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Features

Jesse Hlebo ist der beschäftigste Mann New Yorks

Dieses Multitalent gibt immer Vollgas, nichts und niemand hält ihn auf.
4.6.12

Portrait von Jody Rogac Hier ist die erste Ausgabe unserer neuen Kolumne von Damon McMahon, der unter dem Namen Amen Dunes treibenden Acid-Folk macht. Da es zu unserem Lieblingszeug gehört, wenn es um Trancezustände geht, haben wir Damon also gefragt ein paar Worte für uns zu schreiben. Er hat uns daraufhin dieses Feature über Jesse Hlebo geschickt, einen multitalentierten Künstler, der Videos für Damons Band dreht. Jesse ist einer der beschäftigsten New Yorker, die ich kenne. Er ist ein hyperaktiver Künstler, Fotograf, Kurator und der Gründer des Verlags/Labels Swill Children. Er schläft und wechselt seine Klamotten nur selten und antwortet schneller auf Emails, als ein Mensch sollte. Als ich Jesse das letzte Mal gesehen habe, wurde er gerade von einem Polizisten gewürgt und über die Straße geschliffen. Am nächsten Abend stand er grinsend vor mir, bereit etwas zu unternehmen, mit Haare Gelb-orange gefärbten Haaren und einem riesigen Abdruck einer Polizistenhand um den Hals. Er wurde von einem Schlagstock am Kopf getroffen und konnte fast nicht mehr atmen, aber festgenommen wurde er nicht. Also war er am nächsten Tag wieder bereit seine Plage namens Leben neu zu starten. Eine glorreiche, kreative und, wie ich finde, wichtige Plage. Sein Musikleben ist ein konstanter Fluss aus Kollaborationen. Er war jahrelang ein standhafter NYC Kurator: von seiner Arbeit mit Todd P, damals in der Blütezeit seiner Shows, bis zu seiner Tätigkeit mit Showpaper, wo er zahlreiche Shows und Cover für die Zeitung organisierte. Auch bei seinen eigenen Independent Musikprojekten hat er mit sehr interessanten Leuten zusammen gearbeitet und damit Snobs und Brooklyn herumgedreht, unter Anderem mit Hisham Bharoocha (Black Dice, Soft Circle), Lucky Dragons, Kid Millions (Oneida), Lichens und viele andere. Der Typ ist so beschäftigt, er hat nicht mal richtig Zeit gewürgt zu werden. Er hatte auch nicht richtig Zeit dieses Interview zu machen, wie ihr hier sehen könnt. Hey, geht’s dir gut? Bist du bereit ein paar Fragen zu beantworten?
Ich drehe ein paar Sachen, also lass dir ruhig Zeit. Ich bin bereit, wenn du es bist.
Eine Sekunde. Okay. (45 Minuten gehen vorbei) Soll ich später nochmal kommen?
Eine Sekunde noch, sorry. (15 Minuten vergehen) Ok, fang an. Ich will dir einfach ein paar direkte Fragen stellen, wenn das ok ist. Du bist ungefähr der beschäftigtse Typ, den ich kenne. Erzähl mir mal, wie dein Tag so aussieht.
Ich stehe auf. Dusche. Medizin. Essen/Vinyl oder Hot 97/NY Magazine. Skate ins Studio. Beantworte Emails. Arbeite an dem, was erledigt werden muss. Jetzt gerade arbeite ich an neun großen Projekten neben ein paar kleinen Projekten und geschäftlichen Dingen. Dann gehe ich zur Post und verschicke Sachen, dann wieder ins Studio. Lese. Schlafe kurz. Esse Reis mit Bohnen und gedünstetem Gemüse in dem dominikanischen Restaurant auf dem Myrtle-Broadway, für 4 $. Dann arbeite ich weiter bis zwei Uhr nachts oder gehe zu einer Show, einer Eröffnung oder einem Meeting am Abend. Obwohl das nur ein Bruchteil von Jesses Arbeit ist, ist einiges aus diesem täglichen Blitzkrieg zu großen Teilen der Independent Musikszene gewidmet, insbesondere seine Arbeit mit Showpaper, seine gemeinschaftlich improvisierte „Certain Distinction“ Stücke, die er innerhalb der Stadt vom PS1 bis Printed Matter organisiert hat, und seine wichtige Rolle in Nick Zinners Performance „41 Strings“. Gute Leute wollen mit Jesse arbeiten, weil er total inspiriert, aufrichtig und offen ist, und gleichzeitig einen Killer-Geschmack hat–eine sehr seltene Kombination. Er ist der König, wenn es darum geht jemanden zu begeistern. Jesse sagt, die Wurzeln all seiner Arbeiten ist ein seltsam gepaarter Einfluss aus Napster (“RIP Napster/RIP Kazaa/RIP Soulseek,” schreit Jesse laut) und Jazz. Er wird nostalgisch, wenn er über die goldenen Tage von File Sharing spricht und zieht eine Parallele zu der DIY Musikgemeinde von heute. Er erzählte mir, er ist „kein Fan davon, was aus dem Ausdruck 'DIY' geworden ist, aber [er fühlt sich] verpflichtet den Ausdruck zu benutzen in der Hoffnung, dass er in diesem einen Kontext wahrgenommen wird: es geht darum, was jemand will, aber ohne Vorschriften und ohne strukturelle autoritäre Eingriffe.“ Man bekommt ungefähr eine Vorstellung. „Wenn man in diesem Kontext darüber nachdenkt,“ redet Jesse weiter, „gibt es eine Ähnlichkeit in der Beziehung zur Freiheit, die Napster und Jazz miteinander teilen: 'Freiheit mit Verantwortung.' Dieser Satz gefällt mir wirklich gut. Ich habe ihn mal in einem Bill Evans Interview gehört, als er gebeten wurde Jazz zu erklären. Das ist etwas, was man auf alle Aspekte meines Lebens übertragen kann. Es ist eher meine Stärke in einer reaktiven Art als in einem berechneten Art zu handeln. Ich finde, es ist ein schönes Bild.“ Es ist sogar schön, wenn es bedeutet von den fetten Fingern eines Polizisten im Tompkins Square Park stranguliert und über die Straße gezogen zu werden, aber ein Kerl muss eben reaktiv bleiben, um sich selber auf–oder in–Trab zu halten.

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@amendunes