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      Sprengt Nordkorea den gesamten Planeten?

      February 13, 2013

      Wie wohl jeder auf dieser Welt nun mitbekommen hat, hat Nordkorea gestern für ein kleines Erdbeben auf der koreanischen Halbinsel gesorgt. Schon über die letzten paar Wochen bauten die Medien des kommunistischen Landes den Spannungsbogen dazu auf: Es wurden viele Raketen gezeigt und nur wenige Tage vor dem Geburtstag des verstorbenen Diktator-Vaters Kim Jong Ils hat Nordkorea nun seine Drohungen wahr gemacht und erfolgreich eine dritte Atombombe gezündet.

      Südkoreas Presse war die ersten, die davon Wind bekamen. Erste Berichte über Erderschütterungen in Seoul kamen nur wenig später auf. Die Detonation ereignete sich jedoch weit davon entfernt in der nordöstlichen Hamyong-Provinz um 11 Uhr 57 Ortszeit. Schon bald bekannte sich der Norden über die staatliche Propagandastelle KCNA zur seismischen Aktivität, die sich irgendwo auf Stufe 5 der Richterskala abgespielt hatte. „Wir bestätigen, dass der Test sicher und nach Plan durchgeführt worden ist. Der Test hat die Umgebung nicht in Mitleidenschaft gezogen und wurde mit einer kleineren und leichteren Apparatur, mit höher angereichertem Spaltmaterial vollzogen”, so die Verantwortlichen.

      „Der Test hat zum Ziel, die Sicherheit unseres Landes und unsere Souveränität gegen die US-amerikanischen Aggressionen zu gewährleisten, die unser Recht in Frage gestellt haben, zu friedlichen Zwecken einen Satelliten ins All zu schießen.”

      Wie zu erwarten war, hat der Rest der Welt den Test verurteilt, selbst Nordkoreas enger Verbündeter China hat „tiefe Besorgnis” über die Situation ausgedrückt. Es scheint sogar möglich, dass Nordkorea nun mit weniger Hilfen aus China, das 90 Prozent des Treibstoffs und Energie für das Land bereitstellt, rechnen muss. Kim Jong Un setzt also eine wichtige Lebensader des Landes aufs Spiel. Andererseits berichtet aber die Nachrichtenagentur Yonhap, dass Nordkorea im Voraus China und die Vereinigten Staaten über den Test informiert hat. Das ist auf geopolitischer Ebene so, wie wenn man seinen Nachbarn Bescheid gibt, dass man am Samstag eine große Hausparty schmeißen wird—es könnte zwar etwas lauter werden, aber man meint es nicht wirklich böse. Tatsächlich wäre es Nordkorea ganz recht, wenn sie diesen Atomtest durchziehen könnten, ohne dass die internationalen Konsequenzen zu hart ausfallen (viel Glück damit, Jungs). Gemessen an ihren üblichen Standards, sind sie tatsächlich sehr viel offener mit dem Test umgegangen und ihre verwendete Rhetorik hielt sich spürbar mit Kriegsdrohungen zurück.

      Der Norden versucht, die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft von diesem Thema weg zu lenken—sie haben sogar eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Welt beschuldigen, voreilige Schlüsse über das nordkoreanische Nuklearprogramm gezogen zu haben—aber eigentlich will das Land mit den nuklearen Muskelspielen nur innenpolitisch Stärke zeigen. Indem sie ihren nuklearen Ambitionen nachkommen (oder es zumindest so aussieht, als würden sie das tun), kann Kim Jong Uns Regierung weiterhin seine Ideologie rechtfertigen und das Regime damit seine Position festigen. Mit dem Test der Atombombe kurz vor Kim Jong Ils Geburtstag, ehrt der Diktator seinen Vater und dessen Vermächtnis und unterstreicht propagandistisch nochmal die Bedrohung durch die USA. Außerdem löst er ein, worauf monatelang in den nordkoreanischen Medien spekuliert wurde.

      Das Problem ist : Die Differenz von dem, was Nordkorea seinem Volk erzählt und dem, was es der Welt erzählt, ist für Staaten wie China, die das Land unterstützen, nur zu offensichtlich. Nordkorea wird womöglich seine Atommelodie weiter säuseln, um seine Bürger bei Laune zu halten und gleichzeitig den Rest der Welt ignorieren. Aber bei allen jenseits der Landesgrenzen steigt die Frustration und irgendwann könnte das eskalieren. Wie lange Nordkorea wohl noch so weitermachen kann, ohne dass jemand einschreitet und dem Ganzen ein Ende setzt,das kann niemand sagen.


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      Themen: Nordkorea, Kim Jong Un, Kim Jong Il, Atombombe, WW3, KRIEG, USA, china

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