Qual und Ekstase: Die stille Mission, PTBS mit psychedelischen Drogen zu bekämpfen

von Brian Anderson

Psychoaktiva bieten neuen Zugang zu tieferen Regionen des Gehirns, laut Amanda Feilding von der Beckley Foundation, einer karitativen Einrichtung in Oxford, die moderne Hirntomographie dazu benutzt, das Bewusstsein und seine erweiterten Zustände zu erforschen.

Experimentell scheinen sie die Unterdrückung zu lösen, die verhindert, dass dem Trauma Aufmerksamkeit zu Teil wird. Das verkürzt in manchen Fällen die Behandlungsdauer von Jahren auf Stunden. Therapeutische Psychedelika, sagt Feilding, „sind wie ein großartiger, wunderschöner Obstgarten voll mit reifen Früchten zum Pflücken."

Aus diesem wunderschönen Obstgarten - mit reichlich LSD und Psilocybin, Ibogain und Cannabis - scheint MDMA besonders dafür geeignet zu sein, die Psychotherapie zu bereichern. „MDMA hat die beste Chance von allen Psychedelika, in die psychiatrische Praxis integriert zu werden", schreibt Doblin in „A Clinical Plan for MDMA."

Zum einen ist Ecstasy schnell. Verglichen mit LSD zum Beispiel, wo der Effekt länger als zehn Stunden andauern kann, ist das ungefähr vier Stunden andauernde „Primäreffekt"-Fenster (und zwei Stunden zum Runterkommen) bei MDMA relativ leicht zu handhaben. Ecstasy ist trotz seiner leichten Toxizität, die in den folgenden Trips Depressionen verursachen kann, auch schonend. Verglichen mit Acid, das „rationale kognitive Prozesse" und Wahrnehmung verfälscht und außerdem Angst und Panik auslösen kann, wirkt MDMA eher auf Emotionen als auf kognitive Funktionen. Die Amygdala, das „Angstzentrum" im Hirn, das heftige negative Emotionen auslöst, wird unterdrückt, während Serotonin- und Dopaminschleusen geöffnet und die Anteile von Oxytocin und Prolaktin, zwei geselligen Hormonen, im Blut erhöht werden.

In anderen Worten: das Patient-Therapeut-Empfinden wird verbessert. Alles in allem fühlen sich die Patienten wohl. Sie sind bereit „dem Trauma ins Auge zu sehen", wie Feilding es nennt. Unter diesem Aspekt, argumentiert sie, ist MDMA Psilocybin ähnlich, da es „die Filter entfernt" und dadurch den Leuten erlaubt, Situationen in der Vergangenheit und in der Gegenwart ein wenig anders zu betrachten.

65403957arteries_brain

Zerebrale Angiographie der Hauptarterie des Gehirns (mit freundlicher Genehmigung der Beckley Foundation)

Die Probanden hatten Glück. Mithoefer sagt, dass viele Leute gegen die PTBS-Behandlung resistent sind. Er und seine Frau, eine Krankenschwester in der Psychiatrie, beobachten, dass MDMA eine optimale Erregungszone herbeiführt - oder ein Toleranzfenster. Dort können sie mit ihren Emotionen in Verbindung treten, während sie ihr Trauma wieder aufsuchen und es nicht verlieren, sozusagen. „Vier oder fünf Stunden in dieser Zone", sagt er, „können ihnen helfen, das Hindernis zu überwinden und eine Behandlung aufzunehmen."

Das heißt nicht, dass es einfach - oder fehlerlos - ist, aber man kann es bewältigen.

„Ich habe Bedenken," sagt Charles Hoge, ein Psychiater und Senior-Wissenschaftler am Walter Reed Institute of Research. Hoge hat zwei Jahre im aktiven Dienst verbracht, bevor er den Posten des Armeechirurggenerals angenommen und bei Walter Reed angefangen hat. Und auch wenn er sich nicht so sehr in die medizinisch-psychedelische Literatur vertieft hat - „Ich weiß nicht viel darüber", gibt er zu - hat Hoge festgestellt, dass MDA (3,4-Methylenedioxyamphetamin) und die dazu verwandten Präparate signifikante, unveränderliche, biologische Wirkung haben. „Sie bilden unwiderrufliche Bindungen an manche Rezeptoren im Gehirn", erklärt er, „die potenziell vielleicht größere oder langfristigere Nebenwirkungen bei einer Person auslösen können." SSRI-Medikamente, behauptet er, sind reversibel.

Ob seit Jahren geltende Regelungen gekippt werden können, ist eine andere Frage. Die FDA dazu zu bringen, ihre Richtlinie zu ändern, ist nicht einfach. Es ist überwältigend. „Wir leben momentan in einem dunklen Zeitalter", gibt Feilding, die Britin, zu. Dennoch glaubt sie, dass wir an der Schwelle zu einer Art Renaissance stehen, in der das medizinische Potential von Psychedelika vollkommen ausgeschöpft wird, von der alten Garde der globalen Medizinpolitik nach jahrzehntelangem eisernen Widerstand endlich akzeptiert.

Die laufenden Mithoefer-MAPS-Tests haben gerade einen sechsten Patienten angenommen und sind auf 16 begrenzt. Brad Burge, der Kommunikationsleiter von MAPS, meint, dass diese Zahl niedrig genug ist, um die Studie kontrollierbar zu machen, aber hoch genug, um statistische Signifikanz zu haben. Burge gibt zu, dass es besser wäre, 100 Probanden zu haben - jedes signifikante Resultat würde dann echte Bedeutung haben. „Aber wir haben eigentlich viel mehr als 16 Leute, die darauf waren, vom Forschungsteam befragt zu werden", sagt er und wird „nahezu sicher", genug Probanden für Phase III haben. „Wir machen uns darüber eigentlich keine Sorgen, wenn man bedenkt, wie verbreitet PTBS ist und wie begeistert so viele Leute davon sind, diese neuartige Therapie auszuprobieren."

Angesichts der Zusammenarbeit von MAPS mit der Regierung und Universitäten auf den ganzen Welt fügt Burge hinzu: „Das ist bereits Mainstream-Forschung." Er hat vielleicht Recht, wenn man Oprahs Zustimmung in Betracht zieht.) „Wir machen das genauso, wie ein reguläres Pharmaunternehmen es machen würde", sagt er, also ist es „ziemlich klar", dass verschreibungspflichtiges MDMA für PTBS innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre in der Drogerie erhältlich sein wird. Für ihn ist die Frage eher wann, also ob überhaupt.

Kommentieren