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„No Sense“ ist der Song, der dich endgültig von Justin Bieber überzeugen wird

Justin Bieber ist erwachsen geworden und macht jetzt gute Songs. Glaubst du nicht? Das Travi$ Scott-Feature wird dich davon überzeugen.
17.11.15

Ich könnte natürlich behaupten, schon immer etwas in Justin Bieber gesehen zu haben, schon früh sein Talent erspäht und fest an ihn geglaubt zu haben. So machst du das ja heutzutage, wenn du kredibil sein möchtest. In Wahrheit ging mir Biebsi aber immer ziemlich auf die Nerven. Besonders sein „Baby“-Video, in dem der halbstarke Teenie mit viel zu alten und heißen Mädchen rummacht, sein „Boyfriend“-Video, das meiner Meinung nach die billigste *NSYNC-Kopie ist, die die Welt je gesehen hat, und sein Haus-Äffchen Mally, das ihm am Münchner Flughafen weggenommen wurde, weil München mal wieder München war, haben mich sehr genervt und glauben lassen, dass alle Belieber der Welt einen ganz großen Schaden und absolut keinen Geschmack haben.

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Aber wie das im Leben so ist, muss man seine Meinung manchmal ändern. Wobei ich das meiste, das Justin Bieber früher abgeliefert hat, immer noch schlecht finde, muss ich heute, wenn auch nur widerwillig, erkennen: Ich werde immer mehr zu einem Belieber. Mit jedem Banger, den Justin veröffentlicht, und jedem Play, den ich seinem neuen Album Purpose schenke, sehe ich was in diesem Schönling, der viel zu viel zwinkert und allzu gerne verrucht an der Kamera vorbei blickt.

Ich würde ja alle auffordern, sich das Album drei- bis viermal anzuhören, um zu verstehen, warum Justin Bieber immer weiter von durchschaubarer Teeniemusik zu erwachsener Popmusik wandert, aber das würden wahrscheinlich die wenigsten tatsächlich tun. Deswegen ist hier stellvertretend ein Track aus dem Album, der dir eindrucksvoll zeigt, warum Justin nicht mehr nervig, sondern sehr ernstzunehmdend ist: seine Kollaboration mit Travi$ Scott „No Sense“, die von dem GOOD Music-Rapper selbst produziert wurde und mit seinem schwermütige Trap-Beat neben den von Skrillex oder Diplo produzierten Clubhits und den bewegenden Singer-Songwriter-Tracks eine dritte Richtung auf dem Album vorgibt.

Vermutlich werden jetzt ganz schnell die Stimmen laut, das könne man ihm nicht anerkennen, hat ja schließlich Travi$ Scott produziert etc. etc. etc. Aber in den Zeiten, in denen Künstler nur als Solo-Allround-Projekt anerkannt werden, leben wir glücklicherweise schon lange nicht mehr. Das, was Justin Bieber mit diesem Song gemacht hat, kann er tausendfach wiederholen: gute Produzenten und Künstler um den Finger wickeln, sie in ein unantastbares Pop-Gewand kleiden und mit seiner wehleidigen Stimme versehen, die dich immer dazu bringen wird, dein Gesicht beim Mitsingen voller Hingabe zu verziehen. Schlechte Popmusik versucht, das zu kopieren, was früher erfolgreich war. Gute Popmusik lässt sich von neuen Ideen und Subkulturen beeinflussen und bringt sie einem viel breiterem Publikum näher. Justin Bieber macht eben das gerade ziemlich erfolgreich.

Du kannst jetzt also deine Spotify-Session auf privat stellen, das Justin-Bieber-Album von vorne bis hinten durchhören und Gefahr laufen, auch ein Belieber zu werden. Oder aber du fängst an, dich über meinen schlechten Musikgeschmack aufzuregen und mich zu beschimpfen. Das wäre OK. Ich bin stark, denn ich bin jetzt ein Belieber.

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