Frank Stronach hat uns wieder einen Besuch im Fernsehen geschenkt!

von Markus Lust


"Ich tu nur geben, geben. Do sog ich zum Beispiel: Gib dir mol meine Königszunge, die sogt so gescheite Sochn!"

Manchmal braucht es scheinbar erst die Untoten, um einem Land wieder Leben einzuhauchen. Das dachte sich wahrscheinlich auch Schwellenmensch Frank Stronach, als er im papstreifen Alter von 80 Jahren (das sind in Schilling zirka 1100) beschloss, die arthritischen Zehen in den Sumpf der heimischen Politik zu tunken und sofort mit einem Staubsturm der Ignoranz über die österreichische Medienlandschaft hinwegfegte, der das ganze kleine Alpenreich zum Husten brachte. Als waschechter Untoter hat es natürlich auch Frank Stronach auf unsere Gehirne abgesehen — nur, dass er sie nicht gleich essen, sondern erst mal nur mürbe machen will, damit Klubobmann Robert Lugar sie ihm am Wahltag in der Schnabeltasse servieren kann.

Schließlich muss der vom Magensaft der Zeit angedaute Magna-Magnat seinen Parlamentsklub langsam mit Wählerstimmen unterfüttern, damit dieser nicht endgültig verhungert: Da das "Team Stronach" nämlich noch nie direkten Kontakt mit direkter Demokratie hatte und nicht gewählt, sondern nur aus abgewanderten Abgeordneten zusammengeflickt wurde wie Frank(stronach)ensteins Monster, zeigen sich im Klub schon erste Zeichen von Mangelernährung, bis hin zu ideologischen Blähbäuchen und verlangsamter Gehirnaktivität. Für alle, die davon nicht betroffen sind, erscheint die Sachlage hingegen ganz klar und auch der Fun Fact, dass das Parteimotto "Wahrheit, Transparenz, Fairness" abgekürzt WTF ergibt, wurde inzwischen ausreichend durchgekaut und rückwärtsgefrühstückt.


"Schau her, i hob auch nur an normalen Body. Die Gerüchte, dass ich a Gott bin, sind eine Umgestaltung!"

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll kurz eine Änderung des Slogans auf "Willkür, Zensur und Hoheitsanspruch" im Gespräch gewesen sein, weil man aus den Initialen WZH wenigstens das anständige österreichische "Was zur Hölle" bilden hätte können — der Plan wurde jedoch angeblich gekippt, weil einer von fünf Medienberatern dann doch leise seine Bedenken anmeldete. Die Schuld wurde kurzerhand dem ORF gegeben, weil dieser dem "Team Stronach" eine "breite Akzeptanz für alles, was aus Stronachs Mund kommt für immer und ewig" zugesichert hatte und sich einfach nicht an die Abmachung halten wollte.

Aber im Ernst: Wenn ihr bis gestern dachtet, der Scherz wäre vorüber und nach Stronachs erstem Besuch bei der Zeit im Bild 2 keine weitere Steigerung in Sachen Peinlichkeit, Präpotenz, Polemik und Nicht-Ausreden-Lassen mehr möglich, dann ... habt ihr wohl dasselbe gedacht, wie der Rest der Welt und wurdet genau wie alle anderen bei der gestrigen Ausgabe eines Besseren belehrt:

Vermutlich denkt ihr gerade dasselbe wie wir: Ist es eigentlich Absicht, dass "Evian" rückwärts "naive" heißt? Und kann bitte irgendwer diese wunderschönen Stilblüten für uns analysieren, bevor sie ein für alle mal verwelken? Konnte aber scheinbar keiner. Deshalb haben wir es selbst gemacht. Das sind die besten Sätze und wie sie womöglich zu verstehen sein könnten:

 

"Was Sie lesen, zählt ja nicht."


Frank Stronach zeigt auf Missstände (im Glauben, "Missstände" wäre die korrekte Übersetzung für "members of the press".)

Was man liest, zählt nicht? Stimmt. Es zählt nämlich nur, wie man liest. Denn wer sich von der Blattlinie einer Zeitung nicht einlullen lässt, der kann sogar Krone und Heute lesen, ohne dass er gleich zum Stronach-Wähler wird. Touché, Meister Stronach. Touché.

 

"Das Land kann nie existieren."


"Wir brauchen kein Euro und kein EU, wir haum brennende Tonnen."

Gemeint ist natürlich Österreich. Und noch irgendwas anderes, das wohl nur das Steirer-Orakel selbst versteht. Vielleicht meint der Kartoffelmann, dass unser Land mit seiner bestehenden Verwaltungsstruktur nicht weiterbestehen kann — oder aber, dass er seine wirtschaftliche Existenz aufgrund der Schuldenkrise bedroht sieht. So wie ich die rhetorische Raffinesse des Renegatenpolitkers bisher mitbekommen habe, meint er aber "eh olles das, jaja, genau" und dagegen kann man nun wirklich nichts sagen.

 

"Von Wirtschaft verstehst du nichts."


"Wos heißt do politische Richtung? I hob ein Spiegel, ich schau noch links und rechts gleichzeitig hin!"

Frank Stronach betont sehr gerne, was für ein großer Gönner er nicht ist, was vermutlich auch der Grund ist, weshalb er uns einen Mann wie sich selbst vergönnt, der am liebsten ganz Österreich in eine Barbie-Traumhaus-Version seines Konzerns der Liebe (und der Autoteileanlieferung) verwandeln würde. Für ihn hat diese ganze "Team Stronach"-Sache mit nichts anderem als mit guter Wirtschaft zu tun und sein Business-Background dient ihm immer wieder als Totschlagargument gegen jeden, der an seinen Kompetenzen zweifelt. Mit politisch Links oder Rechts habe das alles überhaupt nichts zu tun. Selbst in meinen Träumen geht schon das Gespenst des Stronachismus um. Heute Nacht zum Beispiel. Da erschien mir der lallende Regent als runzliger Cäsar und behauptete, er habe nicht nur Rom an einem Tag, sondern auch seine Mercedeskutsche selbst gebaut. Als ich ihn dann fragte, ob das denn wirklich stimme, richtete er seinen krummen aber gütigen Finger auf mich, ließ ein Tor zu Schillingzeiten am Himmel aufgehen und schrie: "VON WIRTSCHAFT VERSTEHST DU NICHTS!" Und was soll ich sagen, ich konnte nur nicken und mich meiner Bestrafung (Lebenslänglich als Groschenmünzenhersteller) fügen.

 

"Du musst a wirtschaftlich g'sunde Frage stellen."


"Schau des liabe Pferdl aun, des versteht was von Wirtschaft, weil es redet nicht dagegen."

Das ist ein besonders interessanter Satz, weil er einwandfrei zeigt, dass Stronach verstanden hat, wie Medien und insbesondere Interviews wirklich funktionieren. Zumindest in China und Nordkorea. Wer nur gesunde Fragen stellt, hat auch keine Ansteckung mit kranken Antworten zu befürchten. Und wenn die Fragen sogar noch gesund für die Wirtschaft sind, wirkt so ein Interview eigentlich gleich viel Wunder wie ein homöopathisches Vitaminpräparat gegen AIDS. Great success!

 

"Das ist eine Umgestaltung!"


"Und wer durch des Ringerl schaut, der kaun sich gleich seine Schläg bei mir obholn kommen."

Mit dieser Aussage würdigt der Medienmetakritiker Stronach die kreative Kraft der menschlichen Wahrnehmung und referenziert erkenntnistheoretisch den Akt des Wahrnehmung als Prozess der Weltgestaltung: Erst durch unser Erfassen entsteht das für uns erkennbare Universum und verstellt zugleich den Blick auf die dahinterliegende Wahrheit. Er sollte deshalb künftig in einem Atemzug mit Immanuel Kant und Umberto Eco genannt werden. Ich beginne gleich mal mit einer Petition, damit diese Aussage als der "Stronach'sche Satz" in den Lehrplan sämtlicher Institute der Publizistik und der Theater-, Film und Medienwissenschaft im deutschen Sprachraum aufgenommen wird. Wenn ich genügend Unterschriften zusammenbekomme, wird vielleicht auch eine Partei draus.

 

"Ihr seids ein Machterhaltungs, der ORF ist ein Machterhaltungs, pass auf, hier kommt das Ganze zusammen."


"Hier kommt das Ganze zusammen. Das ist Fakt, ich hab nachgeschaut auf Apple Maps."

Okay, ich hab mich wirklich bemüht, den Satire-Ansatz bis zum letzten Satz durchzuziehen, aber jetzt mal im Ernst — woran bitteschön liegt es, dass ausgerechnet im rechten politischen Eck ein Mann Fuß fassen kann, der trotz Nationalismus und Abgrenzungspolitik kaum noch die Sprache seiner eigenen Heimat spricht?

Es hat nur eine Handvoll von Fernsehauftritten gebraucht, um uns eine perzeptive Hornhaut gegen die grundlegende Absurdität wachsen zu lassen, die mit Stronachs politischem (und sprachlichem) Helter Skelter auf so vielen Ebenen einhergeht, dass sich niemand mehr das Offensichtliche aussprechen traut, das da wäre: Der Mann ist alt. Und Milliardär. Er lebt in Kanada, er ist rührselig, reaktionär und auf der Suche nach einem Weg, der Welt noch einmal seinen Stempel aufzudrücken. Der Mann braucht kein Geld, aber er braucht Dankbarkeit und Streicheleinheiten. Er braucht das Gefühl, ein Kaiser der Herzen gewesen zu sein und alle Welt stolz gemacht zu haben, dass sie derselben Spezies angehören wie er. Mehr ist da nicht.


"Hallo Twitter? I hob wos zu sogn. Pass amol auf, schreib mit!"

Okay, bis auf die Nachwehen des ZIB 2-Auftritts, die derzeit Twitter durchzucken und zwischen dem Wolf und dem Strohsack hin und her gehen. Deshalb übergebe ich das Wort dem einzigen Menschen, der Twitter richtig benutzt:

Und:

Mahalo!

 


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