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Dresscode: Musiker- oder Modelkarriere?

Wir haben mit At Pavillon und Please Madame über ihre Bühnenoutfits gesprochen.

von Lisa Schneider
21 Dezember 2015, 8:56am

Foto via Facebook | Sara Meister

Die zwei jungen österreichischen Bands At Pavillon und Please Madame haben on stage die gleichen Outfits an. Also innerhalb der Band. Das kann man ja feiern oder nicht—ich wollte lieber wissen, wieso sie das machen. Dass sie nicht zu faul sind, sich eigenständig zu kleiden, sondern da eigentlich eine halbwegs schlaue Taktik dahintersteckt, lest ihr hier.

Eure Musik ist ganz gut, noch besser aber eure Outfits. Ist das einfach der umgekehrte Weg, doch noch Model zu werden?
At Pavillon:
Eigentlich sind wir ja alle bei der gleichen Modelagentur angestellt und wollten einen Ausgleich suchen. Also haben wir eine Band gegründet um nicht nur auf unser Aussehen reduziert zu werden. Danke also vielmals für diese Einstiegsfrage.
Please Madame: Wir sorgen einfach schon mal vor. Und wenn das mit der Modelkarriere auch nichts wird, dann kellnern wir einfach in der Passage oder bei uns in Salzburg im Watzmann. Die stellen sicher nur total schöne Leute ein.Wer ist mit der Idee gekommen, sich ähnlich/gleich zu kleiden—on stage?

At Pavillon: Wir wollten uns auf der Bühne unbedingt wie ein Team fühlen und dieses Gefühl auch auf die Leute übertragen. Wir haben es also TeamsportlerInnen gleich gemacht und uns in dasselbe Outfit gesteckt.
Please Madame: Um ehrlich zu sein war‘s einfach deshalb, weil wir alle damals noch einen echt beschissenen Style gehabt haben. Der eine hat HipHop-Outfits getragen, der andere ist in den 90ern hängengeblieben und der Rest hat einfach gar nicht gewusst, was er so tut. Und beim Durchsehen von Fotos vergangener Gigs haben wir uns dann gedacht, dass es vielleicht besser wäre, wenn wir uns das Gleiche anziehen—dann sehen wir wenigstens gemeinsam super (scheiße) aus.

Hättet ihr die Chance, würdet ihr lieber Musiker oder männliches Unterwäschemodel sein?
At Pavillon: Nachdem wir ja nicht jede Woche Konzerte spielen, haben wir gelernt, beide Jobs gut miteinander zu verknüpfen. Unterwäschemodel zu sein ist aber in diesem Fall eher ein Nebenverdienst. Nur nicht für Paul. Der wird für so etwas öfters gebucht. Normal verdient z.B. Mwita mehr Geld als Po-Model, Berni als Gesichts-Model und Tobi als Hand-Model.
Please Madame: In diesem Leben Musiker, im zweiten aber fix Unterwäschemodel. Wir würden das echt gern erleben, wie das ist, wenn man komplett auf seinen Body reduziert wird. Da ist man dann so ein richtiges Geilheitsobjekt – das können wir uns mit unseren derzeitigen Körpern, obwohl sie eh schon ziemlich adonisch sind, noch nicht leisten.

Hosen runter: tragt ihr dann auch unten drunter alle dasselbe?
At Pavillon: Heb dir das für Backstage auf, Darling.
Please Madame: Das kommt immer drauf an, wie das Unterhosenmeeting vor der Show verläuft. Kann schon passieren, dass da mal das Gleiche getragen wird. Entscheidet aber meisten der Scharti, unser Roadie – der hat eine super Nase für geile Unterwäsche. Nicht nur Männerunterwäsche, aber das nur nebenbei.

Foto via Facebook

Wo sind da die Pros/Cons der beiden Jobs – im direkten Vergleich?
At Pavillon: Pro Model: keine Proben. Pro Musiker: kein Fitnesstraining. Contra Model: reduziert auf Aussehen. Contra Musiker: reduziert auf Musik.
Please Madame: Als Model muss man nichts schleppen außer das eigene riesige Ego—als Musiker hast du da auch noch das ganze Equipment. Und meistens ist das Ego als Musiker eh angeschlagen, vor allem wenn man echt beschissene Konzerte gespielt hat. Das macht alles etwas komplizierter. Wenn wir uns das so überlegen, können wir doch bei der einen Frage in beiden Leben Unterwäschemodel wählen?

Wer sucht eure Outfits aus?
At Pavillon: Wir sind in regem Mail-Verkehr mit einem Typen, der einen Typen kennt, der einen Typen kennt, der mit dem Hund von einem Hunde-Besitzer von einem Mode-Label arbeitet. Genaueres dürfen wir aber nicht sagen.
Please Madame: Bei uns gibt es, um ehrlich zu sein, nicht viel auszusuchen. Wir sind aber echte Sockenfans, die müssen immer möglichst crazy sein. Schon geil irgendwie, dass Socken so gut ankommen.

Und vor allem: nach welchen Kriterien sucht ihr sie aus? Bequemlichkeit? Awesomeness?
At Pavillon: Awesomeness! Wir haben mit Blumenmustern genau den Nerv der Zeit getroffen. Überall sind Blumen, wohin man auch schaut! Auf Mwitas Hemd sind Blumen, auf Pauls Hemd sind Blumen, auf Tobias‘ Hemd sind Blumen und auf Bernis Hemd sind Blumen. 100% Match. Buuhja!
Please Madame: Das Outfit nur nach #swagfactor. Möglichst weite Hemden, enge schwarze Hosen – inzwischen sind wir schon zu Hemdsomelliers geworden. Die Hemden aus so average stores finden wir halt echt nicht geil. Der Rest ist dafür immer teurer—das muss dann halt die Mama richten.

Was sagt ihr jemandem, der im Publikum steht und irgendwie dasselbe anhat wie ihr?
At Pavillon: Wahrscheinlich wären wir verwundert darüber, wie eines unserer Bandmitglieder plötzlich da unten stehen und gleichzeitig auf der Bühne spielen kann. Sobald wir bemerken würden, dass die Person nicht zu uns gehört, würden wir ihn wahrscheinlich ans Keyboard setzen. Die Aufnahmebedingung (check dir das Blumenhemd!) hat er/sie damit ja erfüllt.
Please Madame: Komischerweise ist uns das noch nie passiert—wir sehen immer nur Leute auf Facebook, die halt für irgendeine Party dasselbe Outfit tragen wie wir. Merlin kommentiert dann auch immer gern darunter, dass wir ein neues Bandmitglied gefunden haben. Wahrscheinlich würden wir ihn/sie auf die Bühne holen und er/sie dürfte einen Song mit uns performen.

Wenn ihr von der Bühne geht zieht ihr euch, die weiß-goldene Adidas-Jogginghose, den Armani-Suit, den Hipster-Jutebeutel, die zerrissene Jean und ein Navy-Shirt an?
At Pavillon: Jeder was anderes. Deswegen brauchen wir ja einen Dresscode für die Bühne.
Please Madame: Meistens laufen wir in Unterhosen im Backstagebereich herum—aber wenn das ein Voting ist, dann alle Votes in den Jogger —weiß-gold, eh genau unsere Farbe, weiß man ja. Wenn man nachher noch fortgeht, sind wir aber auch eher so die Jean- (nicht zerrissen) und Hemdträger, Navy-Shirts gehen auch immer. Jutebeutel sind cool, aber wir feiern sie einfach nicht so—das ist wie mit dem Rucksack fortgehen, nur in klein.

Nicht, um da Hate zu schüren, sondern um sich vielleicht gegenseitig weiterzuhelfen: Was würdet ihr der jeweils anderen Band raten – was wäre an deren Style noch zu verfeinern? Melone, Schirm, blablabla?
At Pavillon: Weil wir ja Blumenfetischisten sind: Madames, checkt euch eine Boutonniere! Die würde euch super stehen. Passt nur bitte auf das es keine blaue Kornblume ist.
Please Madame: Dürften wir uns auch von den Jungs was aussuchen? Wenn ja, hätten wir gerne den Mwita, der ist einfach ein richtiger Beautyboy. Holy Shit. Eintauschen würden wir ihn gegen jeden von uns, ganz egal. Spaß beiseite. Wir würden ihnen raten, einfach ein paar Gigs mehr mit uns zu spielen, ich glaub wir stehen den süßen Boys ziemlich gut!

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