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Popkultur

Celebrity Deathmatch 2.0: Til Schweiger vs. Elyas M’Barek

Bei der Aftershowparty des Deutschen Filmpreises schlug Schweiger seinem Schauspielkollegen im Streit ins Gesicht. Zeit zu klären, wer der krassere Typ ist.
22.6.15
Foto: imago/Spöttel Pictures

Es gibt nicht viele Schauspieler in Deutschland, die einen so großen Star Appeal mitbringen, dass sie allein über ihre Beteiligung an einem Film Tickets verkaufen und Scharen an liebestrunkenen Frauen (von Teeniemädchen bis Hausmutti) in die Kinos locken. Hannover ist dann eben doch nicht Hollywood und wenn selbst zu den glamourösesten Filmpremieren der Bundesrepublik ehemalige Bachelor-Kandidatinnen eingeladen werden, dann sollte uns das als Kulturnation in jedem Fall zu denken geben. Vielleicht war die Nachricht, dass sich zwei unserer größten Filmstars nach dem Deutschen Filmpreis am Wochenende öffentlich gebitchslappt haben, deswegen auch so unfassbar skandalös. Im Rahmen eines Streits im Berliner Edelrestaurant Borchardt schlug Til Schweiger seinem Schauspielkollegen Elyas M'Barek unvermittelt ins Gesicht. Während der geprügelte Schönling daraufhin von dannen zog, konnte sein alkoholisierter Widersacher nur mit Mühe von einem Bodyguard gebändigt werden.

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Schock! Skandal! Was war passiert? Niemand weiß es! Zwar beeilten sich die Beteiligten, schnellstmöglich Entwarnung zu geben und öffentlich zu versichern, dass man sich mittlerweile versöhnt habe. Weil wir bei VICE aber stets auf der Suche nach der ultimativen Wahrheit sind und es uns ein echtes Anliegen ist, Auseinandersetzungen mit dem gesprochenen oder geschriebenen Wort, statt der flachen Hand zu lösen (wie damals, als in der Bronx HipHop erfunden wurde), haben wir uns einen Weg überlegt, diesen Streit beizulegen und ein für allemal zu klären, wer der krassere Typ ist. In insgesamt sechs Kategorien müssen die beiden Streithähne gegeneinander antreten, wer am Schluss die meisten Punkte gesammelt hat, hat gewonnen. Macht euch bereit für den spirituellen Nachfolger von Celebrity Deathmatch:

Erfolg

Sorry, Elyas, du aufgehende, wunderschöne Sonne am Starhimmel, aber in diesem Punkt kann niemand in Deutschland mit Til Schweiger ficken. Echt nicht. Egal, welche grenzdebilen Titel seine Filme tragen oder wie komplett inhaltsleer, innovationsarm oder nach Schema-F gedreht sie sind—die Leute lieben sie. Honig im Kopf, dessen Alternativtitel auch „Warum Alzheimerpatienten immer für ein Schmunzeln gut sind" hätte lauten können, wurde dieses Jahr mit dem Deutschen Filmpreis 2015 als besucherstärkster Film ausgezeichnet und tritt damit in die Fußstapfen von Vorgängerproduktionen wie Kokowääh oder Keinohrhasen, die ebenfalls zum erfolgreichsten gehörten, was in Deutschland jemals produziert wurde. Mit Kassenhits wie Fack Ju Göhte und Who Am I gehört M'Barek zwar ebenfalls nicht gerade zu den Geringverdienern der hiesigen Filmbranche, von Kassengott Schweigers Besucherzahlen kann er bisher allerdings nur träumen. Klarer Punkt für Deutschlands populärsten Nuschler.

Sex Appeal

Es bleibt bei diesem Punkt zu betonen, dass es sich um eine rein subjektive Betrachtung handelt, aber: Ich glaube, man kann ziemlich klar sagen, dass Elyas M'Barek hier die Nase vorn hat. Kuckt. Euch. Sein. Gesicht. An. Wenn Gott und diese Bleaching-Strips für weißere Zähne ein Kind bekommen hätten, es sähe aus wie Elyas. Natürlich: Til Schweiger wirkt im Alter zunehmend wettergegerbt und sein Image als leicht fertiger Lebemann, der sich nach Irrungen, Wirrungen und unverbindlichen Bettgeschichten doch endlich für die Frau seines Lebens entscheidet, mag bei der ein oder anderen Frau da draußen für Kontraktionen im Schritt sorgen. Wenn der Keinohrhasen-Regisseur allerdings anfängt zu sprechen, ist alles aus. Vor allem dann, wenn er sich auf einer Filmveranstaltung mal wieder so richtig an der Bar bedient hat. M'Barek umweht außerdem diese diffuse Aura des smarten Badboys. Jemand, mit dem man mit Bier im Park rumhängen kann, um dann mit Edding Penisse an Mülleimer zu malen. Wenn das nicht sexy ist, wissen wir auch nicht.

Filme

Es wäre unfair zu behaupten, dass jeder einzelne Film, an dem Til Schweiger jemals mitgewirkt hat, ein überemotionaler Albtraum in Durchfall-Sepia ist. Aber es sind dann doch ziemlich viele und genau deswegen wird Deutschlands größter Filmstar auch von so vielen Menschen gehasst. Dabei gibt es durchaus einige Highlights in Schweigers Filmografie— Der Bewegte Mann, Knockin' on Heaven's Door, Inglorious Basterds—, sie ertrinken nur in dem schnulzigen Feel-Good-Kino, das Deutschlands Antwort auf Brad Pitt aktuell wie am Fließband produziert. Elyas M'Barek hingegen schafft den Spagat zwischen cineastischem Abfall (Traumfrauen), Mainstream-Komödie (Fack Ju Göhte) und ambitioniertem Thriller (Who Am I) als wäre es Nichts und würde wahrscheinlich auch in einem fünfstündigen Arthouse-Film über Stubenfliegen nicht deplatziert wirken. Vielleicht liegt es daran, dass wir Til Schweiger Filme wirklich, wirklich hassen, aber in Sachen Filmografie geht der Punkt knapp an den 33-Jährigen.

Kultfaktor

Das Wort Kult als solches entbehrt an sich erst einmal jeglicher Konnotation. Sprich: Es gibt durchaus Personen, die so furchtbar sind, dass die Leute sie genau deswegen lieben. Oder eben hassen. Auf jeden Fall haben sie eine klar umrissene Emotion zu etwas. Ein perfektes Beispiel wäre beispielsweise Nicolas Cage, der goldene Gott des Internets, das menschgewordene Overacting. Oder—um in Deutschland zu bleiben—Otto. Der immer gackernd lachende Ostfriese mit der furchtbaren Frisur, dessen letzter guter Witz an die 20 Jahre her sein dürfte.

Wir haben mit dem Regisseur von ‚Who Am I' über ‚Fight Club' und versteckte Symbole in seinem bisher größten Film gesprochen.

Wenn wir die Kategorie Kultfaktor also dahingehend interpretieren, dass hier der Mensch die Nase vorn hat, der popkulturell ein ziemlich scharf umrissenes Profil hat und dafür gleichermaßen gehasst wie geliebt wird, dann muss der Punkt an Til gehen. Wer den Namen Til Schweiger hört, hat sofort ein bestimmtes Bild im Kopf, kann spontan wahrscheinlich mindestens vier Filme nennen, an denen der 51-Jährige mitgewirkt hat, und hat in jedem Fall irgendeine Meinung zu ihm. Elyas hingegen ist gefällig, wirkt irgendwie glatt und polarisiert einfach nicht so. Zähneknirschend müssen wir uns Schweigers Überlegenheit eingestehen.

Straßenkredibilität

Foto: imago/Metodi Popow

Jetzt wird es wirklich schwierig. Auf der einen Seite Elyas M'Barek, der immerhin schon den jungen Bushido verkörpert hat und seitdem bestimmt Rabatt auf die Vorspeisen in Arafat Abou-Chakers halbveganem Restaurant bekommt. Auf der anderen Seite der vermeintlich so gesittete Familienvater, der Leute besoffen wegklatscht, wenn sie ihm auf die Nerven gehen. Auch wenn Schweiger als Aggressor des Post-Filmpreis-Bitchfights gelten kann und somit auf den ersten Blick womöglich einschüchternder scheint, müssen wir den Punkt in der Streetcred-Rubrik ganz klar an M'Barek vergeben. Zum einen ist es die bedeutend beeindruckendere Reaktion, sich nach einer Schelle einfach umzudrehen und zu gehen und seinem Kontrahenten damit zu zeigen, wie wenig man ihn und seine Provokationen ernst nimmt. Ein Punkt für den feuchten Traum eines jeden Zahnarztes also.

Zukunft

Til Schweiger ist mittlerweile 51 Jahre alt, Elyas M'Barek erst knackige 33. Deswegen ließe sich ganz oberflächlich sagen, dass die Zukunft wahrscheinlich eher dem schönen Multitalent gehört, als dem Typ, der seine Medienkarriere in den 90ern als Synchronsprecher für Pornofilme startete. Während M'Barek als Schauspieler und Synchronsprecher allerdings noch darauf angewiesen ist, dass ihm die passenden Rollen zugeschustert werden, ist Schweiger an einem Punkt in seiner Karriere angekommen, in dem er seinen Kram einfach direkt selbst dreht—und bei Regisseuren gibt es bekanntlich keine klar definierte Altersgrenze, ab der der ganz große Erfolg nachlässt.

Wir haben zehn Stunden am Stück Til-Schweiger-Filme geguckt und es war die absolute Hölle.

Außerdem hat er sich seinen Schauspielnachwuchs gleich selbst nachgezüchtet und sollte er sich selbst irgendwann zur Ruhe setzen wollen, können seine Töchter Emma und Luna den Namen Schweiger in der deutschen Film- und Fernsehbranche am Leben erhalten. Ein klares Unentschieden also in der sechsten und letzten Kategorie unseres ultimativen Bitchfight-Showdowns und jeweils einen Punkt für unsere Streithähne.

Fazit

Screenshot: Twitter/AliAs_BM4G

4 zu 3 steht es nach 6 Runden und wir freuen uns aus dem tiefsten Inneren unserer kalten, zynischen Herzen, dass sich Everyboy's Darling Elyas M'Barek trotz temporärer Bitchslap-Schlappe in der direkten Auseinandersetzung schlussendlich doch gegen Til Schweiger durchsetzen konnte. Wir gratulieren Deutschlands populärstem Österreich-Import seit Falco und erkundigen uns schon mal nach dem aktuellen Berliner Schutzgeldspiegel. Falls der gute Til betrunken bei uns im Hinterhof auftaucht. Man weiß ja nie mit diesen sensiblen Superstars.

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Titelfoto: imago/Spöttel Pictures