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Was ihr auf dem Beyoncé-Konzert verpasst habt

Ich war auf dem Beyoncé-Konzert in Berlin und Queen B brachte mich dazu, gleichzeitig kotzen und weinen zu wollen.
26.5.13

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Dass man in Amerika ausgesprochen motiviert ist, seinem Nachwuchs die Kindheit zu rauben und 3-jährige an Beauty-Contests, 5-jährige an Horrorfilmdrehs und 8-Jährige an Bandcastings teilnehmen zu lassen, ist nicht das bestgehütete Geheimnis. Dazu zählte auch Beyoncé Knowles, die mit acht (!!!) Jahren von ihrem Vater bei Destiny‘s Child zwangseingewiesen wurde und danach nicht nur auf adoleszente Querschlägererlebnisse, sondern auch auf Grundschule und Pubertät komplett verzichten musste. „Maschinerie, ahoi!“, sagte Papa Mathew 1990 und ab ging‘s.

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Besonders uns Mittzwanziger begleitet sie in etwa seit wir, in der eine Hand das Trinkpäckchen, in der anderen Hand den Eastpack, vor immerhin fünfzehn Jahren zum ersten erfolgreichen Destiny‘s Child Hit „Bills Bills Bills“ die Schultreppe herunter hüpften. Seitdem hat sich einiges getan: Nach einigen Umbesetzungen, dem Aus der (nach TLC) zweitlegendärsten R'n'B-Girlband Destiny‘s Child, der Solokarriere und der Hardcore-Konkurrenz aus der RiRi-Ecke hat Queen B das Knowles mittlerweile gegen das viel schlichtere Carter getauscht, ist Mama und macht inzwischen Musik, der kaum noch Beachtung zuteil kommt. Wieso auch, die Marke Beyoncé-Z läuft wie am sprichwörtlichen Schnürchen, dem tun auch die möglicherweise vorgetäuschte Schwangerschaft und die Nasen-OP keinen Abbruch.

Nach dem heiß diskutierten Superbowl-Gig und der Kurzzeitreunion mit den Ex-Kolleginnen Kelly Rowland und Michelle Williams kündigte B dann endlich ihre Worldtour unter der Ansage „MRS CARTER TOUR“ an. Das Berlin-Konzert war innerhalb weniger Minuten ausverkauft, beim Zusatztermin wurde auch noch mal ordentlich Gas gegeben. Knapp drei Monate später dann der Kick-Off in München, die beiden Abende danach das Gleiche in Berlin. In insgesamt zehn verschiedenen Outfits hüpft sich sexy B über die auffallend schlichte Bühne und gibt ganz viel Liebe und Dank an die Fans, die bereit waren, ihr die 80€-Tickets abzunehmen.

Dabei find alles ganz harmlos an: ein paar tausend Menschen, darunter vorzugsweise eigens Angereiste, und überwiegend Ü40 und U16, waren in Massen gegen die Abendsonne in die spektakulär unspektakuläre O2 Arena gewandert, um sich dort mit 7,50€ Cocktail und Riesenbrezel bewaffnet ins Getümmel zu schmeißen. Machte auch einiges her, das überdimensionierte B auf der schwarzen Leinwand, auf die man stundenlang starrte, bis sich Beyoncé von ihrem eingeforderten 21°-Mineralwasser und dem roten (!) Klopapier losreißen und den Weg auf die Bühne antreten konnte. Wer, wie die meisten, nur ihre Hits kennt, durfte direkt zu Beginn mit dem Major-Lazer-Verriss „Run The World“ loslegen. Peinlicher Bootyshake, verschüttetes Bier und auffallend viele künstliche Fingernägel auf Seite des Publikums, eine vom Heuschnupfen geplagte Beyoncé auf der anderen. Nach „If I Were A Boy“, einer Glitzerkappe mit Katzenohren und unglaublich vielen Songs, die vom Entertainmentfaktor auch von der Kneipensängerin aus dem Nachbarort hätten kommen können, legt B zur Mitte hin richtig los, quetscht sich in einen blauen Ganzkörperglitzeranzug, der schon die eine oder andere Spekulation über ein Geschwisterchen für Blue Ivy befeuerte, und fliegt im Tarzan-Style ein mal durch die Halle auf ein Podest im hinteren Innenraum, nachdem sie sich einen kompletten Song lang auf einem Piano geräkelt hatte.

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Nachdem die Massen vom vorderen Ende der Halle ins hintere Drittel gestürmt waren, versammelte sweet B ihre zehn sexy Tänzerinnen (Castingziel: Auf keinen, also, auf gar keinen Fall schlanker sein oder besser aussehen als die Queen) um sich und erinnert uns noch mal dran, wieso wir eigentlich hier sind: Wegen alten Destiny‘s Child Hit. Mit einer gequälten Version von „Survivor“ muss sich das Publikum zufrieden geben, bevor die Queen zurück in Richtung Bühne flattert, sich endlich mal wieder umzieht und „Crazy In Love“ hinterher ballert. Getoppt wird die Fliege-Nummer nur noch von einem aufwändig konstruierten Privatvideo mit Baby Blue Ivy und einem halben Gesicht von Jay-Z, in dem Beyoncé ganz schrecklich glücklich Schnellboot fährt und wirklich gerne auf Tuchfühlung mit ihren Fans geht, gefolgt von einer—auf eine Bauchschmerzen verursachenden unangenehmen Art—guten Cover-Version von Whitney Houstons „I Will Always Love You“, bei dem man nicht so richtig weiß, ob man vor Stimmbegeisterung heulen oder vor Inszenierungsekel kotzen soll. Einfach beides, wenn dann richtig, denn es folgt noch „Halo“, ganz viel Liebe an die Fans und eine Würdigung der vielen anderen Menschen auf der Bühne, bevor sich der Bildschirm schließt und B die Reise zurück zu ihrem roten Klopapier antritt.

Mit Goldkonfetti im Haar und einem Ohrwurm von drei ihrer Songs gleichzeitig verlassen die angeblich 17.000 Fans gewohnt sturmartig die Arena, prügeln sich draußen noch um die hässlichen 2€-Poster der Schwarzmarkthändler und begießen den Abend mit mehr Alkohol, bevor sie lächelnd im neuen Fanshirt einschlafen. Es war oh so großartig, wirklich. Danke, Queen B!

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