Knuti gibt Anlass zur Rentnerselbstvermarktung

von Jolien Deckers

Eisbär Knut ist von den Toten auferstanden! Fast zwei Jahre nach seinem tragischen Tod kann man den berühmten Bären als präparierte Dermoplastik im Museumsfoyer des Naturkundemuseums in Berlin bewundern. 

Knut wurde 2006 als erster Eisbär seit 30 Jahren im Berliner Zoo geboren. Schnell erreichte der tollpatschige Bärenjunge Kultstatus, doch 2011 ertrank er nach einem Sturz ins Wasserbecken... 

Ein Berliner Idol wie Knut kann man natürlich nicht einfach so begraben. Entgegen aller Proteste von Knutliebhabern, wurde er kurzerhand ausgestopft und liegt nun friedlich und leblos auf einem Gipsstein hinter Glasscheiben. Sein Fell wurde über einen Kunststoff-Körper gezogen. Mit den eingesetzten Glasaugen, gekämmtem Fell und etwas schwarzer Nasen- und Lippen-Schminke sieht das ausgestopfte Tier immer noch zum Knuddeln aus!

Der Eingangsbereich des Museums wurde extra für die Besucher umgebaut, doch die groß angekündigte Besucherschar bleibt bisher noch aus. Letztendlich umzingeln vor allem Fotografen, Kameraleute und Museumsmitarbeiter den Berliner Helden. 

Karin

Ein paar nicht-Professionelle sind aber doch gekommen. Vor allem die Rentner-Fraktion ist zahlreich vertreten: Allen voran eine ältere Dame namens Karin Gude-Kohl, die sich als pressegeiler Knut-Fan entpuppt. Mit Fotos des verstorbenen Eisbären, Mini-Plastik-Oskar und einem Croissant für Knut—laut Karin sein Lieblingsleckerli—hechtet sie von einem Interview zum nächsten. Mit dem Ergebnis der Knut-Plastik ist sie zufrieden: „Ein Oskar für die Präparatoren“, ruft sie in die „Menge”. Damit Knut auch etwas davon hat, hält sie ihm das Croissant vor die Nase und ruft: „Hau rein, Knuti!“. Vor lauter Aufmerksamkeitsbedürfnis hat die Gute dann doch den Überblick verloren und fragt einen der Reporter, ob er sie denn schon interviewt habe (sein Team hatte sie als Allererstes gefilmt!). 

Karins Freundin Gisela vergleicht ihr Lieblingsbild von Knut mit der ausgestopften Version: „Die Plastik ist zu 97 Prozent gelungen. Nur die Ohren waren in echt schmaler und das Fell dreckiger.“ Auch für Gisela ist dies ein besonderer Tag. Glücklich strahlt sie in die Kameras: „Wunderschön, unser Knuti!“. Wie viele andere Rentner in Berlin, hat Gisela eine Dauerkarte für den Zoo und besuchte Knut zwei bis dreimal pro Woche. Als der Bär starb, ging eine Lebensbeschäftigung verloren. Daher freut es sie nun umso mehr, dass sie Knut ab sofort im Naturkundemuseum besuchen kann.

Gisela

Kinder scheinen hingegen eher weniger beeindruckt von dem Weltstar und zweifeln sogar an seiner Echtheit. Einmal hinschauen, Mama oder Papa fragen, ob dass denn jetzt wirklich der echte Knut sei, Foto machen und das wars dann auch. Die 8-jährige Lena meint nur: „Lebendig war er schöner!“

Das soll den Erwachsenen aber nicht die Laune verderben: Was für ein Ereignis! Alle loben und preisen die täuschend echte Bären-Plastik. Man sieht und hört keine Kritiker und selbst die Sicherheitsmänner am Eingang gähnen vor Langeweile. Über den tragischen Tod des Eisbären redet hier keiner, nur Erika Dörflein, die Mutter des verstorbenen Tierpflegers Thomas Dörflein, lässt sich mit einem Bild von Knut und ihrem Sohn filmen, auf dem steht: „Knut und Thomas, im Himmel vereint.“


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