Nach Taxifahrer-Krawallen verteidigen Franzosen auf Twitter ihr geliebtes Uber

Randalierende Taxifahrer haben in Frankreich das ganze Land gegen sich aufgebracht.

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26 Juni 2015, 10:25am

Foto: Imago/PanoramIC

Gestern zeigten Bilder aus Paris heftige Straßenschlachten um die Sharing Economy: Männer auf einer Brücke schmeißen einem vorbeifahrenden Wagen einen Betonblock von gut 50 Zentimeter Durchmesser auf die Windschutzscheibe. Versuchter Totschlag könnte man das wohl nennen.

An anderer Stelle werden Barrikaden aus brennenden Autoreifen errichtet und wahllos Autos umgekippt. Was die Demonstranten so verärgert hatte? Die Autos und ihre Fahrer dienten als Taxis für Uber.

Der Protest französischer Taxifahrer gegen private Fahrdienstanbieter wie UberPop, der am Morgen mit einem Streik von 3.000 Fahrern friedlich begonnen hatte, war schnell in gewalttätige Krawalle umgeschlagen.

Über Twitter und Facebook rollt nun eine Welle der Solidarität mit der US-amerikanischen Online-Fahrtenvermittlung: #JesuisUber. Gleichzeitig verfluchen sie die traditionellen Taxifahrer, die in ihrem Wutrausch auch noch die Zugänge zu beiden Pariser Flughäfen und dem Bahnhofe blockierten.

Falsches Signal der Politik: Mit ein bisschen Gewalt lassen sich seine Ziele schneller erreichen

Auch in Deutschland hatte die Taxigewerkschaft gegen Ubers Markteintritt im Oktober 2014 demonistriert—doch wie erklärt sich der inbrünstige Hass auf Uber, den Frankreichs Taxifahrer gestern auf die Straße getragen haben?

Nicht ganz unschuldig dürfte hier die französische Gesetzgebung sein, die die Anzahl offizieller Taxilizenzen in Frankreich auf ca. 55.000 limitiert hat. Taxifahrer, die in Rente gehen, geben ihre Lizenzen gewöhnlich nicht an den Staat zurück, sondern verkaufen sie weiter—oft zu überhöhten Schwarzmarktpreisen von bis zu 240.000 Euro.

Private Uberfahrer operieren ohne eine derartige Taxilizent und haben somit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Obwohl die gängige Praxis des Lizenzhandels ein offenes Geheimnis ist, machte der Staat bisher keine Anstalten, einzugreifen.

Dies wiederum dürfte die ambivalente Entscheidung erklären, die Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve gestern als Reaktion auf die Taxifahrer-Krawalle getroffen hat. Mit sofortiger Wirkung erklärte er die Dienste von UberPop als „Illegal" und wies die Polizei an, das Verbot durchzusetzen.

Frankreich Präsident Francois Hollande äußerte sich am Rande des EU-Gipfels in Brüssel ähnlich. Zwar haben die Politiker damit die Krawalle im Land weitgehend beruhigt, doch senden sie gleichzeitig das Signal: Mit ein bisschen öffentlicher Gewalt lassen sich seine Ziele schneller erreichen—ohne dass andere dahinterliegenden Problem angegangen werden.

Opfer der Attacken auf Uberfahrer und ihre Gäste wurde übrigens auch Courtney Love, die sich per Tweet direkt an den französischen Präsidenten wandte und den Vorfall auch auf Instagram dokumentierte:


how on earth are these people allowed to do this? the first car was destroyed, all tires slashed and beat with bats, ...

Posted by Courtney Love on Thursday, June 25, 2015

„Ich hab zwei Typen mit Motorrädern bezahlt, damit sie uns daraus bringen. Wir wurden von einem Mob Taxifahrer verfolgt, die uns mit Steinen bewarfen. Wir kamen an zwei Polizisten vorbei, die gar nichts gemacht haben", erklärte die Sängerin abschließend, stellvertretend für viele ausländische Touristen, die gestern in Paris unterwegs waren.

Neben Touristen und französischen Privatleuten meldeten sich dann auch liberale Politiker über #JesuisUber zu Wort: Sie würden „nie wieder ein Taxi" benutzen. Es sieht so aus, als sei in Frankreich ein neuer Glaubenskrieg ausgebrochen.