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Musikreviews der Woche mit Sebadoh, Aloa Input und mehr

Eine gesunde Dosis Welthass, authentischer Wüsten-Rock und Traktoren aus Bayern. Unsere Reviews.
19.10.13

ALOA INPUT
Anysome
Morr Music/Indigo

Animal Collective haben ein neues Album draußen? Gar nicht mitbekommen. Ach nein, das sind ja gar nicht Animal Collective, sondern nur drei Typen aus Bayern, die wirklich genauso klingen. Was an sich eine sehr absurde Vorstellung ist, denn die schrammelige Verschrobenheit ihrer offiziell erklärten Vorbilder würde man vermutlich nicht in einem Proberaum neben einer Scheune und einem Traktorparkhaus vermuten. Dennoch reicht es hier eher zum Status „eine der besseren Schülerbands“, denn ein Album ohne eigene Ideen zu veröffentlichen, sollte dann schon als ein Cover-Tribut gekennzeichnet sein.

VRONI PLAG

SEBADOH
Defend Yourself
Domino

Sebadoh haben Lo-Fi-/Shoegaze-/Indie-Legendenstatus, vor 14 Jahren das letzte nennenswerte Lebenszeichen in Albumform veröffentlicht, und klingen auf Defend Yourself im Prinzip immer noch exakt wie vor 14 Jahren. Das ist einerseits natürlich stinklangweilig, denn wir könnten uns auch einfach weiter die alten Sachen anhören. Andererseits aber eben super, denn heutzutage machen Bands ja eher diesen hippen überironisierten "Indie"-Scheiß mit Anführungszeichen. Früher war eben doch einiges früher. Mühle, ich hör' dich zwicken.

'K, MASCIS

THE ICARUS LINE
Slave Vows
Agitated/Cargo

Wie man hört, hat Icarus Line-Frontmann Joe Cardamone die letzten Monate nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens verbracht. Aber immerhin verschafften ihm Obdachlosigkeit und Drogensucht die Gelegenheit, mal wieder eine gesunde Dosis Welthass aufzustauen, die sich auf seinem neuen Album in äußerst überzeugender Weise entlädt. Ein derart organisches und schmerzverzerrtes Jaulen, wie Cardamone es seiner Gitarre entlockt, habe ich auf jeden Fall nicht mehr gehört, seit sich meine Katze zum letzten Mal den Schwanz in der Balkontür eingeklemmt hat.

FRED FEUERSTEIN

TAMIKREST
Chatma
Glitterhouse/Indigo

Als ich erstmal vom einzig authentischen Wüsten-Rock des gemeinhin Tuareg genannten Nomaden-Volks Kel Tamashek las, entstand in meinem geistigen Ohr so etwas wie eine fiebrige Hi-Life-Version von Bo Diddleys Endlos-Variantionen - “Who Do You Love?”, “Road Runner”, “Hey! Bo Diddley” - auf 100 aus Zigarrenkisten und Benzin-Kanistern gefertigten Gitarren tranceartig über Stunden in den Wind geschrammelt, heiß und treibend wie der Sand. Dagegen konnten das Original, Tamikrest nur abstinken. Zumal Chatma jetzt auch noch passend zu einem “inhaltlich aufrüttelnden Album” auch “Tamikrests bislang größte Breitwand-Klangfülle” bietet (schon sic? wartet, jetzt kommt’s erst): “Die infektiösen Mitsing-Rock-Arrangements von „Imanin bas zihoun", die akustische Verführung "Adounia tabarat", das von Pink Floyd beeinflusste "Assikal" und die üppig- melancholische Atmosphäre des finalen "Timtar" …” Ja, ich sing mal: Hey, Booohhh Diddley …!

LIL’ BO

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