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Space-Ninjas und falsche Amphitheater: Wildern an ungewöhnlichen Orten.

Matthew Dear, Sepalcure und andere erzählen uns, wie es ist an außergewöhnlichen Orten zu spielen.
29.7.12

Es gibt Partys, die an einem Ort, veranstaltet werden, der weder ein Club, noch ein Konzertraum ist, an dem keine vor sich hinvegetierende Alkoholleichen herumirren—mit Sicherheit hast du von denen bereits gehört—während sie um einen leeren Tank Serotonin ringen, quasi der letzten MDMA-Safari der letzten Nacht. Dieses Szenarium ist nicht das schönste was Künstler sich vorstellen, wenn sie davon träumen ein Publikum zu begeistern.

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Wenn du das MoMA PS1 Warm Up Festival betrittst, ein Rummelplatz der Musik, haut es dich um. Um zwei Uhr nachmittags beginnt das Spektakel auf einer provisorisch aufgebauten Bühne. Draußen vor dem Museum ist Parkett ausgelegt, auf dem sich die Jitterbug-Tänzer auslassen können. Eine Neuerschaffung von Bühne und Tanzfläche aus dem Nicht, check! Das Museum bremst zudem den Bier-Flow auf dem Gelände. Durch das ewige Warten am Bierstand bezweifle ich, dass irgendwer die Geduld hat, häufiger als nötig während des sechstündigen Events in der Schlange zu stehen. Somit wird spätestens nach dem vierten Mal Biernachschub aufgegeben. Das verhindert sehr wahrscheinlich auch den Einfluss und die Menge giftiger Substanzen, die durch die Adern des Publikums strömt.

Dann wird es Zeit für die Künstler der sonnenverbrannten Meute in dem Raum der dichten Akustik entgegenzutreten. Wie mag der Sound klingen, an einem Ort, der so untypisch ist? Sind sie ob der zurückhaltenden Sauferei enttäuscht oder darüber keine blanken Titten zu sehen? Werden sie enttäuscht sein, dass die Pfützen um sie herum nicht von den Leuten sind, die in ihrem eigenen Schweiß im Pool tanzen?

Um meine Neugierde zu beruhigen und von einigen der coolsten Typen zu lernen, fragte ich Dj’s und Produzenten, die dieses Wochenende beim Warm-Up auflegten. Darüber, wie sie den sie ungewöhnlichen Locations empfinden, wie sie zu Tagperformances stehen und wie sie mit der nicht perfekten Akustik umgehen.

Matthew Dear—Mitbegründer von Ghostly International und wohl einer der radikalsten Avant-Pop Musiker in der momentanen Electro Szene.

Dir sind ungewöhnliche Plätze nicht fremd. Erinnere dich an einigen Locations, in denen du bereits aufgelegt hast.
Ich habe im Guggenheim New York gespielt, im Getty in Los Angeles, im Natural History Museum in New York und Los Angeles und ich hatte vorher schon einmal einen Aufritt im MoMA PS1.

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Scheiße, das sind ja einige große Museums-Gigs. Was haben diese Plätze an sich, dass sie dich immer wieder überzeugen dort aufzulegen?
Ein Museum mag sich wie ein steriles Umfeld anhören, aber alle diese Plätze waren faszinierend. Ich denke, es hat etwas mit dem befreienden Gefühl von Feiern zu tun, das diese Locations ausstrahlen. Es fühlt sich fast etwas schädlich an und so wird jedem irgendwie schwindelig und jeder fühlt sich losgelöst.

Total! Also, was ist der Unterschied zwischen dem MoMA PS1 zu einem Auftritt in einem strobomäßigen Club?
Das MoMA PS1 ist ganz klar ein Klassiker. Das Lay-Out des Amphitheaters und das in Kombination mit Sommerfeeling in der Stadt, gibt dir ein magisches Gefühl. Die Leute, die um das MoMA herum wohnen feiern Partys auf ihren Balkonen. Es erweckt den Anschein einer Bloc Party.

Das MoMA PS1 ist komplett Open-Air und greifbar. Welchen Effekt hat das auf deine Akustik während des Sets?
Glücklicherweise saugt der Mensch vollständig den Sound in sich auf und der Platz war einfach unglaublich voll. Ich bin zwar nicht aus der Mitte des Dancefloors herausgekommen, aber von dem was ich mitbekommen habe, schien es sehr gut geklungen zu haben.

MIKEQ—Vogue House Dj, Produzent und Meister der Ballroom Szene.

Sicherlich, du hast bereits in unzählige Clubs gespielt. Aber hast du jemals in einem Museum aufdrehen können?
Um ehrlich zu sein nein. Das wird das erste Mal sein, sowohl drinnen, als auch außerhalb eines Museums. Das wird das größte Publikum sein, vor dem ich JEMALS gespielt habe!

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Wie fühlst du dich deine Vogue Musik draußen am hellichten Tag aufzulegen—vollkommen nüchtern und kaum benebelt?
[Lacht] Na ja, das ist ein gewaltiger Unterschied. Aber so lange die Leute tanzen und sie selbst sind, erfreut es mich total. Also werde ich genau so viel geben, als sei ich in einem Club.

War der Sound gut? Ich meine, der Hof ähnelt ja eher einem Fischglas.
Der Sound war UNGLAUBLICH! Ich habe keine Ahnung was es genau ausgemacht hat, aber der Sound war total isoliert und Lautstärker wurden kaum benötigt. Ich habe jeden einzelnen Moment der Lautstärke genossen. [Lacht]

SEPALCURE—Die Produzenten Machinedrum und Praveen Sharma sichern House- und Bass-Musik und machen daraus etwas Prächtiges das sich SEPALCURE nennt.

Habt ihr jemals in einer Location aufgelegt, die nicht Club oder Konzerthalle war?
Wir haben vor kurzem in dem größten Opernhaus von Mexiko für Mutek MX gespielt. Das war der ungewöhnlichste Ort, an dem wir bisher aufgetreten sind.

Okay, also wird das etwas Neues für euch sein, Jungs. Was findet ihr die Idee, das Museum in einem Schauplatz der Musik zu verwandeln?
Am Ende des Tages wird es zu einem Outdoor-Event bei dem die Leute trinken werden. Hört sich nach einer grandiosen Zeit für uns an! Aber jetzt mal ernsthaft. Es ist ein interessanter Mix beim PS1. Das Publikum wird von der Kunst eingeschlossen und auch die Galerien im Inneren des Museums. Alles fühlt sich so verspielt und ausgelassen an.

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Warm Up scheint fast wie der Casual Friday für Museen zu sein. Welche anderen Regeln würdet ihr für ein Museum befürworten?
Jeder sollte sich als Space-Ninja verkleiden.

JDH—FIXED Party-Starter ud Rpckrad vom Dj Duo JDH & Dave P

Typisch für euch sind Rooftop Clubs, wo Models in Whirlpools rumhängen. Warum dann in einem staubigen, alten Museum auflegen?
Ich denke es ist eine gute Sache. Das Warm Up hat immer ein richtig starkes Line-Up, so können die Leute den ganzen Nachmittag draußen vor dem Museum tanzen, mehr als in einem Club. Vor allem im Sommer funktioniert das super, weil sich die Menschen lieber draußen als drinnen aufhalten, lieber als in einem Club. PS1 ist großartig darin, die Location fantastisch aussehen zu lassen und der Vibe macht gewöhnlich super Laune. Natürlich lieben wir Clubs und Late-Night Partys, aber Veränderungen sind auch mal cool.

Eure Musik ist perfekt, für schummrige, leuchtende Momente. Ihr habt mir erzählt, ihr seid aufgeregt mitten am Tag zu spielen.
Tatsächlich lieben wir Events, die am Tag stattfinden und vor allem können wir es kaum erwarten beim PS1 dabei zu sein. Am Nachmittag hast du mehr Möglichkeiten weichere Summerjams zu spielen, die wir sonst nur zu Beginn unseres Sets spielen würden. Oder manchmal auch gar nicht. Seit dem PS1/MoMA versuchen wir etwas sonderbarer als gewohnt zu spielen. Wir spielen als Erste, daher sind wir heftig aufgedreht, die Vibes für den Tag zu setzen. Holt Leute rein und lasst dir Party hoffentlich beginnen!