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Giovanni Di Stefano will Charles Manson aus dem Knast hauen

Der neueste Mandant von Giovanni di Stefano, dem berüchtigsten Anwalt der Welt, ist Charles Manson.
18.1.11

Vor einigen Monaten sprachen wir mit dem berüchtigsten Anwalt der Welt, Giovanni di Stefano, (auch des Teufels Advokat genannt) darüber, wie es sich anfühlt, Slobodan Milosevic als Freund zu haben und vor einem Gericht zu behaupten, dass Saddam Hussein unschuldig sei. Sein Telefonbuch wurde eben noch ein wenig interessanter, nachdem sein neuster Mandant nun Charles Manson ist. Wir riefen also noch einmal bei Giovanni an, um zu erfahren, wie das so läuft.

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Vice: Du verteidigst ja nun Charles Manson. Wie läuft das?

Giovanni di Stefano: Meiner persönlichen Meinung nach, ist dieser Fall ziemlich verworren. Auf Grundlage der Verhandlung die 1971 stattfand, sollte er eigentlich nicht im Gefängnis sitzen. Das wichtigste ist nun, herauszufinden, obder sechste Verfassungszusatz verletzt wurde und meiner Ansicht nach wurde er das. Man hat durch diesen Zusatz das Recht, sich selbst zu verteidigen und wäre ich damals, 1971, der Berater von Herrn Manson gewesen, dann hätte ich ihm gesagt, dass es verrückt sei, dass er sich selbst verteidigt. Das amerikanische Rechtssystem ist zu verworren und es gibt etwas namens „Joint Enterprise“, das damals niemand berücksichtigt hat.

Joint enterprise?

Er wurde angeklagt, einen Mord begangen zu haben, doch das ist falsch und ich gebe dir ein Beispiel warum. Stellen wir uns vor, wir beide hätten eine Abmachung mit einer anderen Person. Ich sage: „Hören sie, Herr Langston, sie und Person X gehen jetzt los, verprügeln ihren Chefredakteur und klauen seinen Geldbeutel“. Du stimmst diesem Plan zu, bringst deinen Chef aber während der Durchführung aus Versehen um. Du hast unsere ursprüngliche Abmachung gebrochen und du und Person X sind des Mordes schuldig, aber ich bin einen Scheiß schuldig, denn ich sagte ja, dass du ihn „verprügeln“ solltest. Manson ist also nicht des Mordes schuldig, denn alles was er seinen Anhängern sagte war, etwas „böses“ zu tun. Das ist ziemlich weit davon entfernt, jemandem zu sagen, einen Mord zu begehen und deshalb ist er absolut unschuldig. Dieser Fall ist dem von Herrn Bin Laden sehr ähnlich, dem die Attacken am elften September zur Last gelegt werden. Wenn man das Prinzip, dass bei Manson damals angewendet wurde anwenden würde, dann wäre er schuldig, doch dieses Prinzip ist einfach falsch.

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Wurdest du von Manson selber angerufen, oder wolltest du ihn einfach zum Kreis deiner verrückten Mandanten zählen?

Ich wurde vor ungefähr neun Monaten von einem anderen Anwalt aus Sacramento, Kalifornien angesprochen, der mich bat, einen Blick auf den Fall zu werfen. Er gab mir dann auch die Nummer. Mein Bericht wurde nun an Herrn Manson geschickt und wir haben nun zwei Optionen. Erstens, wir könnten vor das oberste Bundesgericht, da wir auf Bezirksebene keine Chance haben, dort lehnen sie seine Gesuche ohne ersichtlichen Grund einfach ab. Aber dafür brauchen wir eine Petition, die andere Möglichkeit wäre nun vor die Inter-amerikanische Kommission für Menschenrechte zu treten (Vergleichbar mit dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg) und sie entscheiden dann dort, ob es Verstöße gegen das Gesetz gab. Das ist eigentlich ein ziemlich effektives Werkzeug von dem aber viele amerikanische Strafverteidiger noch nie etwas gehört haben. Ich weiß auch nur davon, weil ich Tariq Aziz verteidigt habe.

Giovanni Di Stefano

OK. Was ist deine persönliche Meinung über den Fall?

Wie kontrovers und absurd du nun vielleicht das Ganze betrachtest, denn Manson verbrachte ja bereits die letzten 40 Jahre im Gefängnis und dadurch macht es keinen Sinn den Fall neu aufzurollen. Die meisten Zeugen sind tot und durch die Zeit ist es für alle Beteiligten unmöglich geworden, sich an die Feinheiten und Details zu erinnern. Es ist auch unumstritten, dass er sagte „Geht los und tut etwas böses“, doch niemand hat jemals gesagt „Geht los und bringt Leute um“. In solchen Fällen werden in Amerika so gut wie nie die eigenen Gesetze respektiert, ganz zu schweigen von internationalem Recht. Aber Herr Manson sollte auf Grundlage dessen, was ich eben anführte, freigelassen werden und seine Verurteilung rückgängig gemacht werden. Ich bin gewillt ihm dabei zu helfen.

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Denkst du er würde eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen, wenn er wieder auf freiem Fuß ist?

Naja, er ist 77. Wie stellt man da noch eine Gefahr dar? Die Gesellschaft muss eine Entscheidung treffen. Lässt die Gesellschaft diejenigen frei, die vom Gesetz her frei sein sollten, oder sperrt sie diejenigen weg, von denen gemeint wird, dass sie eine Gefahr darstellen. Glaube mir, sollte ich nach Hause gehen und dort meine Frau mit einem anderen Mann im Bett erwischen, dann würde ich beide ohne mit der Wimper zu zucken umbringen. Wahrscheinlich auch den Hund, sollte er zugesehen haben. Wir sind alle lebendige Zeitbomben, wir sind alle potentielle Mörder und all das reicht zurück bis zu Kain und Abel in der Bibel. Von dem Moment an, an dem wir geboren wurden könnten wir alle zu Mördern werden.

Hat Manson denn zugestimmt, dass du ihn verteidigst?

Ich warte noch auf seine Antwort, aber die kann jederzeit kommen. Von dem was ich über Herrn Manson durch seine elf Bewährungsanhörungen weiß, hat er jedesmal angegeben, dass er nicht am Tatort der Morde war und laut US-Gesetz ist es so, dass solltest du des Mordes für schuldig befunden worden sein, aber nicht am Tatort warst, du höchstens für 19 Jahre eingesperrt werden kannst. Aber sie halten ihn einfach weiterhin fest. Illegal. Weil er Charles Manson ist.

Denkst du, die Regierung hat Angst vor dem öffentlichen Aufschrei, sollte er freigelassen werden?

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Die erste Person, die kommentierte, dass ich Manson verteidigen will war mein Cousin, der sagte: „Du musst Witze machen, lass diesen verrückten Typen im Knast. Er wäre eine Zielscheibe, sobald er rauskommt.“ Um ehrlich zu sein hat er damit sogar Recht. Aber in was für einer kranken Gesellschaft leben wir denn, wenn wir einen Menschen aufgrund seiner eigenen Sicherheit im Gefängnis wegsperren?

Was ist deine persönliche Meinung über Manson?

Ich habe noch nicht persönlich mit ihm gesprochen, doch von dem was ich über und von ihm gelesen habe, hört er sich an wie jemand der spannend ist. Er hatte Sex mit jeder Frau, die er kennenlernte. Alles was sich bewegte wurde von ihm gevögelt, alles andere wurde von ihm gemalt. Ein glücklicher Typ.

Was ist aus seinem ersten Anwalt geworden?

Er hieß Hughes und ist während eines Camping-Ausflugs verschollen. Das war 15 Tage bevor die Verhandlung geschlossen wurde. Sie fanden seinen verwesenden Körper zwischen zwei Felsbrocken, an dem Tag, als die Todesurteile gegen alle im Fall Manson verhängt wurden. Ich meine, Anwälte werden auch ab und an umgebracht, oder? Ich glaube es war Shakespeare, der sagte „tötet alle Anwälte“ und damit hatte er nicht unrecht. Soll er sich also mit mir anlegen.

Cool. An was arbeitest du sonst noch im Moment?

Diese Woche – und das hört ihr exklusiv – werde ich dabei helfen den Flüchtigen Ian Strachan zurück nach England zu bringen, nachdem er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat und aus dem Land geflohen ist.

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Ian Strachan

Kannst du kurz den Strachan-Fall schildern?

Ian Strachan wurde verurteilt, da er ein Mitglied der britischen Königsfamilie mit schwulen Sex-Vorwürfen erpressen wollte. Im Grunde hat er einen Royal dabei gefilmt, wie er Sex mit einem männlichen Angestellten hatte und dabei eine Menge Kokain konsumierte. Er versuchte das Material an die News of the World zu verkaufen, doch die wollten ihm nicht genug bezahlen, also wandte er sich an die königliche Familie und verlangte einen Haufen Geld. Er wurde sofort der Polizei wegen Erpressung übergeben. Das ist der Punkt an dem es dann richtig interessant wird. Die News of the World waren Kronzeugen in dem Prozess und im November bekam ich einen Anruf von der Polizei, die mir mitteilten, dass die News of the World während des Prozesses mein Telefon abgehört hätten. Das wirft ziemlich viele Fragen auf, ob bei dem Prozess alles mit rechten Dingen zuging. Strachan wurde zu zweieinhalb Jahren verurteilt und dann freigelassen, doch es gab einige Bewährungsauflagen mit denen er nicht einverstanden war, also floh er.

Was hat er gemacht während er auf der Flucht war?

Er lebte in einem Land, das keinen Auslieferungsvertrag mit dem Vereinigten Königreich hatte. Währendessen gab er ein paar Interviews, in denen er behauptete eine Reihe von Schönheitsoperationen hinter sich zu haben, damit er seine Identität vertuschen kann. Darüber kann ich aber noch nichts sagen, das müssen wir sehen, sobald er zurück ist.

Was wird passieren, sobald er zurück ist?

Er hatte nur noch 29 Tage Bewährung, er wird also zurück nach England kommen, diese 29 Tage Bewährung ableisten und dann ist er ein freier Mann.

Das hört sich zu gut an um wahr zu sein. Warten wir es ab.