdem an Bedeutung verloren haben. Das hielt mich jedoch nicht davon ab, die puschelschwänzigen Maskottchen persönlich zu treffen.

Als eine ihrer Hauptpflichten stellte sich in dieser Nacht das Posieren mit Merchandise heraus. Neben klebrig-süßen Deodorants, Kalendern, verkrüppelten Computercharakteren und Karotten bat man die Bunnys zu grinsen und es geduldig mit einem unübersichtlichen Aufgebot an Produkten aufzunehmen.



Während ich auf das Fotoshooting wartete, hatte ich Zeit, das Playboy-Bunny-Konzept zu reflektieren. Abgesehen davon, dass ihnen die Rolle dieses dummen Tieres, das viel vögelt, zugewiesen wurde, müssen die Mädels auch noch dieses lächerliche Kostüm tragen. Die Ohren und Schwänze kann ich ja noch verstehen. Aber die Butler-Fliegen und Manschetten? Und nur für den Fall, dass wir ihren unterwürfigen Status anzweifeln könnten, wird ihnen seitlich eine Satin-Rosette (die normalerweise für Preispferde und Schweine reserviert ist) angeheftet. Das ist mit Sicherheit einem von Hefners verdrehten, mit Viagra getränkten Träumen zu verdanken.



Nicht nur das. Zudem ist es nicht gerade eines der schmeichelhaftesten Outfits. Von hinten betrachtet fragt man sich, ob das nächste Produkt, das enthüllt wird, Playboy-Pampers sein könnten.

Für‘s Erste soll es mit den Mädels reichen, denn die Playboy-Super-Fans waren nicht minder faszinierend. Zehn Euro Eintritt für die einmalige Chance, bei einem Bunny zu punkten—selbst wenn alles gegen dich spricht—na, das zeugt von wahrem Mut. Vielen gelang es jedoch nicht, mit ihren Wichsvorlagen zu sprechen, aber auf diesem Bild könnt ihr die Stimmen in seinem Kopf fast schreien hören.

Die Fotografen rastete fast aus und liebten jede perverse Sekunde davon. Kennt ihr die Szenen in den Hollywoodfilmen, in denen der mutige Polizist einen Tag vor seiner Pensionierung erschossen wird? Hier seht ihr das Pendant in der Welt der schmutzigen Fotografen. Ich glaube, es gibt keinen besseren Weg, aus diesem Geschäft auszusteigen, als mit einem Playboy-Shoot. Aber für diesen Veteranen waren es ganz klar ein paar Titten zu viel.

Andere Fotografen dagegen haben das Hauptgeschehen völlig aus den Augen verloren. Der Redakteur wollte nackte Haut, also soll er nackte Haut bekommen. Ich vermute, Michelangelo war auf die ein oder andere Art so etwas wie der Hugh Hefner der Renaissance. Sex sells und so weiter. Egal. Die Zeit rannte mir davon, und ich hatte noch mit keinem Bunny gesprochen.

Das ist Anna (oder Lisa) aus dem Prenzlauer Berg. Sie ist Grafikdesignerin (oder persönliche Assistentin). Im vergangenen Jahr ist sie mit ihrer eineiigen Zwillingsschwester zum Februar-Playmate gewählt worden. Im aktuellen Playboy sagen sie, sie hätten beim Modeln erotische Erlebnisse miteinander gehabt. Ich kann nur annehmen, dass sie das aus jugendlichem Unwissen und weil sie noch neu im Geschäft sind, gesagt haben. Sie wollten wohl irgendwie sexy klingen. Ich möchte ja nicht prüde wirken, aber, Mädels, für die Zukunft gilt: Inzest ist nicht sexy.

Schlau wie sie waren, tanzten die Bunnys im Rudel (nennt man das so? Ein „Hasenrudel“?), um sich die widerlichen Fans und die noch viel widerlicheren Medientypen vom Leib zu halten. Wie dieses Energiebündel demonstriert, war es jedoch weit von einem idiotensicheren Schutz entfernt. Ich begann zu glauben, dass es womöglich unmöglich sein würde, in der Nähe eines Bunnys nicht wie ein Depp auszusehen.

Hier ist Ausstellungsstück B. Ich glaube, vorpubertäre Mädchen würden ihn als „verträumt“ beschreiben. Aber bei den Zwillingen kam dieser biebermäßige Schürzenjäger nicht wirklich an. Es sah aus, als hätten sie die längsten drei Sekunden ihres Lebens.



In der Lounge Area konnte ich die besonderen Details des Asphalt Clubs bewundern und in vollen Zügen genießen. Vor zwei Jahren haben die Leute vom Club die Berghain-Architekten angeheuert, um den Laden zu bauen. Aber konnten die sich bei solch hochklassigen Designern und der hochpreisigen Location keine echten Bücher mit echten Seiten leisten? Ach ja, neben mir wiederholte Miss Dezember gerade ihre 15 Sekunden Playboy-Ruhm.



Um die passenden Bunnys zu finden, investiert Playboy viel Mühe. Laut der aktuellen deutschen Stellenbeschreibung müssen die Mädels nicht nur attraktiv und intelligent sein, sondern auch kultiviert, mehrsprachig und am allerwichtigsten: unter 30. Daher überraschte mich besonders die Wahl des Badezimmer-Bunnys.



Wenn ich darüber nachdenke, was mit den Bunnys nach Playboy passiert, eröffnet sich mir in meinen Gedanken eine Welt voller Elend. Es muss doch fürchterlich sein, von der Weide gezogen zu werden, wenn man noch in seinen Zwanzigern ist. Glücklicherweise waren einige Ex-Bunnys da, und ihr werdet euch freuen zu hören, dass das Leben nach dem Playboy nicht zu Ende ist. Wie bei diesem ehemaligen Bunny. Auf sie wartete ein nicht tittenbezogener Job bei der BILD. Und plötzlich machte die Welt wieder mehr Sinn.



Nach dem offiziellen Fototeil mussten die Mädels noch im Club bleiben. Immer mehr Leute kamen, und immer mehr Typen hatten ihr neues Profilbild mit den Bunnys im Sack.  
Erwartungsgemäß war die Kombination aus Models, die für’s Party machen bezahlt und von Typen umringt wurden, die über die Vorzüge und Mängel eines jeden Bunnys reflektierten, nicht gerade zubringlich für eine großartige Atmosphäre.



Auch ich konnte nichts dagegen tun, neben den Bunnys wie ein völliger Trottel auszusehen. Ehrlich gesagt habe ich das Gelächter noch in den Ohren. 

Die Mädels wurden dafür bezahlt, bis vier Uhr zu bleiben. Da ich früher abgehauen bin, weiß ich es nicht mit Sicherheit, aber ich kann mir vorstellen, dass um Punkt vier ein Bunny-Massen-Exodus stattgefunden hat. So konnten sie zurückkehren, um wieder zwischen den Seiten eines Magazins zu leben, in dem die Bücher und alles andere ein riesen Fake sind. Aber wirklich herausfinden werden wir es wohl nie. 

Fotos: Grey Hutton

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