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      Warum BOYZ II MEN die Russen nicht vorm Aussterben retten können

      February 6, 2013

      Wenn man in Deutschland angesichts des demographischen Wandels bereits ins Schwitzen kommt, dann dampft Putin geradezu vor panischer, schweißtreibender Angst. Die Russen sterben langsam aber sicher aus und daran ist nicht nur ihre schlimme Sauferei schuld. 

      Wladimir Putin will sichergehen, dass die Russen genug Sex haben. Während die meisten von uns ihn an das weitgefächerte Internetangebot der Erwachsenenunterhaltung verweisen würden, scheint er dennoch so seine Zweifel zu haben. Sein Problem ist, dass er die Russen nicht beim Fickfest in zwielichtigen Moskauer Clubs sehen will, so sie irgendwann jemandem aufs Knie spritzen. Er will die Russen zum konservativen Ficken motivieren, also die Art von Ficken, bei der Sperma direkt in die Gebärmutter katapultiert wird. Er möchte eine Babymaschinerie schaffen. Aus diesem Grund hat er wohl Boyz II Men eingeladen, damit diese eine Show in der russischen Hauptstadt spielen.

      Wie jeder guter Staatslenker muss sich auch Putin eingestehen, dass die demographische Entwicklung sein Schicksal ist. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Russen verlieren gerade den Krieg im Menschenzeugen. Die Statistiken sind entsetzlich. Während es 1991 noch 148 Millionen von ihnen gab, waren es 2010 nur noch 143 Millionen. Die Russen machen einfach nicht genügend Kinder. Eine Prognose für 2050 besagt, dass das russische Volk auf 111 Millionen Menschen schrumpfen wird. Zeitgleich wird bis dahin die Bevölkerung der Welt um zwei Milliarden wachsen. Das einst mächtige Russland wird dann nichts mehr zu sagen haben.

      Putins Berater sind so besorgt, dass sie letzte Woche das Boyz-II-Men-Konzert vom Kreml absegnen ließen. Wahrscheinlich hoffen sie auf das ejakulationsfördernde Aphrodisiakum „End of the Road“ und dessen Wirkung auf betrunkene Paare.

      Es war eine bescheuerte Geschichte, die da aufgekommen ist. Aber die Maßnahme ist längst nicht der Höhepunkt von Putins Kampagne für seine sogenannte „größte nationale Krise“. Er hat zwar vergessen, dass weibliche Boyz-II-Men-Fans nicht mehr im gebärfähigen Alter sind, jedoch ist im weiteren Sinne das Konzert nur eine Aktion im Namen seiner Strategie, die ihm nun genauso wichtig ist wie die Unterstützung des syrischen Regimes.

      Seine Regierung hat sogar vorgeschlagen, einen Steuersatz aus stalinistischen Zeiten für kinderlose Männer wieder einzuführen. Das Mutterschaftsgeld haben sie bereits aufgestockt. Außerdem hat Putin einen großen Steuererlass für ein zweites Kind gewährt. 2007 rief die Regierung einen „Nationalen Empfängnistag“ in Verbindung mit der Prämie eines Kühlschranks für jede Frau, die neun Monate später ein Kind zur Welt brachte, aus. Für so einen Anreiz presst man doch gern eine fleischgewordene Bowlingkugel aus seiner Vagina. In Kürze: Sie haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, außer Männer mit Erektionen zum Stillliegen genötigt, während Frauen im gebärfähigen Alter über sie rollen.

      Aber es hat alles nichts genützt. Es scheint, als hätte Rasputin, seinerseits ein Schwergewicht der Liebe, Russland verflucht, während der Tod an seiner Penisfunktion nagte. Da hilft es natürlich auch nicht, dass Russen sich als die größten Abtreibungsfans mit einer Ratio von 13 Abbrüchen zu je zehn Geburten beweisen.


      Rasputins Penis

      Russland ist mit seiner Geburtenrate aber nicht das absolute Schlusslicht der Welt.

      An die Stelle treten die frigiden Bewohner von Macau, dicht gefolgt vom mit Babyhass infizierten Hongkong. In Japan ist die Geburtenrate sogar so niedrig, dass mehr Erwachsene- als Babywindeln verkauft werden. Auch die Südkoreaner zeigen mit 1,2 Geburten pro Frau wenig Motivation. Außerdem verbuchen sie die größte sexuelle Unzufriedenheit weltweit. Ein Drittel von ihnen verweigert sogar Sex vor der Ehe. Stattdessen nutzen sie lieber ihre Freizeit, um virtuelle Schwerter bei Second Life für sich zu gewinnen und dabei lediglich 4,4 Ficks pro Monat einzustreichen, was sie nach den Taiwanesen zum internationalen Vorletzten in Sachen Sexquote macht.

      Anders als die Ostasiaten, die mit ihrer Ernährung von braunem Reis und rohem Lachs bis zu 120 Jahre alt werden, ist es die erstaunliche Todesrate, die für die Russen einen weiteren Nagel in ihren Sarg hämmert. Russische Männer sterben durchschnittlich mit 59. Sie trinken viel und zu oft. Sie rauchen schnell. Sie treiben keinen Sport. Und schließlich explodiert ihr Herz irgendwann, wenn sie gerade in der Couchritze nach Kleingeld suchen.

      Genau darum hat Putin plötzlich eifrig mit seinem Feldzug gegen Alkohol angefangen. Er hat bereits ein Verbot des öffentlichen Trinkens und ein Verkaufsverbot von Alkohol nach 23 Uhr mitsamt minimaler Preisregulierung durchgesetzt. Es hat nicht funktioniert. Vor fünf Jahren machte schwarzgebrannter Schnaps bereits 35 Prozent des Marktes aus. Bis 2014 sollen es 60 Prozent werden. Die Russen wollen sterben und deswegen tun sie dies auch. Andere von ihnen erklimmen die ganze Zeit riesig hohe Dinge und der Rest wird zum Bösewicht in Bondfilmen. Der Tod war schon immer die russische Lebensmentalität.

      Nun werden sie zu menschlichen Pandas. Du kannst ihnen zwar Schmuddelhefte ins Gehege schmeißen, sie mit Bambus, Spargel und Muscheln füttern und sie trotzdem nicht vor dem Aussterben retten, da es durch ihre Lebensmüdigkeit vorbestimmt ist. Der Fatalismus, der das russische Temperament ausmacht—das Durchhaltevermögen der Kälte, der Kriege, der Diktatoren und dessen Überwindung mit einem Achselzucken—, wendet sich nun mitsamt moderner Verhütung gegen die eigene Spezies.

      Sie rebellieren nicht wegen der Bedingungen—Niedriglöhne, verkommene Infrastruktur oder allgemeine Unterdrückung—, sondern wählen mit ihren Gebärmüttern eine eher elegante Form der Selbstausrottung. Im kommunistischen Zeitalter bauten sie noch Boote aus Eisstielen und segelten mit ihnen nach Finnland. Jetzt ist der einzig richtige Weg aus Putins Russland, erst gar nicht geboren zu werden. Das ist auch ja auch einfacher.

      In geraumer Zeit werden es die Russen den Mayas oder den Shona aus Simbabwe gleich tun und als halber Mythos enden, zu dessen Ruinen wir Kaffeefahrten machen. Dann schauen wir auf die Basilius-Kathedrale und malen uns aus, wie mächtig die Menschen waren, die sie erbaut haben. Wusstet ihr, dass sie Bären zum Tanzen gebracht haben? Und die Idee einer pseudo-lesbischen Band erfunden haben? Bizarr.

       


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      Themen: Russland, Putin, sex, Fortpflanzen

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