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Selbst iTunes weiß nicht, wie das neue Rückerstattungssystem funktionieren soll

Bei iTunes kannst du dir jetzt den Kaufpreis erstatten lassen, wenn du mit der Musik unzufrieden warst—die Dateien kannst du behalten. Wer zahlt nur am Ende die Rechnung?
Ryan Bassil
London, GB
12.1.15

Wenn du ihre Version der Geschichte glaubst, dann hat Apple mit der Vorstellung des iTunes-Stores am 28. April 2003 die Musikindustrie aus einem Gulag von Plattenfirmen und parasitären Nerds wie Napstermitbegründer Sean Parker befreit.

Die Musik hat auf jeden Fall überlebt. Letztes Jahr haben Taylor Swift, Ed Sheeran und Sam Smith allesamt Alben herausgebracht, die die Marke von einer Million verkauften Exemplaren durchbrochen haben. Es gab zweifelsohne einen stetigen Rückgang bei den Verkaufszahlen, aber fast 12 Jahre, nachdem der erste Mensch das erste Mal über Apple Musik gekauft hat, ist die Welt des Klanges immer noch lebendig. Das könnte sich jedoch bald ändern: Dank einer neuen EU-Regulierung kann man seit Kurzem auch bei iTunes innerhalb von vierzehn Tagen von seinem Rückgaberecht gebrauch machen—ohne, dass dafür Gründe angegeben werden müssen.

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Denk nur mal an ein paar Enttäuschungen der jüngeren Musikgeschichte: Lady Gagas Artpop, Daft Punks Random Access Memories, fast alles, was Nas seit Illmatic veröffentlicht hat. Die neue Regelung bedeutet, dass Kunden Alben zurückgeben können, von denen sie enttäuscht waren, was dann wiederum einen enormen Einfluss auf die Verkaufszahlen haben könnte. Ein Beispiel: Wenn Kreayshawn ihr Debütalbum 2015 veröffentlicht hätte, dann wären die Verkaufszahlen vielleicht gleich Null anstelle der 3.900, die sie auf unerklärliche Weise erreicht hat.

Popjustice hat allerdings darauf hingewiesen, dass das Rücknahmesystem einen eklatanten Fehler hat:

Peter wurden die 99 Pence, die er für „Unapologetic Bitch“ ausgegeben hat, erstattet, aber es gibt kein Wort darüber, wie er den Track zurückgeben soll. Statistisch gesehen—basierend auf meinen persönlichen Erfahrungen mit Menschen an sich—werden viele der 800.000.000 iTunes Nutzer furchtbare, unehrliche Individuen sein und die Erstattung entgegennehmen, ohne den Song zurückzugeben, und auf diese Art gefährlich viel negatives Karma anhäufen. Die eigentlich zweiwöchige Rückgabefrist wird außerdem „auf ein Jahr verlängert, wenn es ein Unternehmen versäumt, seine Kunden über die Rückgabefrist zu unterrichten“.

Wenn du in einer Band spielst, dann bist du wahrscheinlich wenig amüsiert darüber, dass Apple quasi den kostenlosen Download deines Albums ermöglicht. Weil mir das alles etwas komisch vorkam, habe ich mich als als jemand ausgegeben, der in einer Slacker-Rockband spielt, auf dem Boden schläft und sich ausschließlich von Pizza ernährt (was jetzt gar nicht so weit entfernt von meinem tatsächlichen Leben ist) und habe Apple eine Email geschickt, um herauszufinden, was mit der Musik passiert, nachdem einem Nutzer der Kaufpreis erstattet worden ist.

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Diese E-Mail ging von mir an den Kundenservice:

Hey Apple, ich habe mitbekommen, dass es eine neue EU-Regelung gibt, die es Kunden erlaubt, die Kosten für jedes Produkt, das im Apple-Store gekauft wurde, innerhalb von 14 Tagen erstattet zu bekommen. Ich habe ein paar Fragen, bevor ich meine neueste Jazzwhore-Platte in den iTunes-Store lade.

Was passiert mit dem Song, nachdem ein Kunde von seinem Rückgaberecht gebraucht macht?

Wie soll ich meine unzähligen Fans darüber in Kenntnis setzen, dass sie die Kosten erstattet bekommen können? Wäre ein Tweet in Ordnung?

Wenn ich meine Musik hochlade und 100 Leute sie herunterladen und 90% eine Kostenrückerstattung bekommen, bedeutet das dann, dass 90 Leute meine Musik im Prinzip umsonst bekommen haben? Ich will nicht, dass iTunes meine wertvolle Kunst verschenkt.

Drei Tage später bekam ich eine Mail von einem gewissen Mr. Jody, der sich selbst als Senior Advisor bei Apple bezeichnet. Wollen wir doch mal sehen:

In Ihrer Email haben Sie beschrieben, dass Sie mit der neuen EU-Regelung Probleme haben und bei ihnen einige Fragen dazu aufgekommen sind. Ich kann das sehr gut nachvollziehen und weiß, dass ich—wenn ich meine Musik online verkaufen würde—auch wollen würde, dass diese Dinge in Bezug auf die neue EU-Verordnung geprüft werden. Ich möchte Ihnen versichern, dass ich hier für Sie da sein werde, um zusammen mit Ihnen diese Angelegenheit so gut ich kann aufzuklären.

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Apple arbeitet gerade an einer Lösung für das, was Sie beschrieben haben. Sie bekommen eine E-Mail, sobald die Angelegenheit untersucht worden ist und uns weitere Informationen zur Verfügung stehen.

(via XenGi/Deviantart)

Großartig, danke Mr. Jody!

Es scheint so, als hätte selbst Apple keine Lösung für dieses Problem parat; die Welt dreht sich weiter und Fans können jeden Song „zurückgeben“, den sie wollen. Aber was heißt das für die Musiker? Wenn jeder sein Geld zurückbekommen kann—selbst wenn es schon auf dem Bankkonto eines Künstlers eingegangen ist, zu einem Ziehröhrchen gerollt oder einer Stripperin an den Hintern gesteckt worden ist—wer zahlt dann am Ende Rechnung?

Das muss offensichtlich noch herausgefunden werden.

Folgt Ryan bei Twitter—@RyanBassil

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