Ausgehen

So stellen sich Schminktutorial-YouTuberinnen eine echte Party vor

Was ist eine "Party-Party“ und kannst du dich wirklich selbst "schönfeiern“?
2.6.16

Treffen sich drei YouTube-Sternchen mitten am Tag zum Quatschen auf einem Kingsize-Bett. Das Thema: Party. Was sie meinen: Kuchen backen. Ihr Hashtag: ungeschminkt. Wo ist der Fehler?

Wem in letzter Zeit mal das Gefühl beschlichen hat, er hätte schon alles oder zumindest einen großen Teil des großen Ganzen namens Vlogging gesehen, der sollte sich mal in Sachen YouTuber-Karrieren auf den neuesten Stand bringen. Kann sich zum Beispiel jemand an das Video von Sami Slimani erinnern, in dem er aus seinem Kinderzimmer heraus ein Tutorial für blendend weiße Zähne veröffentlichte und damit Views wie bei einem Blockbuster erreichte?

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Naja, so ein Slimani ist jetzt auch schon wieder so was von vorbei. Jetzt hüpfen nämlich Diana von Löwen, Giulia Groth und Kisu zusammen in die Kiste, um endlich mal so richtig ausgelassen übers Feiern quasseln zu können—und haben damit seit Dienstag schon über 100.000 Aufrufe erreicht. Und wer will nicht wissen, wie das eigentlich geht, dieses sogenannte "Party-Party" machen, wie die quirligen Girls das nennen?

Und an dieser Stelle wird es lustig: Anstatt Dagi Bee-mäßigen Make-up-Tipps oder Ideen zum "Dress to impress" präsentieren sich die YouTuberinnen leger auf einem Bett und vermeintlich "ungeschminkt" in Outfits zum Ponyreiten. Was läuft denn hier verkehrt? Sollte Werbung, also wenn dabei das harte Partymachen im Vordergrund steht, nicht direkt und ganz deutlich sein?

Ach ja: Wir befinden uns hier auf dem YouTube-Kanal von der Beauty-Marke bebe Young Care. Kein Wunder also, dass die drei 21- und 24-Jährigen in dem siebeneinhalbminütigen Clip auf süße 16 heruntergestylt wurden. Schließlich soll es um junge, aufgepeppelte Haut gehen und das Partyvolk, das mit Augenringen wie Plattentellern das Berghain verlässt, gilt da als wenig sexy.

Vor allem sollen Teenies ab zwölf von dem Video rund um harmlose Fragen wie: "Was solltest du tun, wenn du bereits gehen willst?", eingelullt und zu kleinen Konsumzombies herangezüchtet werden. Deshalb kommen die blondgefärbten Vorzeigemädchen im Clip auch nur mit solchen Hinweisen wie: "Duschen hilft total nach einer Party-Nacht. Das ist nämlich total belebend." Namasté!

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Aus dem VICE-Netzwerk: Nüchtern raven

"Heute geht die Party ab!" ist also ein Video-Titel, der auf ganzer Linie verarscht. Außer, das Trio glaubt tatsächlich, dass sie hier von einer leibhaftigen Feierei reden, wenn sie Raclette-Abende ("Das kannst du echt immer machen. Da bringt einfach jeder was mit." – "Ich habe dieses Jahr schon zwei gemacht!") und Kuchen backen aufzählen.

Was ist bloß los mit dieser Generation? Haben sich Filme wie Old School, Der Nachtmahr oder Project X geirrt? Bedeutet eine gute Sause nicht Tanzen, Alkohol und Exzess?

Wenn es nach Diana von Löwen und Co. geht, dann braucht es für eine solide Stimmung lediglich Goodie Bags. Sie werden da sogar noch etwas spezifischer: "Kleine Tütchen, die so süß aussehen." Kurzer Reality-Check: Bei diesem Zitat handelt es sich immer noch um das pastellrosa eingefärbte bebe-Werbevideo und nicht etwa um ein Zitat aus einer neuen Dope-Comedy mit James Franco und Seth Rogen. Diese natürlich komplett unschuldigen Mädchen mit Engelsgesichtern teilen uns nur ihre Version vom sich "Schönfeiern" mit.

Wenn es ganz crazy bei ihnen zugeht, gibt es nicht etwa Bierdusche und Gedächtnisverlust, sondern erst Schlafanzug-Look mit den engsten Freunden und danach hübsch brunchen gehen. Und wer nach dem Clubbesuch zum Döner greift, der hat sein Leben nicht im Griff. Sowieso: Auf der Tanzfläche angerempelt zu werden, ist eh voll "eklig".

Fazit: Die Generation YouTube-Promi hat keine Lust auf Rebellion. Auf verschwitzt abspacken, sich mit fremden Menschen im Club angrinsen, weil gerade so ein verdammt guter Song gespielt wird, auf Filmriss. Diese Generation hat Bock auf derbe Geldverdienen mit verstrahlten Clips. Und noch schlimmer: Sie verleugnet den Exzess. Dass Tanzen auch Sport ist. Dass am Tag danach nicht noch mal extra Bewegung folgen muss. Dass da dann die eigentliche Pyjama-Party anfängt—nur eben nur für eine Person.

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