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Hangover-News – 21. Januar 2019

5 News der letzten Tage, die du nicht verpasst haben solltest

Nationalistische Krawalle in Griechenland, der Abgang von Horst Seehofer, Ärger für jugendliche Trump-Anhänger und Kältewelle, Kälteopfer und Kältehilfe auf der Straße.

von Christian Fahrenbach
21 Januar 2019, 7:39am

Ein nationalistischer Demonstrant attackiert Polizisten in Athen || Foto: imago | Xinhua

Gestärkt vom Wochenende kehren wir zurück in eine neue Woche und haben Gustav Gerneth zu unserem neuen All-Time-Vorbild bestimmt. Der Sachsen-Anhalter beweist, wie man durch Ausdauer Großes erreichen kann, denn er ist 113 Jahre alt – und vermutlich nun der älteste Mensch der Welt. In Japan haben nämlich am Sonntag Angehörige des bisherigen Rekordhalters Masazo Nonaka bekanntgegeben, dass ihr Verwandter gestorben sei, berichtet die Volksstimme . Damit rückt Gerneth, der am 15. Oktober 1905 geboren wurde und nun in Havelberg westlich von Berlin lebt, auf den ersten Platz der Liste im Guinness Buch der Rekorde. Will er den ewigen Rekord brechen, muss er noch ein paar Jahre durchhalten: 1997 wurde eine Französin 122 Jahre alt.

Auch einige andere Themen in unserem Nachrichten-Überblick schlagen heute die ganz langen Bögen: Die Amtszeit von Horst Seehofer als CSU-Chef ist nach zehn Jahren vorüber, sogar seit fast dreißig Jahren wird schon um den Landesnamen von Mazedonien gestritten. Außerdem blicken wir auf eine Kontroverse zwischen jugendlichen Trump-Anhängern und amerikanischen Ureinwohnern in den USA, Obdachlose in Berlin und Nordrhein-Westfalen in der aktuellen Winterkälte und auf einen mysteriösen Vorfall in Baden-Württemberg, bei dem ein Wirt einen 16-Jährigen und seine Freunde angefahren haben soll. Hier sind unsere Hangover News.

Horst Seehofer ist nicht mehr Chef der CSU – Vier Tweets am Ende von zehn Jahren

Angekündigt hatte er es schon, am Samstag dann ist Horst Seehofer aber tatsächlich als Parteichef der CSU zurückgetreten.

Zehn Jahre und drei Monate hat er die bayerische Partei angeführt, zuletzt mit starken Verlusten bei der Landtagswahl und immer lauterer Kritik an seinem Kurs in der Flüchtlingsdebatte. In seiner Abschiedsrede gab sich Seehofer launig; zusammengefasst hat sie der Stern . Seehofer hatte neulich erst mit der Behauptung für Aufsehen gesorgt, schon seit den 80ern im Internet zu sein. In der Abschlussrede am Samstag sagte Seehofer, sogar seine Eisenbahn sei digital.

Nach Seehofer Rede wurde Instagram-Fan Markus Söder mit 87 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Er ist der Nachfolger, den der frisch twitternde Seehofer eigentlich immer verhindern wollte.

Dem politischen Betrieb bleibt der 69-jährige Seehofer noch erhalten: In Berlin wird er weiter im Innenministerium sitzen.

Krawalle wegen "Nord-Mazedonien" – Das steckt hinter den Ausschreitungen in Athen

Es kommt nicht oft vor, dass ein Land komplett umbenannt werden soll – und im Fall von Mazedonien im Südosten Europas geht der aktuellen Debatte auch ein jahrzehntelanger Streit voraus. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 gibt es Zoff, weil es im Norden Griechenlands eine Region namens Makedonien gibt und man dort befürchtet, dass das Land Mazedonien wegen des gleichklingenden Namens irgendwann Ansprüche auf diese Region erheben würde – international sollte deshalb bislang der umständliche Bandwurm-Name "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" zeigen, dass es eben nur um die Gebiete geht, die früher zu Jugoslawien gehörten.

Griechenland war die Sache so wichtig, dass Athen jahrzehntelang eine EU- und NATO-Mitgliedschaft des Landes blockiert hat, solange es sich nicht einen anderen Namen als Mazedonien sucht. Aktuell sieht es aber so aus, als ob man endlich eine Regelung gefunden hätte: Umbenennung in "Nord-Mazedonien" und Start von Beitrittsverhandlungen mit Europäischer Union und NATO. Dieser Vorschlag soll diese Woche im griechischen Parlament beschlossen werden.

Nationalisten in Griechenland ist das aber nicht genug und das haben sie am Wochenende gezeigt: Am Sonntag sind laut griechischen Medien 150.000 Menschen in Athen auf die Straße gegangen, es kam zu Krawallen. Die Polizei setzte Tränengas ein, einige Extremisten bewarfen die Beamten mit Steinen. Laut ersten Zählungen wurden laut Tagesschau mindestens 25 Polizisten und zwei Demonstranten verletzt.

Obdachloser in Berlin erfroren – Seit Wochen wird dort diskutiert, jetzt Kältewelle

Geschätzt bis zu 20.000 wohnungslose Menschen gibt es in Berlin, bis zu 8.000 von ihnen leben auf der Straße und seit Wochen gibt es eine Diskussion darüber, wie die Hauptstadt mit ihnen umgehen soll. Die aktuellen Temperaturen machen das Thema noch einmal deutlich dringender. Zum einen sind Bilder vom 9. Januar aufgetaucht, die zeigen, wie ein Camp in Mitte von der Polizei geräumt wurde und dabei eine Frau sogar mit einer zusammengeschnürten Tüte über dem Kopf abgeführt wurde: einer Spuckschutzhaube. Ein Polizist erklärte hinterher, dass das Polizeifahrzeug vor Dreck geschützt werden musste und die Frau sehr aggressiv gewesen sei. In einem Video der taz sitzt sie ruhig.

In der Nacht zum Sonntag ist nun im Volkspark Humboldthain ein Mann gestorben. Noch ist unklar, ob das an der Kälte lag, einen Selbstmord oder Fremdverschulden konnte die Polizei aber bereits ausschließen, schreibt der Tagesspiegel . Am Tag danach hat das Landessozialministerium von Nordrhein-Westfalen wiederum angekündigt, erstmals und kurzfristig 100.000 Euro Kältehilfe für obdachlose Menschen bereitstellen zu wollen.

Den pöbelnden Schülern bei einer Demo für US-Ureinwohner droht der Schulverweis

Es war Demo-Wochenende in den USA, unter anderem mit vielen Women’s Marches, die im dritten Jahr ihres Bestehens ein wenig schrumpften, aber trotzdem weiter stark in Sachen Schilder unterwegs waren.

In Washington gab es aber auch eine sogenannte "Pro Life Rally" gegen Abtreibungen – und einen "Indigenous People March". Am Ende dieser Demo für mehr Rechte von eingeborenen Völkern liefen eine Gruppe trommelnder Protestierenden auf eine Versammlung von Schülern zu. Die Schüler, von denen viele MAGA-Caps trugen, befanden sich gerade in einer Auseinandersetzung mit einer dritten Gruppe, die wiederum ausreligiösen Fanatikern bestand. Die indigenen Musiker stellte sich zwischen beide Parteien, angeblich um die Gruppen zur Ruhe zu bringen, doch anschließend bepöbelten mehrere Dutzend der Schüler die Musiker. Unter ihnen war auch Nathan Philipps, Ältester eines Stammes aus Omaha.

Die Videos haben online schnell die Runde gemacht, einige Prominente haben sich eingeschaltet, Zeitungen wie die New York Times haben breit berichtet. Das sensible Thema ist in den USA wichtiger, als es uns in Deutschland oft bewusst ist.

Die Katholische Schule der Pöbler hat Konsequenzen bis hin zum Schulverweis angekündigt. (Siehe Update)

Gastwirt soll 16-Jährigen mit SUV angefahren haben, weil der eine Scheibe eingetreten hat

In Baden-Württemberg herrscht Verwirrung um einen möglichen Unfall oder Überfall: Ein Gastwirt soll nahe Stuttgart, in Kirchheim unter Teck, mit seinem SUV einen 16-Jährigen und dessen Freunde angefahren haben, weil dieser am Samstagabend eine Scheibe des Lokals eingetreten hat. Laut Darstellung der Jugendlichen soll der 48-Jährige Gastwirt mehrfach versucht haben, sie zu überfahren. Der Mann aber widerspricht dieser Version und sagt, er habe rechtzeitig abgebremst – die drei Jungen hätten sich ihre Verletzungen durch Zurückweichen in Panik zugezogen. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen, um zu klären, ob der Vorwurf der versuchten Tötung aufrechterhalten bleibt oder ob es sich nur um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr handelt, fasst die Stuttgarter Zeitung zusammen.

Update vom 23. Januar 2019 – 16:45: In einer früheren Version des Artikels schrieben wir, die Schülergruppe aus den USA wäre auf die Gruppe indigener Musiker zugegangen. Nachdem weitere Aufnahmen von dem Vorfall öffentlich wurden, stellt sich der Sachverhalt entgegengesetzt dar. Zu Pöbeleien seitens der Schüler kam es dennoch. Wir haben das korrigiert. Die betroffene Schule wurde aus Sicherheitsgründen am Dienstag vorerst geschlossen.

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