sex sells

Bekenntnisse eines Amateur-Tennistrainers

Hollywood-Filme und Pornos haben uns beigebracht, dass Tennis-Trainer und ihre Schülerinnen eine zuweilen intime Beziehung pflegen. Wir haben einen Tennis-Trainer befragt, was da dran ist. Protokoll einer Beichtstunde.

von Toni Lukic
09 Juni 2015, 11:50am

Foto: Imago

Ein Klischee würde sich nicht als solches halten, wenn nicht ein wenig Wahrheit dahinter stecken würde. Im Breitensport scheint die Vorstellung fest eingebrannt, dass ein jeder Trainer, der Schülerinnen Privatstunden gibt, sie später auch flachlegt. Dieses Vorurteil (oder Bewunderung) haftet fast jedem Ski-, Surf- oder Tennis-Trainer an. Wir haben letzteren aus dieser Gattung getroffen und uns erklären lassen, wie das mit der Vorhand funktioniert.

Ich habe mit 14 schon in der Herrenmannschaft gespielt und mit 15 Training gegeben. Sie wollten mich als talentierten Jugendlichen, der ich damals noch war, an den Verein binden. Das lief dann unter der Hand, weil man den Trainerschein erst mit 18 machen kann. Damals habe ich 15 Euro die Stunde verdient, was gutes Geld war für mich. Mit 18 habe ich den Trainerschein gemacht und konnte dann einen Stundensatz von 30 Euro verlangen. Trotzdem lief das unter der Hand ab. Du gehst zu den Eltern und fragst, ob es für die in Ordnung ist statt 32 Euro die Stunde 30 Euro bar auf die Hand zu zahlen. Den Meisten war das egal. Die sind froh, wenn ihre Kids spielen können. Ohne Rechnung bist du quasi unsichtbar und warst nie da. Das macht jeder so.

Ich habe erst ein Mal erlebt, dass das Finanzamt einen Trainer erwischt hat. Der musste dann 3500 Euro nachzahlen. Auch den großen Vereinen ist das egal, die wollen, dass die Anlage voll ist. Und die ist voll, weil die Eltern ihre Kinder wegen des Ansehens zu den großen Vereinen schicken, egal wie untalentiert sie sind.

Ich habe mal einen 9-Jährigen trainiert, der 70 Kilo gewogen hat. Wenn er rückwärts gelaufen ist, hatte ich Angst, dass er sich das Genick bricht. Als ich den Vater gefragt habe, was er sich vom Training seines Sohnes erhofft, kam die Antwort: „„Ich bin einfach nur froh, wenn meine Kinder nicht zuhause sind." Bei solchen Kindern, wo die Motivation eh nicht da ist, weißt du, dass eh nichts draus wird. Die Vereine merken schnell, dass die Kinder scheiße sind, wollen aber natürlich auf die Kohle nicht verzichten, weswegen die auch gehalten werden. Von dem Geld holen sie sich die talentierten Jugendlichen einfach dazu, die bei kleineren Vereinen aus Geldgründen nicht gefördert werden können.

Foto: Creative Commons

Tennis ist definitiv kein günstiger Sport. Vor dem Training siehst du die russischen Muttis mit ihren Cayennes vor dem Training warten, während Artjom Tennis spielen muss. Du brauchst schon Geld, wenn du Tennis spielen willst, außer du hast ein Wunderkind, dass mit Sieben schon in jede Förderung reinkommt.

Wenn du dann die Kinder trainierst, kommst du so an die Eltern, weil die Lust haben zu spielen. Damit baust du dir auch einen Stamm an Älteren auf. Mit denen ist es auch entspannter, weil du nicht viel machen musst. Die sind einfach froh, dass die jemanden zum spielen haben. Und nicht nur zum spielen.

Ich hatte mal eine Ende 30-Jährige trainiert. Ihr Freund war in einer anderen Stadt arbeiten. Abends nach dem Training hat sie mich immer nach Hause kutschiert. Irgendwann ist das Training wegen Regen ausgefallen und sie hat mich gefragt, ob wir stattdessen was essen gehen wollen. Danach waren wir noch was trinken und du kannst dir vorstellen, was danach noch passiert ist. Die Sache ging auch regelmäßiger. Immer Donnerstags, nach der letzten Trainingsstunde, gab es danach nochmal eine persönliche Trainingsstunde von ihr. Eine Andere war Mitte vierzig – frisch im Trennungsjahr. Da lief dann was auf dem Schützenfest. Das Problem war, dass ich ihre beiden Kinder trainiert habe und sie immer auf der Anlage stand. Irgendwann bin ich weggezogen, als ich aber meinen alten Verein besucht habe, habe ich gesehen, dass sie wieder mit ihrem Mann zusammengekommen ist. Da fiel das Hallo-Sagen auch sehr unangenehm aus.

Bei den Jüngeren, den 16- und 17-Jährigen merkst du ja nicht mehr, dass die so jung sind. Als ich jünger war habe einige schon in Clubs getroffen und gedacht, dass man die eigentlich auch mitnehmen könnte. Die Gefahr ist aber natürlich groß, dass das irgendwann rauskommt und du ganz schnell raus bist aus dem Verein und deinen Ruf weg hast. Die Tennis-Szene ist nicht so groß.

Und sowas geht eigentlich nie gut aus. Es gibt ja immer wieder Frauen, die sich mehr erhoffen. Wenn du irgendwann deine Freundin oder deine Affäre trainieren musst, dann macht das keinen Spaß mehr, weil sie einfach nur Zeit mit dir verbringen will. Willst du deiner Affäre 30 Euro für „„Tennistraining" aus der Tasche leiern und danach sollst du noch Sex mit ihr haben? Ich kann dir sagen, dass das Gefühl nicht so geil ist.

Willst du deiner Affäre 30 Euro für „„Tennistraining" aus der Tasche leiern und danach sollst du noch Sex mit ihr haben?

Auch dieses Klischee, dass sich der Tennis-Trainer von hinten an die Schülerin schmiegt, mit ihr die Vorhand durchgeht und sie danach in der Umkleide knallt, das gibt es eigentlich gar nicht. Viele machen das ja hauptberuflich und halten die persönlichen Kontakte von sich fern. Ein Trainer, den ich kenne, soll sich angeblich zu nah an eine 17-jährige Schülerin geworfen haben. Innerhalb von zwei Wochen war er entlassen und hatte noch zwei Strafanzeigen wegen sexueller Belästigung am Hals. In der Provinz ist das das Todesurteil für einen Trainer.

Wenn du Mitte Zwanzig bist und etwas mit einer Schülerin in deinem Alter hast und da entwickelt sich etwas draus, dann ist das natürlich in Ordnung. Hast du aber etwas mit einer 18-Jährigen oder 45-Jährigen, dann brodelt die Gerüchteküche gewaltig. Ich würde meine Tochter dann ja auch nicht zu so einem Trainer schicken.

Was ich jedem empfehlen kann, der Tennis-Trainer ist und guten Gewissens mit seinen Schülerinnen was haben will, der sollte sechs Wochen im Robinson Club Training geben. Du kriegst deinen Stundenlohn, kannst saufen und jeden Tag Sex haben. Die Urlauberinnen schauen dort nach den Trainern, die ihnen gefallen, dann sitzt du Abends an der Bar und stellst dir gemeinsam mit ihr einen rein. Mir hat das sehr, sehr viel Laune gemacht.