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Das Verfassungsgericht rettet das Sampling—und Oldschool-HipHop

In Karlsruhe wurde heute im Fall Kraftwerk vs. Moses Pelham über eine der wichtigsten Fragen elektronischer Musik entschieden.
31.5.16
Pelham vs. Kraftwerk mit Hütter (l.): Am Ende nur ein Streit um das liebe ... Foto: imago/Future Image

Letzte Woche wurden Kraftwerk auf dem Movement Festival in Detroit noch für ihre Pionier-Arbeit in der elektronischen Musik geehrt. Heute gab es nun einen herben Dämpfer vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG). In dem seit zwei Jahrzehnten andauernden Streit um ein zweisekündiges Sample, das Moses Pelham—ungefragt—dem Kraftwerk-Track „Metall auf Metall" entnommen und als Grundlage für „Nur mir" von Sabrina Setlur benutzt hatte, entschied das Gericht in einem Grundsatzurteil pro Kunstfreiheit und contra Kraftwerk.Es besagt, dass die Kunstfreiheit die Verwendung fremder Samples in Musikstücken und somit einen Eingriff in Urheber- und Leistungsschutzrechte rechtfertigen kann. Zuvor hatten alle anderen Instanzen im Sinne von Kraftwerk-Mitglied Ralf Hütter entschieden und damit das Sampling grundsätzlich in Frage gestellt.

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Damit wurde der Verfassungsbeschwerde von Pelham stattgegeben. Der Fall muss nun neu am Bundesgerichtshof (BGH) entschieden werden, hieß es in Karlsruhe. Zuletzt hatte das BGH 2012 im Sinne von Kraftwerk entschieden und einen Vertrieb von „Nur Mir" untersagt. Der Vize-Gerichtspräsident des BVerG, Ferdinand Kirchhof, sagte, das damalige Urteil trüge der Kunstfreiheit nicht hinreichend Rechnung. Dass es sich nicht um Diebstahl geistigen Eigentums handele, begründete Kirchhof mit der Kürze des Samples. Aus diesem sei ein neues, eigenständiges Kunstwerk entstanden, das Kraftwerk keinen wirtschaftlichen Schaden bereitet habe. Ein Verbot derartiger Produktionen würde „die Schaffung von Musikstücken einer bestimmten Stilrichtung praktisch ausschließen", so Kirchhof.

Hütter hatte zuvor laut ARD im Gerichtssaal argumentiert: „Meine Generation, die aus der Zeit der Beatles [kommt], zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre eigene Musik geschrieben hat. Wir haben diesen Beat vor vier Jahrzehnten zu Beginn unserer Karriere geschaffen, ohne digitale Technik wie heute, nur mit Tonbändern. Und dann hört man 20 Jahre später seine eigene Musik plötzlich bei MTV. Bei uns ist es üblich, dass man vorher fragt." Es geht also um Respekt, was ja wiederum eigentlich ein HipHop-Ding ist. „Ich bekomme Anfragen aus den USA von Jay-Z oder Fergie von den Black Eyed Peas. Das ist dann gar kein Problem. Chris Martin von Coldplay hat mir einen Brief auf Deutsch geschrieben, ob er Material von uns haben darf", so Hütter weiter. Wenn Geld keine Rolle spielt, stellt sich jedoch die Frage, warum Hütter auch auf Schadenersatz geklagt hat.

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Die Seite WhoSampled.com listet insgesamt 633 Samples von Kraftwerk-Kompositionen, womit sie der meistgesampelte deutsche Act der Musikgeschichte sind. Bahnbrechend war die Verwendung von „Trans Europe Express" in Afrika Bambaataa & Soulsonic Force' „Planet Rock". „Metall auf Metall" wurde bislang insgesamt fünfmal gesampelt: von Kool G Rap & DJ Polo, Sir Mix-a-Lot, The Avalanches, ElectroSound sowie eben Moses Pelham und Sabrina Setlur.

Damit du die beiden Tracks miteinander vergleichen kannst, haben wir unten beide Videos eingebettet. Das Sample von Kraftwerk taucht im Original bei 00:38 Minuten auf, bei Setlur hingegen die ganze Zeit als Loop:

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THUMP sampelt am Rande der Legalität auf Twitter und Facebook.