Anzeige
Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
Features

Knutschen auf Konzerten ist super, hört lieber auf zu filmen!

Unsere Autorin plädiert für mehr Freiheit und Toleranz des Konzert-Knutschens.

von Hanna Herbst
04 Juni 2014, 9:00am


Foto: Poiseon / Flickr | CC By 2.0

Vor kurzem wurde in einem Artikel über das Knutschen auf Konzerten geschimpft. Gejammer einer einsamen verbitterten Jungfer, sage ich!

Das einzige, was gute Musik noch besser macht, ist Knutschen. Wer das nicht versteht, ist noch nie bei Sonnenuntergang und James Blake neben einem schönen Mann gestanden. Irgendwie verstehe ich die Kritik ja—wenn ich alleine auf einem Konzert stehe und vor mir wird rumgeschmust wird, dann werde ich auch schnell ein bisschen böse—aber wenn ich ehrlich bin, ist das einfach nur Neid.

Das muss man verkraften, das nächste Mal knutscht man ja wieder selbst. Es gibt nur wenige Momente im Leben, in denen Knustchen nicht super ist und Konzerte gehören ganz bestimmt nicht dazu.

An dieser Stelle würde ich gerne für mehr Freiheit und Toleranz plädieren (lasst knutschen, wer knutschen will!), aber es gibt etwas, bei dem auch bei mir Schluss ist mit Toleranz: Menschen, die auf Konzerten mit ihren Handys oder iPads (!) filmen. DAS sind die Menschen, wegen denen es am Balkan Überschwemmungen gibt, wegen denen es Aids und Ebola, Homophobie, Flugzeugabstürze und St. Pölten gibt. Es ist ja vollkommen OK, kurz ein Foto zu machen, aber ich muss sagen, dass ich selbst da schon böse werde, aber einfach die ganze Zeit das Handy von einem bis 20 Fremden vor der Nase zu haben, auf deren Display man dann sehen kann, was auf der Bühne passiert, anstatt es selbst zu sehen, ist unfassbar unnötig. Dann kann man gleich knutschen, weil man ja eh nichts sieht.

Aber ehrlich: Knutschen macht ein Konzert besser. Man ist trotzdem noch mit dem Kopf bei der Musik. Aber wer filmt, denkt nicht an die Musik, sondern daran, was er auf Instagram oder Facebook posten kann, wie eifersüchtig alle Freunde sein werden und was der Typ wohl dazu sagt, von dem man was will (und mit dem man dann beim nächsten Konzert rumknutschen wird). Dabei sind die Aufnahmen doch sowieso immer der letzte Scheiß. Die sieht sich doch keiner im Nachhinein an. Wenn ich Paul McCartney live besser finde, dann gehe ich auf das Konzert, und wenn ich ihn daheim auch lieber live höre, dann kaufe ich mir Platten oder CDs oder höre mir auf YouTube alle Liveversionen von allen Lieder an. Keiner liegt am Abend im Bett und hört sich die selbstaufgenommene Version von „Hey Jude“ an.

Im Großen und Ganzen ist es aber so: Auf ein Konzert geht man, um Spaß zu haben. Wenn man merkt, dass die hinter einem nichts sehen, sei es wegen Knutschen oder Filmen, dann kann man sich ja gegebenenfalls zusammenreißen. Kurz knutschen und kurz ein Foto machen und alle sind glücklich. Und wenn man nichts sehen will, sondern einfach nur knutschen, dann setzt man sich einfach in eine Ecke, in der man James Blake nicht sieht, aber hört—und dafür sehen kann, mit wem man knutscht.

**

Folgt Noisey bei Twitter und Facebook für tägliche Updates über eure Lieblingsmusiker.

@Noisey_DE folgen


MEHR VON NOISEY

Auf Konzerten knutscht man nicht!
Ihr würdet euch an einer Bushaltestelle auch nicht fingern, warum sollte es auf einem Konzert anders sein? The Noisey Guide To Konzertgänger
Karaoke-Roboter, uneheliche Hunde, ein nicht zu unterdrückender Rede- und Kippenschnorrfluss und sabbernde Zwerge—ein Who is Who der Konzertbesucher.Bitte verschont uns mit euren sinnlosen Zugaben
Es gibt etwas, das jedes Konzert ruiniert: eine Zugabe. Ohne sie wären wir alle besser dran.
Tagged:
Music
Noisey
Noisey Blog
Konzert
iPad
Schmusen
Handys