Qual und Ekstase: Die stille Mission, PTBS mit psychedelischen Drogen zu bekämpfen

von Brian Anderson

Also werden die Mithoefers weitermachen. Zusätzlich zu den laufenden Tests machen sie mit Teilnehmern der anfänglichen Phase-II-Tests weiter, die Blindpräparate genommen haben. (Die Forscher haben eine „große Verbesserung" von den Sitzungen, in denen die Patienten Placebos genommen haben, zu denen auf Ecstasy bemerkt. Diese Ergebnisse waren der am öftesten heruntergeladene Artikel aus dem Journal of Psychopharmacology 2010.) Wie fühlen sie sich drei Jahre später? Darüber wird am Ende ein Artikel veröffentlicht werden, weil die Co-Therapeuten momentan keine Daten veröffentlichen wollen. Aber sie haben mir erzählt, dass die CAPS-Werte nicht sehr stark geschwankt haben - ein ermutigendes Zeichen. Trotzdem wurden ein paar Leute rückfällig. „Sie hatten wieder signifikante Symptome", sagte Mithoefer. „Der Erfolg hielt nicht für jeden an, aber doch für die meisten."

51655939mdmatongue

Dennoch sind SSRIs die einzigen Level-A-Medikamente, die sich in verschiedenen Studien als„ziemlich beständig" effektiv für die Behandlung PTSD erwiesen haben, beharrte Hoge. Er fügte hinzu, dass viele neuere Antipsychotika mit immer weniger negativen Nebenwirkungen entwickelt werden; es gibt sogar Zusatzmedikamente, die dabei helfen könnten, bestimmte PTBS-Symptome zu behandeln. Für Prazosin (Minipress), ein Blutdruck-Medikament ohne psychotrope Wirkung, wurde in randomisierten Tests nachgewiesen, dass es physiologische Überregung abschwächt, vor allem Albträume reduziert, was dann wiederum die Schlafqualität verbessert. Aber wie mit MDMA und allen anderen reifen Früchten aus dem großartigen, wunderschönen Garten - „all diesen ganzen Sachen" - bis Prazosin und andere vielversprechende Medikamente in randomisierten, doppelblinden Versuchen ausgiebiger getestet werden, „können wir nicht sagen, ob sie effektiv sind oder nicht, ob sie mehr Nebenwirkungen haben oder nicht", sagte er. „Ich glaube, das ist das Fazit."

DON'T TELL

Aber die Effekte und Versprechungen von diversen PTBS-Drogen bringen nichts, wenn viele von denen, die am meisten Hilfe bräuchten, überhaupt zögern, sich in Behandlung zu begeben. In einem Editorial, das mit einer Studie einherging und letzte Woche im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde, deutete Hoge nicht nur an, dass eine ganze Klasse von Antipsychotika - wie Risperdal, Seroquel, Geodon und Abilify -Placebos nicht das Wasser reichen könnten. Er machte auch auf das größere und tiefgreifendere Problem aufmerksam: Die Hälfte der Veteranen, die die seelischen Sirenen nicht ausschalten können und Hilfe suchen sollten, tun das nicht. Das stille Stigma von PTBS hat dazu geführt, dass sich die post-apokalyptische Krankheit zu einer Generationen übergreifenden Epidemie ausgebreitet und ihren bereits verheerenden Effekt noch verstärkt hat.

Es gibt viele Gründe für diese „don't ask, don't tell"-Haltung bezüglich PTBS und nicht alle davon sind auf das Militär beschränkt. Manche Leute haben Angst davor, von ihren Bekannten, Vorgesetzten oder potentiellen Arbeitgebern gemieden zu werden. Andere stoßen an Grenzen im Bezug auf die Behandlung - es ist vielleicht schwierig, einen Termin zu kriegen, wieder andere ziehen vielleicht ihre Arbeit der Hilfe, die sie bräuchten, vor. Manche denken einfach, dass der psychische Ansatz nicht hilft, dass er eine wertlose„letzte Instanz" ist, hat mir Hoge erzählt. Und von denen, die es schaffen, eine PTBS behandeln zu lassen, entweder mit Psychotherapie oder Medikamenten, schrieb er, „bricht ein hoher Prozentsatz ab". Normalerweise liegt der Anteil zwischen 20 und 40 Prozent, diese Zahl kann aber in der alltäglichen Praxis „deutlich höher" werden.

Währenddessen machen Michael Mithoefer und andere damit weiter, einen Guerillakrieg gegen PTBS zu führen - mit Spezialeinheiten im Hintergrund. „Die Ergebnisse haben uns bis jetzt ermutigt, aber wir müssen noch weiter forschen und es wird interessant sein, zu sehen, wie sich alles entfaltet", sagte er. Aber bei Fortschritt geht es nicht nur um Tabubrüche - und die Änderung von Regelungen - im Bezug auf Psychedelika und andere trendige Behandlungsmethoden. Die Medizin kann den Krieg gegen PTBS vielleicht gar nicht gewinnen, solange die Gesellschaft nicht viel grundlegendere Tabus bezüglich der schrecklichen unsichtbaren Traumata von Kampfeinsätzen bricht. Dann erst haben Veteranen vielleicht die Chance, die bittere Pille des Krieges gegen eine zu tauschen, die nur bitter schmeckt.

Kommentieren