Drogen

Polizei und Zoll haben in Deutschland dreimal so viel Kokain beschlagnahmt wie 2016

Gebracht hat das aber anscheinend kaum was.
27 Dezember 2017, 12:42pm
Foto: stevebp | PixabayCC0 || Kreditkarte: falco | Pixabay | CC0 || Montage: VICE

Aktuell sucht eine deutsche Jury wieder das "Unwort des Jahres". Gute Chancen auf den Gewinn dürfte der Begriff "Fake News" haben, bis zum 31. Dezember kann man aber auch noch Wörter wie "Kokainschwemme" einreichen. Eine solche habe in diesem Jahr Deutschland erreicht, sagt René Matschke, Leiter der Zollfahndung Hamburg dem NDR. Er und seine Kollegen beim Zoll und der Polizei haben 2017 in ganz Deutschland knapp sieben Tonnen Kokain aus dem (natürlich illegalen) Handel gezogen – dreimal mehr als im Vorjahr, so die Zahlen des BKA.

Die weiße Droge wird vor allem über den Seeweg eingeschmuggelt. Allein im Hamburger Hafen haben die Fahnder des Zolls bis zum Sommer dieses Jahres über 3,8 Tonnen Kokain gefunden. Teilweise steckten die Schmuggler das Kokain einfach in Sporttaschen, die sie in Cargocontainern abstellten. Kontaktpersonen sollten die Taschen dann aus den Containern nehmen – sofern der Zoll nicht dazwischenfunkt.

Fast schon ein Klassiker, als Versteck aber weiterhin beliebt: Bananenkisten. Nachdem bereits in den letzten Jahren immer wieder größere Mengen eingeschweißter Drogenpakete unter dem Obst versteckt wurden, fanden die Beamten in diesem Jahr fast jedes achte Kilogramm Kokain in einer Bananenkiste. Zwischen dem Obst tauchten auf: 384 Kilo in Leverkusen, 225 Kilo in Heilbronn, 180 Kilo in zehn Filialen einer Handelskette in Bayern und nochmal 120 Kilo in Leverkusen.


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Dagegen wirken die 5,5 Kilo, die das LKA Thüringen bei einem lokalen Dealerring fand, fast wie ein Schnupperangebot. Dort fanden die Beamten aber auch noch 1,8 Kilo Crystal Meth, zwei Kilo Haschisch und sechs Kilo Marihuana – zusammen ergab das den größten Drogenfund der letzten zehn Jahre in dem Bundesland.

Aber wie viel war das in Deutschland gefundene Kokain wert? Zum Vergleich: Die deutschen Privathaushalte gaben 2016 fast 22 Milliarden Euro für Alkohol aus. Das ist mindestens 15 mal so viel wie der Straßenverkaufswert der beschlagnahmten sieben Tonnen Kokain. Der dürfte zwischen 700 Millionen und 1,47 Milliarden Euro betragen – je nachdem wie sehr die Dealer den Stoff strecken und in welcher Stadt sie ihn verkaufen. Der Grammpreis für Kokain liegt im Schnitt zwar bei 100 Euro, der Hamburger Zoll ging im Juli aber davon aus, dass sich mit dem Koks aus den Schiffscontainern sogar 210 Euro pro Gramm machen lassen.

Ob die Beschlagnahmungen den deutschen Dealern wirklich geschadet haben, lässt sich nur erahnen: Der Zoll-Beamte René Matschke sagte dem NDR, dass man nur einen Bruchteil des deutschen Kokainhandels erwischt habe. Da die Preise 2017 stabil blieben, hatten die Zugriffe der Beamten kaum Auswirkungen auf das deutsche Geschäft. Der Nachschub aus Zentral- und Südamerika lasse nicht nach. Und das, obwohl auch dort gegen die Kartelle vorgegangen wird. So hatten lokale Sicherheitskräfte in Kolumbien im Herbst zwölf Tonnen Kokain sichergestellt – bei einer einzigen Aktion. Aber auch davon haben deutsche Nasen nichts gemerkt.

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