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Haben Evanescence damals Britneys Zusammenbruch vorausgesagt?

Könnte es tatsächlich sein, dass das Video zu "Everybody’s Fool" damals eine Prophezeiung war?
19.11.15

In einer Zeit, in der es irgendwie geil war, die kompletten "Numb“-Lyrics von Linkin Park nicht nur ironisch mitzubrüllen, gab es eine Band, die diese ganze Nu Metal/Gothic-Welle geritten hat wie keine andere: Evanescence. Niemand wusste genau, wie man sie jetzt eigentlich ausspricht, aber jeder hat sie aufs Härteste gefeiert. Völlig zu recht – wer nicht mindestens einmal zu "My Immortal“ leise weinend in einer dunklen Ecke gekauert hat, der hat nie richtig gelebt. Ihr Debüt "Fallen“ ist eines dieser Alben, die rebellische Teenager-Seelen brechen und sie zwei Tracks später wieder zusammenkleben können. All the feels.

Als Anfang 2004 mit "Everybody’s Fool“ die vierte und letzte Single des Albums veröffentlicht wurde, war schnell klar – das ist eine Ansage. Amy Lees ganz persönliches Anti-Ruhm-Manifest, das sich gegen das makellose, versexte Plastik-Image von Popstars richtet und die ganze Hollywood-Welt als Fake enttarnt. Als Inspiration diente laut eigenen Aussagen ihre kleine Schwester, die damals – wie wir alle – nur ein einziges Idol hatte: Britney Spears.

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Das Video zu "Everybody’s Fool“ wurde im April 2004 in Los Angeles gedreht. Ungefähr zur selben Zeit war Britney gerade damit beschäftigt, der größte Star der Welt zu sein. Gerade hatte der Clip zu "Everytime“ Premiere gefeiert – für die Banausen: das ist der mit der Badewanne und dem Selbstmord, der dann aber doch keiner sein durfte und am Ende war es sowieso eine Wiedergeburt. Ein bisschen hat Britney damals, vor allem mit der Krankenwagen-Szene, auch ihre eigene Zukunft vorausgesagt. Diese Bilder in Anbetracht der späteren Ereignisse zu sehen, ist heute ähnlich bizarr wie die Lyrics von "Lucky“ es inzwischen sind. Aber egal.

Schon damals, als im darauffolgenden Mai das Evanescence-Video schließlich draußen war, wurde der Band vorgeworfen, das Badewannen-Konzept bei "Everytime“ abgeschaut zu haben. Das konnte rein zeitlich nicht wirklich hinkommen, oder hätte eben sehr spontan passieren müssen. Abgesehen davon glaubten ein paar Britney-Fans, in der Szene, in der Amy Lee für Softdrinks wirbt, einen Seitenhieb auf Britneys frühere Pepsi-Kampagne zu erkennen. Außerdem war Amy dabei auf einem Motorrad, was verdächtig stark nach "Toxic“ aussah, aber gut – es war kein Geheimnis, dass der Song sich rein inhaltlich unter anderem mit ihr beschäftigt, das alles konnte also durchaus der Wahrheit entsprechen. Der gruselige Aspekt an dem Ganzen ist aber, dass sich die wirklichen Mindfucks, die fast schon erschreckenden Parallelen zu Britneys Leben, erst drei Jahre später bemerkbar machen sollten.

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2007 ist Britney am Tiefpunkt angekommen und die ganze Welt sieht mit krankhafter Begeisterung zu. Das ist der Punkt, ab dem die Paparazzi-Fotos von damals anfangen, wie Stills aus dem "Everybody’s Fool“-Video auszusehen. Und ich übertreibe hier nicht mal – man könnte fast meinen, hätte Britney sich einen Scherz erlaubt und in aller Öffentlichkeit das Video nachgestellt. Ist sie am Ende vielleicht doch, wie schon so lange vermutet, die Wiedergeburt Christi und Amy Lee nur einer ihrer Propheten?

Alles passt. Die langen, dunklen Haare und das verheulte Gesicht unter dem grauen Hoodie. Das selbstverstümmelnde Schneiden bzw. Rasieren der Haare. Sogar Britneys pinke Perücke hat einen Auftritt. Amy Lee trägt sie wohlgemerkt in einer Schuluniform. Eine Schuluniform! Oh Baby, Baby. Es ist wie der Kreuzweg zu Ostern. Britney hatte den inzwischen legendären Bob damals oft verwendet, um ihre Glatze zu verdecken. Noch mal: Das alles ist drei Jahre nach dem "Everybody’s Fool“-Video passiert.

Was ist hier eigentlich los? Ist das alles Zufall? Sind graue Hoodies, pinke Perücken und Haarverkürzungen ein wichtiger Teil des kleinen Einmaleins für Promi-Abstürze? Unwahrscheinlich. "Look, here she comes now / Bow down and stare in wonder / Oh, how we love you / No flaws when you’re pretending“. Amy Lee war da zweifellos auf ärgerem Nostradamus-Scheiß unterwegs. Britneys freier Fall scheint von Anfang an vorherbestimmt gewesen zu sein, die Prophezeiung hat sich erfüllt und Evanescence haben uns als Orakel eine waschechte spearituelle Erfahrung beschert.

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Am Ende bleibt irgendwie nicht viel mehr als ein schlechtes Gewissen gegenüber Britney. Das unschuldige Schulmädchen, das ihre Haare für unsere Sünden gelassen hat. Ein Countrysänger hat ihr einen Sorry-Song als Entschuldigung geschrieben, was wohl das Mindeste war. Seit 2015 hat Britney ihre eigene Vegas-Show und scheint glücklicher denn je, wenngleich auch nicht mehr ganz die selbe. Obwohl – 2004 war im "Everytime“-Video auch schon eine Vegas-Werbetafel zu sehen, eine ähnliche gab es im Evanescence-Video. Aber ich mein ja nur.

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