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      In der Grellen Forelle haben FPÖ Wähler keinen Platz In der Grellen Forelle haben FPÖ Wähler keinen Platz In der Grellen Forelle haben FPÖ Wähler keinen Platz

      In der Grellen Forelle haben FPÖ Wähler keinen Platz

      October 1, 2013

      Von David Bogner

      Editor-in-chief

      Aus der Kolumne 'Nationalratswahl 2013'

      Grafik erstellt von VICE Media Alps

      Facebook Statusupdates zum Wahlergebnis sind die Nazis Raus T-Shirts der 90er Jahre. Statt die eigene politische Meinung stolz auf der Brust zu tragen, hat mein soziales Umfeld seine Empörung über den Erfolg der Strache FPÖ in mehr oder weniger eloquenten Formulierungen der eigenen Peer-Group mitgeteilt. Das ist praktisch, denn es ist wesentlich weniger aufwändig darüber zu schreiben, dass man auswandern möchte, als tatsächlich seine Sachen zu packen und das Land zu verlassen.

      Außerdem bewegen wir uns auf Facebook meistens in ziemlich abgeschotteten Mitteilungsblasen, die dafür sorgen, dass die kontroversiellsten Statusupdates in unseren Timelines maximal die neueste HBO Serie oder das Wetter betreffen. Auch nach stundenlangem Nachdenken fällt mir absolut niemand ein, der aus meinem Freundeskreis FPÖ gewählt hätte und selbst bei der ÖVP tu ich mir ziemlich schwer. Dementsprechend schwatteln wir uns alle gegenseitig einen, wenn wir einen besonders gelungenen Post zum Barilla Skandal oder der Wahl verfasst haben. Ich wage zu behaupten, dass das sogar auf die VICE FB Seite zutrifft. Denn auch wenn wir mittlerweile um die 20.000 Likes aus Österreich haben, sind das noch immer viel zu wenig, um eine wirkliche Überschneidung mit FPÖ Wählern notwendig zu machen. Man kann ansatzweise so tun, als würde man es überprüfen, indem man Graph Search zum Einsatz kommen lässt, aber schlussendlich lassen wir viel zu viel Nazis Raus Lebenseinstellung heraushängen, um für Strache Fans auch nur halbwegs tragbar zu sein.

      Ganz anders schaut die Situation aus, wenn man als Club auf der eigenen FB Page mit knapp 24.000 Fans dezidiert politisch Stellung bezieht. Aber genau das hat die Grelle Forelle letzten Sonntag gemacht. Einen Tag später hat Rudi Wrany auf seiner Crazy Seite nachgezogen und die Idee ins Spiel gebracht, dass sich eine Club-Allianz bilden sollte, wie man das aus dem Fußball schon lange kennt. Wir haben uns deshalb mit der Grellen Forelle unterhalten, die alles losgetreten haben.

       

      VICE: Am Sonntag um Viertel vor 7 habt ihr vom Mobiltelefon aus gepostet: HAT KEINEN PLATZ FÜR FPÖ WÄHLER!! War das eine spontane Reaktion auf das Wahlergebnis?
      Grelle Forelle: Klar war das eine spontane und auch emotionale Reaktion. In einer Stadt, in der seit Jahren eine intolerante, fremdenfeindliche Politik immer mehr Zuwachs hat wollten wir trotzdem ein ganz klares Zeichen setzen. Menschenverachtende Einstellungen haben hier nichts verloren und werden somit auch nicht von uns toleriert. Zudem ist es auch unser gutes Recht, da wir kein öffentlicher Spielplatz sondern ein privat geführter, auf Subkultur basierender Musik-Klub sind, und auch unser Hausrecht nutzen dürfen.

      Wer betreut bei euch den FB Account?
      Wir selbst.

      Ihr habt jetzt mehr als 100 Shares,  2.500 Likes und über 250 Kommentare. Habt ihr mit diesem Feedback gerechnet?
      Nein. Es war aber sehr spannend zu sehen, was dieses Posting auslöst. Wir haben damit über 50.000 Personen erreicht und auch sehr viele Kommentare von Leuten erhalten, die eigentlich nichts mit uns zu tun haben oder jemals bei uns im Club waren.  

      Ist feiern nicht eher apolitisch? Also der Club als Ort, wo die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen und durch die Musik verbunden werden?
      Die House- und Technokultur entstand in den 1980ern aus einer schwarzen Protestkultur heraus und auch die Homosexuellenbewegung hatte keinen geringen Anteil an der Entwicklung der elektronischen Musikkultur. Ebenso war die frühe englische Rave-Kultur ein Politikum - da gab es das Gesetz zu "repetitiven beats". Also steht hier Toleranz und gegenseitige Akzeptanz an erster Stelle. Und wenn Intoleranz Toleranz fordert bleiben wir ganz bei Sir Charles Popper: "We should therefore claim, in the name of tolerance, the right not to tolerate the intolerant."

      Wenn FPÖ Wähler keinen Platz finden, wer ist dann im Club willkommen?
      Alle, die mit Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit nichts zu tun haben wollen. Und das sind sehr viele.

      Denkt ihr, dass bisher auch FPÖ-Wähler zu eurem Publikum gehört haben? Wenn ja, wie groß schätzt ihr den Anteil ein?
      Vermutlich schon. Wir fragen natürlich keine Parteipräferenz ab. Wir wollen uns einfach positionieren, wofür und wogegen wir stehen. Den Gästen steht selbstverständlich frei, sich in unserem Umfeld wohl zu fühlen oder unseren Club zu meiden.

      Würdet ihr einem Typen, der FPÖ gewählt hat, seine Membership-Karte wegnehmen?
      Wenn wir es erfahren - Ja. Es geht uns einfach darum, ein deutliches Zeichen gegen den Rechtsruck zu setzen.

      Habt ihr Angst, dass sich dieses Posting negativ auf eure Besucherzahlen auswirken könnte?
      Nein. Die "likes" auf Facebook sind sogar schneller als sonst in die Höhe gegangen.

      Wieviele Likes habt ihr seit Sonntag dazubekommen?
      Wir haben aktuell 2.709 Likes und über 53.000 Menschen erreicht. Eine Wiener Tageszeitung hat das Thema auch schon aufgegriffen.

      Mittlerweile hat auch Crazy Sonic ein ähnliches Statusupdate verfasst. Könnt ihr euch vorstellen, dass es so wie von ihm gewünscht zu einer breiten Allianz unter den Clubs gegen Intoleranz kommt?
      Ja, wir haben uns natürlich schon mit Crazy Sonic unterhalten. Über eine Allianz würden wir uns freuen! Ansatzpunkte gibt es schon genug und wir treffen uns auch noch heute um mögliche weitere Schritte zu besprechen.

      Die Reaktionen auf der FB Seite sind zum Teil recht unschön und brutal. Habt ihr abseits von Social Media schon Reaktionen bekommen?
      Klar gibts Reaktionen. Der Großteil ist aber positiv.

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      Themen: Nationalratswahl 2013, Grelle Forelle, fpö, HC Strache, Clubpolitik

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