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Keine Liebe in der Liebigstrasse

In Berlin gibt es zwei Stadtteile die nur so vor Kinderwägen, Bio-Bäckern und Lebensfreude strotzen. Man kann die Harmonie förmlich schmecken, sie strömt überall aus den Ecken. Doch heute früh acht Uhr zeigte das bunte Friedrichshain sein böses...
2.2.11

In Berlin gibt es zwei Stadtteile die nur so vor Kinderwägen, Bio-Bäckern und Lebensfreude strotzen. Man kann die Harmonie förmlich schmecken, sie strömt überall aus den Ecken. Doch heute früh acht Uhr zeigte  das bunte Friedrichshain sein böses Gesicht. Eines der allerletzten besetzten Häuser, die Liebigstraße 14, wird zwangsgeräumt. Das Kapitel des freien Wohnraums ist hiermit bald Geschichte in Berlin.

Lange wurde diskutiert, verhandelt, Klagen eingereicht und wieder abgelehnt. Seit gestern stand fest, die Autonomen müssen da raus. Am Wochenende wurde von Seiten der Linksextremisten schon viel protestiert und für Mittwoch früh eine klare Kampfansage gestellt. Keine Liebe in der Liebigstraße. Der Gerichtsvollzieher samt 2.000 Polizisten rückte heute früh im Berliner Osten an. Mit dem Satz „Geh mal dort hin, kuck dir das mal und bring Fotos mit!“ im Hinterkopf, machte ich mich auf den Weg.

Am Ort des Geschehens war es zu Beginn eher ruhig, Seitenstraßen waren abgesperrt und die Polizisten hatten brav ihre Stiefel geputzt. Die Männer auf dem Dach wurden als Vorsichtsmaßnahme aufgestellt, weil am Wochenende von dort oben Steinen abgefeuert wurden. Als gegen 8:30 Uhr endlich alle ausgeschlafen waren, konnte die Demonstration beginnen.

Der Mob marschierte die Proskauerstraße hinauf, alle im Partnerlook schwarz gekleidet. Es wurde im Chor gebrüllt, gereimt, gepfiffen und alles wieder von vorn. Keine Ausschreitungen, kein Blut, keine brennenden Autos. Alle Mann bogen rechts (natürlich nur im Sinn der Straßenführung) ab in die Rigaerstraße.

Des Demonstranten liebstes Accessoire. Klares Statement, auch praktisch für schnelle Anonymität.

Das Rudel vereint. Sobald irgendwo ein Knaller losging rannten sie alle los. Sie wurden kameradschaftlich mit "hop hop hop" angefeuert. Was ich durchaus sehr nett und vor allem witzig fand.

Wahre Liebe in Uniform.

Die erste Mini-Eskalation. Es ging um eine weggenommene Mütze, wie gemein.

Hier ein Merkzettel, falls jemand vergessen sollte, worum es hier eigentlich geht.

Auf der Frankfurter Allee gab es die ersten größeren Auseinandersetzungen, mit Schupsen und Pöbeln. Die Straße wurde komplett gesperrt und abgeriegelt. Unzählige Polizeieinsatzfahrzeuge wurden als Mauer umfunktioniert.

Sie hat immer wieder nach dem Warum gefragt und einfach keine Antwort bekommen. Der Beamte hat sie dann einfach sitzen gelassen, was zu Folge hatte, dass sofort mehrere Fotografen um sie kreisten. Wie Geier auf der Suche nach perfektionierter Verzweiflung.

Er sagt es durch die Blume.

Zurück auf der Liebigstraße war alles voller Bullen und Demonstranten. Hier eine kleine Eskalation, die Luft ist voller Aggression. Wenigsten lassen zwei noch Sonne in ihr Herz.

Ich weiss gar nicht warum ich hinter der Absperrung war. Was zur Hölle will ich hier? Wenn die jetzt losrennen, dann drücken die mich einfach in die Hauswand.

Hin und her, hoch und runter, links und rechts.

Zurück auf der Frankfurter Allee war ich irgendwann mitten drin, angeheizt von den Protestrufen, den vielen Katastrophen-Journalisten samt Paparazzi-Kameras. Leicht orientierungslos rannte ich mitten rein. Meine Kamera auf bunte Punks und grüne Polizisten gerichtet, kam von hinten ein „TRÄNENGAS“-Aufschrei und zack, hatte ich ein volle Ladung im Gesicht. Mittendrin statt nur dabei.

Vorrübergehend erblindet wurde ich von Sanitätern rausgezogen und in "Sicherheit" gebracht. Es fühlte sich an, wie in einem schlechten Film. Ich wurde in eine Notfalldecke gewickelt, vollständig blind und ein Weltraumwurst-Outfit. Nach mehreren Augenspülungen übergaben mich die Sanitäter an zwei holländische Mädchen. Hier wurden mir von Linksradikalen mit Kochsalzlösung die Augen ausgespült; liebevoll begrüßt mit den Worten "Na, och ne Ladung Pfeffer abbekommen?"

Nach einem kurzen Telefonat mit der Redaktion habe ich dann gemerkt, dass „Geh mal dort hin, kuck dir das mal und bring Fotos mit!“ eigentlich hieß "Geh dort hin, lass dir ne Ladung Tränengas in die Augen kippen und dann schreib drüber!" Mein neues Hobby: alle 30 Minuten mit Kochsalzlösung spülen.