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Noisey Blog

So überstehst du eine Clubnacht ohne Alkohol und Drogen

Wie du klaren Kopf behältst, wenn alle anderen sich zuballern.

von Josh Baines
08 April 2015, 2:29pm

Wie wir alle wissen, sind Drogen und Clubs eng miteinander verbunden. Kleine, weiße Pillen, die in große, dunkle Räume geschmuggelt werden, sind einfach unbestreitbar sehr beliebt, es passt ja auch gut zusammen.

Aber deshalb muss ja nicht gleich jeder mitmachen, oder? Es gibt niemanden in deinem Wohnzimmer, der dich dazu zwingt, einen selbstgemixten Gin-Cocktail aus einer Gießkanne zu trinken. Niemand nötigt dich in der Kneipe dazu, den sechsten Pitcher zu bestellen. Und niemand zwingt dich dazu, dich zum Geldautomaten zu begeben und mit klammen Händen darauf zu hoffen, dass er genug Geld ausspuckt, das du dann in einem Hinterhof durch das Rückfenster eines Autos schieben kannst. Ehrlich, du musst das nicht tun. Neben der Erkenntnis, dass ein Geschirrspüler kaputt geht, wenn man ihn nicht lieb hat und dass es auch manchmal gut tut, um 23 Uhr ins Bett zu gehen, gehört es zu den großen Lektionen des Erwachsenseins, dass du auch nüchtern in den Club gehen kannst, und sogar nüchtern wieder rauskommen, wenn du ein paar strenge Regeln befolgst.

Die Vorstellung, in unvergiftetem Zustand in einem Raum voller schweißüberströmter Körper zu stehen und zuzusehen, wie Kiefer über den colaverklebten Boden schleifen, klingt für manche vielleicht so attraktiv wie ein Campingurlaub mit Pegida-Ex-Chef Lutz Bachmann, aber es geht, wenn du unseren Survival-Ratgeber befolgst.

Freunde dich mit dem DJ an

Dieser Typ ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen nüchternen Nacht. Vertraue ihm.

(Foto: TimothyJ | Flickr.com | CC BY 2.0)

OK, viele DJs wirken auf uns wie Treibgut, das auf der Oberfläche eines verschlammten Rauschmittel-Tümpels schwimmt. Der Ratschlag oben dürfte dich also zurecht verwirren. Doch höre auf meine Worte! Eine gute Beziehung zu einem DJ zu pflegen bedeutet, dass du dich wahrscheinlich mit ans DJ-Pult quetschen kannst. Sieh das Pult als einen Zufluchtsort, eine Oase der Ruhe, einen Ort der Rückbesinnung und Reflektion. Du kannst dich dort von den schwankenden Heerscharen westentragender Vollpfosten verstecken, die auf dem Dancefloor herumstolpern und sich dabei eine Vier-Euro-Flasche Evian klammern. Du kannst den Knalltüten mit Atzenbrille aus dem Weg gehen. Du wirst dich wie eine schillernde, allwissende Gottheit über ihnen fühlen. Und vor allem gibt es höchstwahrscheinlich auch noch eine freie Steckdose für dein Handy.

Fang mit dem Rauchen an

(Foto: Ralph Thompson | Flickr.com | CC BY-ND 2.0)

Ehrlich gesagt ist Rauchen ist nicht viel mehr als eine unattraktive und lebensgefährliche Art, jedes Wochenende 30 Euros auf die Straße zu husten. Aber auf deiner neuen Suche nach Verschnaufpausen von den kiefermahlenden Grabschern und all den Schreckensgestalten, die deine neuen besten Freunde sein wollen, ist die Kippe deine Freundin. Such dir ein Fleckchen unter einer Heizstrahlerlampe, verbringe eine gute halbe Stunde damit, erstklassige Zigaretten zu drehen, mach dir ordentlich Gedanken darüber, was du deinem Körper geradeantust, zünde gleich noch Eine an, vermeide Blickkontakt mit den tellergroßen Pupillen von allen, denen das Laufen gerade schwerfällt, übe deine beste „Ich lese gerade Nachrichten auf meinem Handy"-Mimik und bete, dass deine Freunde, wenn sie sich endlich ihren Weg durch die wackelbeinige Menge auf die zugeaschte Terrasse gebahnt haben, dich nicht bemerken. Du kannst hier draußen immer noch das Pulsieren der Kick-Drum hören, und mal ehrlich, viel mehr hört man drinnen auch nicht. Bis du dich in den Nachtbus schleppst, sehen deine Finger aus wie die von Bart Simpson und jeder Atemzug fühlt sich an, als würde er dich einem völlig zerstörten Brustkorb einen Schritt näher bringen, aber du wirst so beschäftigt damit gewesen sein, zunehmend schäbige Zigaretten zu drehen, dass du für Alk und Drogen gar keine Zeit hattest.

Allerdings muss ich an dieser Stelle sagen, dass ich einmal völlig nüchtern zu einem Set von DJ Sprinkles aufgetaucht bin, wo ich dann mit einer bis zu den Augen zugezogenen Jacke auf einem Hocker in der Nähe vom Pult saß, bis mich jemand für einen Dealer hielt, mir sagte, dass ihre Freundin auf mich steht und mich zu besagter Freundin in den Raucherbereich brachte, wo ich dann vier Stunden lang neben ihr festsaß, während sie von einem Polen-Urlaub inklusive Auschwitz-Besichtigung erzählte. Seid vorsichtig da draußen, ihr Raucher für eine Nacht, auch auf Euch warten immer neue Gefahren.

Lass dich von der Musik treiben

VICE/Nic Bezzina

Deswegen bist du doch hier, oder? Nicht, um den beschissenen Seiten deines Lebens zu entkommen, nicht wegen eines schlaffen Fehlversuchs eines One-Night-Stands, nicht um dich selbst zu vergessen und in etwas viel Größerem aufzulösen—du willst etwas, das über die Einschränkungen des Selbst hinausgeht, richtig? Das ist die richtige Einstellung. Platzier dich schön nah an den Boxen und sag der Person neben dir, dass dieser Track—ein Track, der mit ein paar perfekt platzierten Klavierakkorden einen Raum voller Fremder in gemeinsame orgastische Wallungen zu versetzen scheint—der geilste Remix eines Tracks ist, den sonst alle schon totgespielt haben. Sie werden dir dein feines Gehör danken, indem sie gegen dich poltern und schreien WIE KRASS DAS HIER REINHAUT ALTER HAST DU DEN SCHON MAL GEHOERT??? DER GEHT JA NUR NOCH AB! WOOHOO!! VERKAUFST DU WAS NEE OK SORRY FRAGEN KOSTEEET JA NIX.

Tanz! Tanz! Tanz!

(Photo: Flickr)

Mit der körperlichen Bewegung ist das so eine Sache. Ich meine, du gehst in den Club, um etwas zu hören, das buchstäblich „Tanzmusik" heißt, also musst du wohl irgendwie auch diese Sache, dieses „Tanzen" machen. Nur ist Tanzen was für Angeber und Vollpfosten und verschwendet außerdem nur deine Energie. Allerdings gehört jeder Mensch, der eiskalt einfach nüchtern im Club auftaucht, zu einer der folgenden drei Kategorien: 1.) jemand, der dem DJ sexuell oder sonstwie hörig ist, 2.) eine arme Seele, die in ein Dreckloch im Industriegebiet geschleift wurde, um den Geburtstag einer Person zu feiern, die sie insgeheim hasst, 3.) die Art verstörte Gestalt, die keinen Tropfen Jägermeister oder auch nur den Hauch einer Line braucht, um auf dem Dancefloor zu gestikulieren wie Jürgen Klopp im Pokalfinale. Aber egal! Die einzige Person, die dich peinlich findet, bist du. OK, du musst diese Scham die ganze Woche wie einen verschluckten Stein herumschleppen, aber scheiß drauf. Rave on!!111!!

Denk dir eine Rolle aus

VICE/Egle Trezzi

Als das nüchterne Mitglied deiner Gruppe wirst du vermutlich aus dem bescheuerten Geschwalle ausgeschlossen, das alle nach acht Bier und ein oder sechs Näschen für Konversation halten, dafür darfst du Jacken halten und Plätze für deine Freunde besetzen, ist ja auch was. Die Minuten der immer längeren Rauch- und Pinkelpausen deiner Leute fühlen sich an wie Stunden. Jeder Übergang im Set ist, als würde man der tektonischen Plattenverschiebung in Echtzeit zusehen. Du fängst an, die Menge abzusuchen, mit verzweifelt aufgerissenen Augen, in der Hoffnung, die Silhouetten zu sehen, die vielleicht, vielleicht deine Freunde sind, auch wenn du weißt, dass du für sie nichts weiter bist, als der oder die Nüchterne, der oder die am Ende der Nacht noch genug Hirnsubstanz übrig hat, um ein Taxi zu rufen. Also scheiß auf sie. Scheiß auf deine Freunde. Hier geht es um dich—und die beste Art, dein Schicksal in die Hand zu nehmen, ist so zu tun, als seist du jemand anders.

Wenn jemand in der Toilettenschlange lang genug die Gesichtszüge auseinanderknautscht, um dich mit einem Satz wie VOLL DIE GUTEN VIBES HIER anzuschreien, dann sag ihm, du seist mit Joko von Joko und Claas verwandt, oder du hättest mal Günther Jauch das Leben gerettet, oder sag ihm, du warst mal mit Markus Lanz einen trinken und er ist eigentlich ein ganz netter Kerl. Sei einfach alles, nur nicht du selbst. Du selbst sein ist nämlich ziemlich beschissen in diesen Situationen, ungefähr so beschissen wie Jürgen Drews sein, im echten Leben.

Dieser Artikel ist vorab auf Thump erschienen.