Qual und Ekstase: Die stille Mission, PTBS mit psychedelischen Drogen zu bekämpfen

von Brian Anderson

 

Das Government Accountability Office hat außerdem gerade festgestellt, dass das Defense Centers of Excellence for Psychological Health and Traumatic Brain Injury, das 2007 gegründet wurde, als der Kongress dem Pentagon auftrug, ein Programm einzurichten, das sich um den Zuwachs an Hirnverletzungen und PTBS bei den Veteranen kümmert, keine Ahnung hat, was es eigentlich tut (pdf). Das DCoE sollte eigentlich ein Leitbild im Bezug auf die Entwicklung von Techniken zur Behandlung von sogenannten unsichtbaren Wunden sein. Aber wie Denise Fontane, die die Untersuchung geleitet hat, NPR gesagt hat, „[war das DCoE] nicht in der Lage, uns zu erklären, an was sie arbeiten, was sie in Zukunft machen werden, wie viel es kosten wird und welchen Nutzen diese Ausgaben letztendlich haben werden."

Daher ist es vielleicht nicht überraschend, wenn man hört, dass die Selbstmordrate im Verteidigungsministerium zwischen 2001 und 2008 um 50% gestiegen ist. Es ist außerdem nicht überraschend, dass die Anzahl der Selbstmorde im Dienst 2009 die Anzahl der Verluste auf dem Schlachtfeld überstiegen hat, oder ein Dutzend Reservisten im März Selbstmord begangen hat; oder sogar, dass - laut der Times-Story - ein paar Experten Konfrontationstherapie in Betracht ziehen (eine Art der kognitiven-Verhaltenspsychotherapie), die „einzige bewährte Behandlung" von PTBS. (Man muss dem U.S. Department of Veterans Affairs zu Gute halten, dass die Veteranen, die sich in Behandlung begeben, universellen Zugang zu langfristiger Behandlung oder kognitiven Verarbeitungstherapien haben müssen.)

Wenn man sich ansieht, wie schwerwiegend das Problem ist, dann ist es wenig schockierend, dass es tatsächlich eine Warteliste für Probanden gibt, die unbedingt die Mithoefer-MAPS MDMA-Methode ausprobieren wollen.

Chemische Kriegsführung

Die Wirkung von MDMA tritt gewöhnlich nach 30-45 Minuten nach der Einnahme ein, also dauert es nicht lange, bis sich in Charleston ein Art Rhythmus entwickelt. Die Sitzungen in der Klinik oszillieren zwischen Abschnitten von stiller, nach innen gewandter Konzentration, bei denen der Patient alleine gelassen wird, um sein Trauma zu verarbeiten, und ungefiltertem Dialog mit den Co-Therapeuten. „Es ist eine sehr nicht-direktive Vorgehensweise", hat mir Michael Mithoefer erklärt. Das erlaubt den Probanden, mitzuhelfen, den Flow ihres Trips zu steuern. Sie sind ebenso die Piloten dieser Therapie wie die Aufseher. „Wenn sie es einmal raushaben", erklärte Mithoefer, „reden die Leute manchmal mit uns uns sagen dann selber 'Okay, Zeit, wieder reinzugehen. Ich berichte dann davon, wenn ich fertig bin.'"

Die Patienten wissen, dass die Mithoefers, sollten keine Traumata zum Vorschein kommen, diese heraufbeschwören müssen. Aber das mussten sie noch nie. Die Traumata kommen immer zum Vorschein, und mittlerweile gab es bereits 60 Sitzungen zwischen einer anfänglichen, kleineren Phase-II-Studie und den gegenwärtigen Tests. Die Schrecken kochen von selbst hoch, Patient für Patient.

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Die Mithoefers in ihrer Klinik in South Carolina, 2011 (Brett Flashnick)

Die Mithoefers nehmen nicht jeden an. Ihr Protokoll umfasst präzise Aufnahme- und Ausschlusskriterien. Die Teilnehmer müssen gegen vergangene medizinische oder psychotherapeutische Behandlungen resistent gewesen sein und einen Clinician-Administered PTSD Scale (CAPS) Wert von 50 oder höher haben. (CAPS wird als „Goldstandard" für die PTBS-Beurteilung angesehen und ist laut der International Society for Traumatic Stress Studies ein 30-60minütiges Interview, das so gestaltet ist, dass es grundsätzliche Diagnosen zulässt und den Stärkegrad der Symptomatik nach Definition des DSM-IV darlegt.) Abhängige und Patienten, die an psychotischen Störungen oder einer bipolaren Störung des Typ I leiden, werden abgelehnt. Gewisse Zustände wie Bluthochdruck, Depression oder andere Angststörungen sind kein Problem, auch wenn Mithoefer sagt, dass die Bewerber „relativ medizinisch gesund" sein müssen.

Bisher wurden alle, die diese Kriterien erfüllt haben, angenommen. „Wir sind nicht wählerisch", sagt er. Trotzdem haben Leute aus der Gegend Vorrang, weil es billiger ist, mit ihnen zu arbeiten. Aber sie haben Leute aus dem ganzen Land angenommen.

 

Die Vitalparameter werden während der Sitzungen überwacht. Der Blutdruck und der Puls werden alle 15 Minuten gemessen. Die Körpertemperatur wird zu jeder vollen Stunde aufgezeichnet, dabei werden auch die Probanden überprüft, die gerade ihre Erfahrungen wieder erleben, alleine und innerlich. Starke Gefühle und Halluzinationen sind normal, also ist es entscheidend, Ausrastern vorzubeugen. (Es gibt sogar genügend Platz in der Klinik, damit Patienten dort die Nacht verbringen können, falls sie länger brauchen, um runter zu kommen.) Wenn der Gedanke daran, zum Undenkbaren zurückzukehren nicht schon schlimm genug ist, dann stell dir deine schrecklichste Lebenserfahrung - wahrscheinlich noch das erste mal - high auf MDMA vor. „Es ist schmerzhaft," gibt Mithoefer zu. „Ein paar Leute haben an ihrem ersten Tag gesagt, dass sie nicht wüssten, warum es Ecstasy heißt."

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