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Produzentencheck: Die größten neuen Rap-Produzenten

Im HipHop werden oft die Beatmaker hinter den Rappern übersehen. Wir stellen euch fünf junge Produzenten vor, die in den nächsten Jahren Rap entscheidend mitprägen werden.
13 Mai 2013, 1:00pm

Credit: Julian Meinert.

Traditionell werden Produzenten im HipHop gerne unterschätzt. Natürlich bekommt der Nerd an den Reglern nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie der Rapper, doch ohne den richtigen Beat kann auch der beste Reimkünstler einpacken. Nachdem die Beatmaker von früher (DJ Premier, Large Professor, Just Blaze) langsam, aber sicher in der Bedeutungslosigkeit versanken und Scott Storch und Konsorten Rap in den zwangsläufigen Plastikpop-Anzug zwängten, bekommen wir seit einigen Jahren wieder erstklassigen HipHop-Sound vorgetragen.

Das hat etwas damit zu tun, dass nach den mageren 00er Jahren das Genre wieder auf Qualität setzt und sich konsequenterweise liberalisiert. Im Prinzip kann man über alles rappen und Frösche bei der Paarung sampeln, solange eine vernünftige Bassline unter den Song gepackt wird. Und die neuen Produzenten lassen sich ob dieser neuen Möglichkeiten nicht bitten und begründen immer neue und qualitativ hochwertige Sounds. Beatbastler wie Noah „40“ Shebib, T-Minus oder Clams Casino haben den neuen HipHop mit einem stimmigen und atmosphärischen Klangteppich überzogen, ohne sich am Mainstreamsound zu wabern. Und diese Entwicklung geht weiter. Deswegen stellen wir euch fünf junge Produzenten vor, die in den nächsten Jahren Rap entscheidend mitprägen werden.

Digi+Phonics

Als betriebsinternes Produktionsteam der derzeit heißesten HipHop-Clique Top Dawg Entertainment (Kendrick Lamar, Schoolboy Q, Ab-Soul, Jay Rock) haben Digi+Phonics—bestehend aus Sounwave, Dave Free, Willie B und Taebeast—einen Platz in dieser Liste sicher. Sounwave produzierte Kendricks „Bitch Don’t Kill My Vibe“, während Dave Free Schoolboys „There He Go“ und Willie B sein “Gangsta in Designer (No Concept)“ zusammenschusterten. Taebeast lieferte die Kulisse für Ab-Souls Hymne „Track Two“. Auf Grundlage des West-Cost-Sounds der 90er, mit dem sie aufgewachsen sind, haben sie viele experimentelle und frische Elemente in die Produktionen gebaut—Ice Cube vs. Outkast, wie es Sounwave in diesem Interview mit Noisey nennt.

Hudson Mohawke

Der schottische Electro-DJ und -Produzent Hudson Mohawke präsentierte sich der Musikwelt, als er 2009 von Warp Records verpflichtet wurde und das von Kritikern gelobte Album Butter releaste. Erste Schritte im HipHop unternahm er mit Lunice, als er das Duo TNGHT gründete und die gleichnamige EP veröffentlichte, die von der Presse erst recht verschlungen wurde. Der atmosphärisch futuristische Sound auf einem Song wie „Higher Ground“ hätte jemandem wie Rick Ross oder Lil Wayne erschreckend gut zu Gesicht gestanden. Das musikalische Talent erkannte ein gewisser Kanye West und nahm den Schotten für die G.O.O.D. Music Oper Cruel Summer unter Vertrag. HuMo werkelte an „To The World“ und „The One“ mit und produzierte in Eigenverantwortung den großartigen Track „Bliss“. Offensichtlich leistete er so eine gute Arbeit, dass Kanye ihn im Januar offiziell bei G.O.O.D. Music unter Vertrag nahm.

Michael Uzowuru

Wenn der 21-Jährige dem aufmerksamen Raphörer etwas sagt, dann in erster Linie als schwer auszusprechender Name in den Produktionscredits der Odd-Future-Veröffentlichungen. Doch vor allem wollen wir euch sein Mixtape „Winter in Prague“ mit Rapper Vince Staples ans Ohr legen. Die energetischen Beats mit den harten Drums auf akustisch weit auslaufenden Weiden machen jeden Track zu einem Erlebnis. Und Vorsicht, Michael Uzowuru sitzt derzeit an seinem Debütalbum. Sehr gut, wir warten hier solange und hören uns noch ein bisschen „Winter in Prague“ an.

The Beat Bully

Ganz in der Tradition der Maybach-Produktionen von wummenden Basslines und quietschenden Synths, gerne auch mal mit apokalyptischem Glockenspiel angereichert, hat The Beat Bully Rick Ross („Stay Schemin‘“; „So Sophisticated“) und Meek Mill („House Party“) die aktuellen Hits beschert. Es wundert daher nicht, dass Kenoe, der Go-To-Producer von Maybach und YMCM, den Jungspund unter seine Fittiche genommen hat. Die eigenen Beatlehrlinge wollen schließlich mit der unternehmenseigenen Philosophie ausgestattet werden. Wir würden uns allerdings freuen, wenn der 21-Jährige auch mal außerhalb von New York oder L.A. seine Bretter an den Mann bringen würde.

Young Chop

Young Chop wird jedem HipHop-Hörer etwas sagen, auch wenn er nicht die Zutaten hinter jedem Song studiert. Als er in seinem Zimmer zwischen Pizzaschachteln und Wizzlepäckchen zu Chief Keefs „Love Sosa“ und „I don’t like“ ausrastete, ist ihm bestimmt die Kinderstimme zu Beginn der Tracks aufgefallen: „Young Chop on the Beat“. Eigentlich braucht es diese Labeltags nicht, die härtesten Drums und Basslines stehen schon genug für sich selbst. Die 18-jährige Hitmaschine hat nicht nur seinen Spezi Chief Keef zum Trapprinzen hochgehievt, sondern auch halb Chicago mit Bangern versorgt (Lil Durk: „Right Here“, Lil Reese: „Us“). Selbst Drake hat schon ein Auge auf den jungen Mann geworfen. Wir dürfen gespannt sein, was die Zukunft bringt.


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