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      JA, Instagram will Geld machen und NEIN, sie verkaufen deshalb nicht eure Fotos

      December 20, 2012

      Von Markus Lust

      Managing Editor VICE Alps

      Die letzten beiden Tage ging ein Aufschrei durchs Netz, der einen glauben lassen konnte, der Sklavenhandel wäre gerade wieder eingeführt worden — und jeder mit Ausnahme der Instagram-Belegschaft würde in den nächsten Tagenohne erneute Vorankündigung abgeholt und in einen viel zu engen Käfig gestopft werden. Vielleicht nicht, um im Kolloseum von Rom gegen Löwen zu kämpfen oder in Sodom dicken Männern Öl in den Schampelz zu massieren, aber zumindest fast. Und damit meinen wir: virtuell. Die ganze Aufregung, die uns an die Fackeln und auch fast zur Wiederbelebung der verrottenden Fleischeshülle von Abraham Lincoln getrieben hat, wurde dabei von nur einem einzigen Satz ausgelöst, der am 17. Dezember in die AGB von Instagram aufgenommen wurde:

      You agree that a business may pay Instagram to display your photos in connection with paid or sponsored content or promotions without any compensation to you.

      Das alles hat — wie Instagram inzwischen auch in einer offiziellen Stellungnahme erklärt — überhaupt nichts damit zu tun, dass das Unternehmen hinter der Website mit den Scheiß-60erjahre-Fotofilter-Bildern vorhat, alle Inhalte von uns Benutzern an den Höchstbietenden weiterzuverscherbeln oder unsere wunderschön unbedeutsamen, inhaltsarmen Momentaufnahmen als Werbebilder zweckzuentfremden. Tatsächlich will Instagram weder euch noch uns als Gratis-Testimonials missbrauchen, obwohl wir uns darauf eigentlich schon ein bisschen unanständig gefreut haben. Das einzige, was Instagram schon will, ist unsere Postings je nach Bezahlung in die Nähe von bestimmten Werbekunden zu rücken. Und ob eurem Weltverständnis nun passt oder nicht, Instagram ist immer noch ein Unternehmen, das vielleicht ein bisschen mehr als andere für eure iPhone-Polaroids übrig hat, aber insgesamt trotzdem in erster (oder zweiter) Linie Geld erwirtschaften will. Der eigentliche Aufreger verlangt aber weniger nach einem neuen Lincoln, als vielmehr nach einem neuen Lektor: Denn wenn überhaupt, dann lernt die Netzwelt daraus bestenfalls, dass Beamtensprache und unklare Formulierungen als Relikt der Offline-Welt nach und nach abgebaut werden müssen. Der betreffende Satz wird, so Instagram, entfernt und die Sprache der AGB entsprechend angepasst. Damit auch das, was neben den Bildern steht, zeitgemäß ist.

      Hier noch eine Kleinigkeit zur Zerstreuung eurer Paranoia:

      Mahalo!


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      Themen: Instagram, AGB, Internet

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