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      Esst mehr Pferdefleisch, ihr Jammerlappen

      February 19, 2013

      179.000 Lasagnen verseucht mit Pferdefleisch? Ach hört doch auf, ihr Heuchler! Euch interessiert doch sonst auch nicht, was in dieser ekligen Fertigpampe drinnen ist, die ihr euch täglich in den Rachen kippt. Warum verschmäht ihr dann gutes Pferdefleisch? Ich glaube, dass auch Pferde es verdient haben, als wertvolle Ergänzung unseres Speiseplanes zu enden, deshalb habe ich mich mit einem Pferdefleischexperten aus unserem Nachbarland in Verbindung gesetzt: Pferdemetzger Kaspar Wörle führt seit über 20 Jahren die Pferdemetzgerei am prestigeträchtigen Viktualienmarkt, direkt im Zentrum von München. Dass er es auch immer wieder mit Leuten zu tun bekommt, die bei Pferden in Wurstform aggressiv werden, bestätigt er: „Ich habe schon Morddrohungen bekommen. Einmal kam ein Anruf: ‚Demnächst erliegst du in deinem eigenen Blut, so wie die Pferde.‘ Die Markisen haben sie uns schon zerschnitten, das Schaufenster mit Lack angesprüht oder die Ladentür mit Sekundenkleber zugeklebt.“ Menschen die zu einem Tier eine höhere Affinität besitzen als zu ihrem Lebensabschnittspartner, waren mir, ähnlich wie Pferdemetzger Wörle, schon immer suspekt. Wörle erzählt von den klassischen Vorbehalten gegen den Verzehr von Pferdefleisch in Deutschland: „Pferde isst man nicht. In Deutschland wird oft gesagt, dass das Pferd ein Partner ist und kein Tier zum Essen. Aber in Frankreich oder Italien sieht das ganz anders aus.“

      Frei nach der Anweisung aus der Bibel: „Machet euch die Erde Untertan“, bin ich, ähnlich den Franzosen oder Italienern, der Meinung, dass Tiere zum fressen da sind. Deshalb ließ ich mir von seiner Frau Ursula Wörle auch ein paar Tipps zur Pferdefleisch Zubereitung abseits des Pferdeleberkäse geben. Am liebsten essen die beide Rheinischen Sauerbraten. Der wird traditionell nämlich vom Pferd hergestellt. Als Fleisch für Sauerbraten vom Pferd empfiehlt Frau Wörle die Keule, also „ein gutes Stück vom Schlägel.“ Noch besser wäre Fohlenfleisch, aber das gibt es nur wenn man Glück hat und zufällig ein Fohlen geschlachtet werden kann.



      Ich zeige dir jetzt mal, wie du dir einen ordentlichen Pferdesauerbraten kochen kannst. Alles Step-by-Step, damit du nicht, wie bisher, die Ekel-Lasagne vom Discounter essen musst, sondern auch mal in den Genuss von wohlschmeckendem Pferdefleisch kommst. „In der Presse“, sagt Ursula Wörle, „wird Pferdefleisch immer als süßlich beschrieben, aber das ist überhaupt nicht wahr. Pferd hat einen herben Geschmack, der eher mit Wild zu vergleichen ist.“ Ihr Mann will sogar soweit gehen, Pferdefleisch geschmacklich irgendwo zwischen Wild und Freiland-Rind, wie zum Beispiel Angus oder Galloway, einzuordnen. Auch aus gesundheitlichen Aspekten ist Pferdefleisch zu empfehlen: Es hat einen sehr niedrigen Cholesteringehalt und einen hohen Eisengehalt. Deshalb ist Pferdebraten auch besonders für Schwangere zu empfehlen. Sollte das nicht reichen, dich zu überzeugen, weiß ich auch nicht mehr weiter.



      Rezept: Rheinischer Sauerbraten vom Pferd (für 4 Personen)

      1 Kilo Pferdefleisch (Keule)

      Marinade

      1 Flasche Rotwein

      150 ml Balsamicoessig

      1 TL Pimentkörner

      1 TL Wacholderbeeren

      ½ TL Korianderkörner

      ½ TL Süßer Senf

      ½ TL Nelken

      ½ Zimtstange

      1 Zweig Rosmarin

      1 Zwiebel

      1 Karotte

      1 Petersilienwurzel


      Bratensauce

      1 Petersilienwurzel

      1 Kartoffel

      1 Karotte

      1 Zwiebel

      1 Knoblauchzehe

      200g Fleischbrühe

      1 TL Rosinen

      Zucker

      Salz

      Pfeffer


      Schritt 1 – Die Marinade



      Am besten ist es, du legst dein Fleisch schon am Vortag ein. Dafür brauchst du eine Marinade aus Wein und Essig. Als Wein empfehle ich ganz besonders Valpolicella Ripasso von Rubens, wegen des netten Pferdebilds auf der Flasche—da kann man sich gleich besser aufs Gericht einstimmen. Vergiss nicht, eine zweite Flasche zu kaufen, damit du auch den passenden Wein dazu servieren kannst.



      Einfach Wein, Essig und die ganzen Gewürze in einen großen Topf geben.



      Während du das ganze langsam zum Kochen bringst, schneidest du Zwiebel, Karotte und Petersilienwurzel in kleine Würfel und kippst sie einfach mit rein. Sobald das ganze dann anfängt zu köcheln, schaltest du es aus. Schon ist deine Marinade fertig.



      Jetzt dein Fleisch einfach im Ganzen in der Pampe versenken. Am besten du lässt deine Pferdekeule jetzt erst mal über Nacht einziehen.



      Am nächsten Morgen sieht das ganze dann so aus.


      Schritt 2 – Bratensauce



      Ordentlich Öl in die Pfanne geben und auf volle Hitze drehen. Das Fleisch ordentlich anbraten …



      … bis es außen schön schwarz wird. Die Röstaromen, die sich so bilden, schmecken ziemlich geil. Auch wenn irgendwelche Spinner behaupten, du würdest davon Krebs bekommen. Solltest du also zu den Leuten gehören, die sich gerne von irgendwelchen Wissenschaftlern verunsichern lassen, dann drehst du es halt lieber etwas früher um. Möchtest du dein Leben auch genießen, geh mal ein Risiko ein.



      Dein mehr oder weniger angebratenes Fleisch einfach wieder zurück in die Marinade versenken. Aus der machst du jetzt die Bratensauce.



      Das Gemüse wieder in kleine Würfel schneiden. Diesmal aber erst in der Pfanne anbraten, bevor sie in den Topf wandern. Dann die restlichen Zutaten einfach alle mit rein, umrühren und das Fleisch wieder zurück in den Topf. Jetzt brauchst du viel Zeit. Damit das Fleisch so richtig zart wird, musst du es jetzt zwei Stunden auf kleinster Flamme köcheln lassen. Am besten du beschäftigst dich anderweitig während dieser Zeit, zum Beispiel indem du das Feigenkraut und die Spätzle als Beilage kochst. Dazu aber später mehr.

      Wenn die zwei Stunden vorbei sind, nimmst du mal wieder das Fleisch aus dem Topf und pürierst alles ordentlich durch. Normalerweise ist es jetzt durch das ganze Gemüse bereits eine schön gebundene Sauce. Sollte das nicht der Fall sein, musst du einfach noch einen Esslöffel Stärke in kaltem Wasser auflösen, zugeben und alles nochmal aufkochen.


      Schritt 3 – Feigenkraut

      Rezept: Feigenkraut

      1 Glas Blaukraut

      200g Feigen

      2 Nelken

      3 Wacholderbeeren

      Ein Schuss Prosecco




      Für Feigenkraut kaufst du dir einfach normales rotes Kraut aus dem Glas (auch als Blaukraut bekannt), schnipselst Feigen klein und gibst beides zusammen mit den Gewürzen in einen Topf und lässt es kurz warm werden. Solltest du welchen im Haus haben, und das sollte man immer, gibst du zur Verfeinerung noch einen Schluck Prosecco hinzu.

      Schritt 4: Spätzle

      Das Spätzlerezept habe ich mir von meiner Oma besorgt. Ein paar Eigelb mehr würden es noch besser machen, hat mein Opa zu Lebzeiten immer behauptet. Also hier mein geheimes Familienrezept für euch. Sollte euch das zu viel Arbeit sein, könnte ihr euch auch diese seltsamen Fertig-Spätzle aus dem Discounter besorgen. Wenn du es selber machst, kannst du wenigstens sicher sein, was drinnen ist. Nicht das dir noch ein raffgieriger Industrieller anstatt Weizenmehl Sägemehl unterschiebt.

      Oma Schönlebens Spätzlerezept:

      500g Mehl

      Vier Eier (plus drei Eigelb zu Ehren meines Großvaters)

      200 ml Wasser

      Priese Salz




      Spätzle sind eigentlich keine große Sache. Du schüttest einfach Eier und Wasser in eine Schüssel und gibst das Mehl und die Priese Salz dazu. Dann rührst du einfach so lange, bis dir der Arm weh tut, und fertig ist der Teig. Am Ende sollte es eine Masse geben, die „viskos“ vom Löffel tropft. Je nach Festigkeit einfach Wasser oder Mehl nachgeben.



      Spätzle kannst du natürlich nicht ohne eine entsprechende Reibe machen. Die stellst du auf einen Topf mit kochendem Wasser. Oben kippst du einfach die Pampe rein, unten tropfen—unter der Bedingung, dass dein Teig „viskos“ genug ist—die fertigen Spätzle raus und werden sofort gekocht.



      Bist du fertig und alle Spätzle schwimmen an der Oberfläche, schöpfst du sie einfach ab und gibst sie kurz in eine Schüssel mit kaltem Wasser. So kleben sie nicht zu einer breiartigen Masse zusammen. Ein paar Minuten später kannst du sie dann ganz normal wie Nudeln einfach in ein Sieb schütten.

      Schritt  5 – Essen



      Mmmm, geil, hast du alles richtig gemacht, ist dein Pferdefleisch butterweich und zart. Vergiss nicht, dein Fleisch richtig herum zu schneiden. Ich checke das auch nie, aber frag doch einfach den Metzger deines Vertrauens beim Einkauf. Solltest du es falsch herum schneiden, ist auch das beste Pferdefleisch später ein zäher Hund.



      Lass es dir schmecken! Gut zubereitetes Pferdefleisch ist einfach ein Gaumenschmaus. Pferdemetzger Kaspar Wörle sieht das Problem des aktuellen Fleischskandals auch ähnlich wie ich. Der gute Name des Pferdebratens wird durch Billig-Lasagne in den Dreck gezogen: „Der Fleischskandal ist in Wirklichkeit ein Etikettenschwindel. Das hat überhaupt nichts mit Pferdefleisch an sich zu tun.“ Lass dich also nicht von der Discount-Fleischmafia verarschen und koch deinen Pferdebraten lieber selbst. Jetzt weißt du ja, wie es geht.



       

       


      WAS MAN NOCH FRESSEN KANN:

       

      Ich ficke Essen
      Rob Delaney tut das natürlich nicht wirklich, aber er stellt es sich sehr gerne vor. Er ist von Essen besessen.
      Ich fraß meine Nachgeburt
      elangweilt davon, immer nur Nudeln mit Butter zu fressen, suchte ich einige kulinarische Blogs nach Alternativen ab und stieß auf einige wirklich zweifelhafte Rezepte, wie etwa Smoothies aus Plazenta.
      Das ist die Frau, die Hunde zum Sex mit Menschen abrichtet
      Anna, eine Prostituierte aus Odessa in der Ukraine, ist mehr als nur tierlieb und hat keinerlei Probleme mit Vierbeinern.


       

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      Themen: Pferdefleisch, Skandal, Fressen, Dreck

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