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Es gibt jetzt auch Beef im Metalcore und er ist unfassbar peinlich

Wenn sich zwei Bands ernsthaft darüber streiten, wer seine Fans „Breather Nation“ nennen darf, ist Metalcore wirklich tot.

von Julius Wußmann
02 März 2016, 11:09am

Deiner frisch gegründeten Band einen Namen zu geben, ist eine verdammt verantwortungsvolle Aufgabe. Er sollte zum Genre passen (The Black Dahlia Murder), möglichst phonetisch cool klingen (Suicide Silence) und im Idealfall noch leicht zu merken sein (Architects). Oder er drückt schon für sich allein stehend eine Haltung aus (Heaven Shall Burn). Im Endeffekt repräsentiert er ja dein kleines Bandunternehmen und ist noch mehr als deine sowieso zusammengeklaute Musik dein Alleinstehungsmerkmal. Deinen Bandnamen werden all die potenziellen Hörer eher auf Shirts, CDs oder in Playlisten lesen, als tatsächlich mal die Band dahinter anzutesten. Also solltest du dir mit deinen vor witzigen Einfällen sprühenden Freunden ganz genau überlegen, was du da tust und dein frisch geborenes Kind nicht sofort zum Mobbingopfer auf dem Schulhof machen.

Oder dir ist das alles scheißegal und nennst dich I, The Breather oder It Lives, It Breathes. Diese beiden US-Bands spielen modernen Metalcore und dachten bei ihrem Bandnamen wohl: „Wir machen schon keine besonders kreative Musik, also muss unser Bandname besonders clever sein, irgendwas mit ‚breathe’—schließlich müssen doch alle Lebewesen atmen, Bro.“ Völlig unabhängig davon, dass Atmen keine besonders einzigartige Fähigkeit ist und die Aufzählung „Es lebt, es atmet“ keinen logischen Sinn hat, sind die beiden Bands ziemlich erfolgreich. Wobei: I, The Breather gaben im Januar ihre wohlverdiente Auflösung bekannt. Eine Tour noch, dann ist Schluss. Sind sie ihren Fans schließlich schuldig, ihrer treuen Breather Nation.

There is and will only be one #BreatherNation. I feel that a band out there needs to know that just because we are ending as a band, our movement and family will long live :)

Posted by
Shawn Spann on Sonntag, 28. Februar 2016


Warte, was? Ja, Breather Nation, nicht etwa Bebreather, Breathioners oder Breathenators, sondern #breathernation. Ihr Sänger Spann beteuerte aber nochmal einen Monat später, dass nur, weil sie es bald nicht mehr geben würde, das „Movement“ weiteratmen würde. Weißt du, wer seine Fans noch mit diesem leider dadurch nicht mehr einzigartigen Kosenamen versehen hat? It Lives, It Breathes. Deren Sänger Lacerda fand Spanns Statement, dass seine Nation die einzig Wahre sei überhaupt nicht witzig und machte eine klare, direkt an ihn gerichtete Videoansage: „Das ist cool, abgesehen davon, dass die wahre Breather Nation erst vor 88 Wochen auf Instagram von deiner Band geprägt wurde, während es bereits vor 166 Wochen geprägt wurde—von uns.“

To: SHAWN SPANN of I, The Breather - The TRUE BREATHER NATION

Posted by Kevin Lacerda on Sonntag, 28. Februar 2016


Konnte Spann natürlich nicht auf sich sitzen lassen und schmiss das Rindersteak in die fröhlich brutzelnde Pfanne. In einem längeren Post erklärte er Lacerda, dass Instagram in Zeiten von MySpace eben nicht existiert hätte, Hashtags ihm scheißegal seien, Lacerda mit so einem Ego nicht lange durchhalten würde und er mit seiner Band erstmal ein paar Jahre touren sollte. Fand Lacerda eher semi-gut und wendete das Steak mit einem Facebook-Post: „In 10 Jahren wird sich NIE-MAND mehr an I, The Breather erinnern. Sie haben nie einen ECHTEN Impact auf die Industrie gehabt.“ Außerdem behauptete er direkt unter Spanns Post, dass der Sänger-Rivale nicht der „weise Gandalf der Musikindustrie“ sei und sich mal lieber mehr um seinen Sohn kümmern sollte, anstatt seine Zeit mit Kommentieren zu vergeuden. Da musste Spann erstmal nach empört nach Luft schnappen.

Zwei erwachsene Männer streiten sich also darüber, wer seine Fans im Internet mit einem dämlichen Namen beschimpfen darf. Dass die beiden auch noch Sänger von Metalcore-Bands sind, macht es umso schlimmer. Seit wann haben Metalbands denn überhaupt diese Pop-typischen Bezeichnungen für ihre Fans? Klar, Slipknot haben das schon vor über zehn Jahren gemacht, als sie ihre Fans „Maggots“ nannten, aber dass das jetzt scheinbar auch im Sub-Genre Metalcore Einzug gefunden hat, zeigt, dass dem ehemaligen Core-Gedanken endgültig die Puste ausgegangen ist. Wenn man schon keine Inhalte mehr verbreiten will, kann man sich eben auch über Oberflächlichkeiten abfucken.

#BREATHERNATION

Posted by I, The Breather on Montag, 29. Februar 2016


Gestern hat Lacerda dann unter ein I, The Breather-Bild gepostet, dass er hofft, dass er der Band dabei geholfen hat, mehr Tickets für die Abschiedstour zu verkaufen. Die Band bedankte sich artig und Verwies auf den Extra-Boost für die Vorbestellungen der neuen It Lives, It Breathes-Platte. Also alles nur Beef für Promo? Traurigerweise unwichtig, wäre das ja sogar noch peinlicher als ein echter Streit. Denn dann geht es wirklich nicht mehr darum, in irgendeiner Form eine Haltung einzunehmen und damit Menschen zu erreichen, sondern unverhüllt nur noch um eins: Geld.

Julius ist auch bei Twitter: @BackToSchoolius

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