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Alex the Flipper möchte ein Macklemore-Album produzieren

Wir haben Alex The Flipper auf einem Boot in Linz getroffen und mit ihm über seine neue Single „Patty“, Macklemore und New York geredet.
26.9.14

Alle Fotos: Martina Trepczyk

Die Brüder Andi und Alex (an dieser Stelle bitte Applaus für ihre Eltern, die große Originalität bei der Namenswahl bewiesen haben) haben 2010 zum Spaß ein HipHop-Projekt gestartet. Da der Apfel bekanntlich nicht weit vom Stamm fällt, haben sie sich schlicht Andi & Alex genannt. Zwei Jahre später stieg ihr Debütalbum Wir & Ihr direkt auf Platz drei der iTunes-HipHop-Charts ein. Andis ungewohnt ehrliche, sozialkritische Texte und Alex tadellose Produktion treffen in Österreich eben auf offene Ohren.

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Jetzt versucht Alex, als Producer neue Pfade zu erkunden. Wir sind nach Linz gefahren, um uns mit ihm am Ufer der Donau auf einem Schiff zu treffen und über seine erste Single, Macklemore und New York zu reden.

Noisey: Auf deiner Facebook-Page ist als Genrebezeichnung „Fisch“ angegeben.
Alex: Ja genau. Als ich einem Freund mal was vorgespielt habe, hat der gemeint, dass ich die Genres wechsle wie ein zappelnder Fisch. Ich hab irgendwie von allen Musikstilen ein bisschen was drinnen. Das Witzige ist dabei irgendwie, dass die Leute, denen ich es gezeigt habe, trotzdem gesagt haben, dass noch immer meine Handschrift drinnen ist. Es ist nicht beliebig—Beliebigkeit ist nicht gut. Es gibt viele Leute, die tanzbare Musik machen und nur das. Ich bin aber generell ein Mensch, der viele Einflüsse hat. Ich komme zwar vom Sample-basierten HipHop, aber ich mache eigentlich alles.

Würdest du dich selbst als DJ bezeichnen?
Das ist ganz witzig, bei einer Show in Berlin ist einmal ein Typ zu mir gekommen und hat mich gefragt, wie lange ich eigentlich schon DJ bin. Dann hab ich gesagt, dass ich ja gar kein DJ bin. Ich spiele keine Songs von anderen Leuten, ich spiele nur Songs von mir. Natürlich kann ich nicht alles gleichzeitig machen, deswegen muss auch was vom Laptop kommen. Sobald du mit einem Laptop oben stehst, bist du für die Leute ein DJ. Ich würd mich als Produzent oder Beatmaker bezeichnen.

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Gibt es trotz zappelndem Fisch eine Linie, die du beibehalten willst?
Ich schaue darauf, dass ich mich beim Produzieren bei den Mitteln und Instrumenten, die ich verwende, ein bisschen beschränke. Ich finde, dass man innerhalb einer Beschränkung seine Kreativität besser ausleben kann, als wenn ich jetzt von allem etwas nehme.

Heute erscheint „Patty“. Hast du viel Parov Stelar gehört, als du den Track produziert hast?
Nein, eigentlich gar nicht. Ich habe schon oft gehört, dass die Leute bei „Patty“ an Parov denken, aber ich finde es eigentlich nicht so ähnlich. „Patty“ besteht ja aus zwei ganz konträren Teilen. Zum Einen gibt es den Teil mit den Trompeten, der wahrscheinlich die Parov-Assoziation hervorruft, und dann gibt’s den elektronisch-angehauchten Teil. Das ist auch die erste Single von der EP.

Du hast Gerard und Bilderbuch supportet. Was hat dir besser gefallen?
Es waren einfach komplett unterschiedliche Artists. Und dadurch war auch das Publikum komplett anders. Beim Gerard war’s halt eher das HipHop-Publikum, klar, das Beat-affinere Publikum einfach. Songs wie „Rich“ zum Beispiel sind beim Gerard-Publikum besser angekommen als beim Bilderbuch-Publikum. „Patty“ ist dafür besser beim Bilderbuch-Publikum angekommen.

Welche Band würdest du dir als Support für deine Tour holen?
Gute Frage, darüber hab ich mir schon oft Gedanken gemacht. Ich würd mir Gospel Dating Service mitnehmen. Die passen jetzt zwar nicht aufs Erste mit mir zusammen, aber vielleicht auch doch. Ich habe schon viel mit den Jungs zusammengearbeitet und glaube, dass das ganz gut passen würde.

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Wovon lässt du dich beim Produzieren beeinflussen?
Am meisten von dem, was ich gerade selber so höre. Arcade Fire, Slow Magic und Chet Faker zum Beispiel. Es gibt da eine bestimmte Mood, in der ich sein muss. Da mache ich dann auch immer gleich mehrere Songs am Stück. Bei der Seawards-Demo war es so, dass ich mir gedacht hab „Okay, ich lass jetzt einfach mal alles hinter mir und denke auch überhaupt nicht daran, was sein wird.“ In diesem Stadium ist es auch einfach am schönsten, Musik zu machen. Dass man sich einfach echt befreit von den Erlebnissen, die man gemacht hat und sich einfach an etwas Neues setzen und dann kommt auch einfach etwas Schönes raus. Es ist halt auch immer ganz cool, wenn du dir im Vorhinein nichts erwartet hast und im Endeffekt was Gutes dabei raus kommt, das den Leuten gefällt.

Hast du einen bestimmten Satz, der dich inspiriert?
„Fishing is sad, go swimming“—das ist ein ziemlich cooler Satz, der mir jetzt schon öfter untergekommen ist. Es sagt einfach, dass es nichts bringt, den Delfin rauszufischen. Schwimmt lieber mit ihm. Das ist ein ganz cooler Ansatz. Das ist auch bei meinen Live-Shows so. Ich finde den Ansatz, da ist der Artist und das ist das Publikum und ich zeige euch jetzt, in welche Richtung ihr gehen sollt, nicht so cool. Wenn man ein Konzert spielt, sollte das eine gemeinsame Sache sein. Da ist keiner wichtiger als der andere. Für mich ist das nicht so, dass ich mir denke, ich bin so super, weil ich da oben stehe, sondern für mich steht der Song in der Mitte und der Artist und das Publikum müssen versuchen, sich in der Mitte zu treffen. Und man merkt das dann ja auch immer voll, wenn das funktioniert, wenn der Funke überspringt. Es soll ein gemeinsames Erlebnis sein.

Wie hat Andi auf deine Solopläne reagiert?
Ganz Bruder-like. Gar nicht angepisst oder so. Er ist ja auch um einiges älter. Alex The Flipper ist ja nicht das Ende von Andi&Alex, wir werden weiterhin was gemeinsam machen. Andi&Alex ist nicht tot und ich versuche, die beiden Projekte auch voneinander zu trennen. Ich nehme mir jetzt einfach gewisse Freiheiten und mache das, was sich für mich richtig anfühlt, und muss mich da nicht noch nach anderen Meinungen richten und Kompromisse eingehen.

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Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?
Ich bin voll der Macklemore-Fan. Was er zur Zeit musikalisch macht, unterstütze ich zwar nicht zu 100 Prozent, aber ich beschäftige mich jetzt seit 2007 mit dem Typen und das ist ja beispiellos, was der gemacht hat. 2011 hat er noch kleinere Shows gespielt und jetzt ist er 4-facher Grammy-Gewinner. Ich finde ihn fast als Person cooler, als das, was er musikalisch so macht. Für Macklemore würde ich gern mal ein Album produzieren.

Du bist in Linz geboren, aufgewachsen und geblieben. Was hat dich in der Stahlstadt gehalten?
Ich mag Linz echt gerne und ich glaube, ich werde immer da bleiben. Ich hab ja auch mal ein Jahr in Berlin gewohnt, aber ich find halt … da gibt es den Film. Es muss was geben über die Linzer Musikszene und ich finde das ganz bezeichnend, dass—ich glaube, der Produzent von Fuckhead—sagt, dass wenn du in irgendeiner großen Stadt bist, dann sitzt du da, wo halt alle sind und denkst dir so „Ja cool, jetzt bin ich da. Und jetzt?“ In Linz hast du immer das Gefühl, ich will hinaus in die große, weite Welt und da arbeitest du dann auch viel intensiver, wenn du irgendwo in deinem kleinen Studio sitzt. Das finde ich viel inspirierender, wo hin zu arbeiten, als wenn du quasi schon da bist. Man kennt das ja, wenn man mal was hat, das man wollte, ist es manchmal gar nicht so cool wie erwartet.

Auf welche Stadt arbeitest du hin?
Das klingt jetzt vielleicht plakativ, aber mir taugt Berlin als Stadt voll. Die kenne ich mittlerweile aber schon ziemlich gut, also wäre die nächste Stadt wohl New York, das würde mir taugen. Obwohl, da kann ich nicht immer zum Arzt gehen, wenn ich will. Ich glaube, wenn's dir gut geht, ist es dort ganz cool, aber wenn's dir schlecht geht eher weniger. Also wenn ich könnte, würde ich mir eine Wohnung in New York kaufen.

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