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Obonjan

Ein Interview mit dem Veranstalter, der eine ganze Insel kaufte, um daraus ein Festival-Paradies zu machen

Obonja soll eine nachhaltige Idealwelt für DJs, Livemusik und Wellness sein.

von Angus Harrison
01 April 2016, 3:40pm

Das Wichtigste zuerst: Was oder wo ist Obonjan? Tja, unser Geografie-Experte hier bei VICE hat uns mitgeteilt, dass Obonjan eine 1,5 Kilometer lange Insel vor der dalmatinischen Küste ist, umrandet von einer staubigen Küste und überzogen von Kiefern und Olivenbäumen. Es sieht aus wie ein Paradies auf einem Felsen. Auch wenn sie in ihrer Geschichte menschlichen Kontakt hatte, ist sie seit zehn Jahren unbewohnt—doch das wird sich ändern.

Als vor ein paar Monaten die Nachricht bekannt wurde, dass die Organisatoren des kroatischen Megafestivals Unknown „eine ganze Insel gekauft" hatten, kam vielen Leuten wahrscheinlich ein recht ähnlicher Ort in den Sinn. Wenn du so tickst wie wir, dann dachtest du an einen wirklich gemütlichen Felsen in einem wirklich blauen Teil des Meeres, der nun ein wirklich ausgelassenes Paradies darstellt. Eine hedonistische einsame Insel, auf der das ganze Jahr Partys stattfinden. Mit dieser Vorstellung kamen aber auch die negativen Schlagzeilen. Also im Prinzip die gesammelten Geschichten von Briten [und Deutschen] im Ausland: Wasserverschmutzung, Lärmbelästigung, schlechte Drogen und leere Chipspackungen.

Aber als wir uns mit Dan Blackledge vom Unknown trafen—einem der neuen Besitzer der Insel—wurde erfreulicherweise schnell klar, dass der Plan in diesem Fall weit über 2-für-1-Shots und Dönerbude hinausgeht. In der etwas weniger idyllischen Umgebung des frisch verregneten Hackney haben wir uns zusammengesetzt, um über die nächsten Schritte für Obonjan und ihren ersten Sommer dort zu sprechen.

Diese Fotos von Obonjan in ihrer vorherigen Erscheinung als „Insel der Jugend" wurden vor Kurzem auf der Insel entdeckt und uns freundlicherweise von Dan zur Verfügung gestellt

Hi Dan, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch. Es muss ziemlich aufregend sein, sagen zu können, dass du deine eigene Insel besitzt.
Danke! Ich denke, Eine-eigene-Insel zu-Haben ist wahrscheinlich ein Wunsch, den viele Leute als Kind hatten, aber es ist nichts, was du für möglich hältst. Dann wurde mir die Insel gezeigt und ich dachte einfach: „Das ist einer der coolsten Orte, die ich je gesehen habe." Die Leute, die uns führten, hatten eigentlich etwas Anderes dafür vorgestellt, aber als ich es sah, hatte ich dieses Konzept einer allumfassenden Insel im Kopf. Sie planten, sie auf verschiedene Partys jedes Wochenende aufzuteilen, aber ich wollte etwas erschaffen, das den ganzen Sommer hindurch existiert.

Es sollte also nicht als Party-Insel angesehen werden?
Als wir losgelegt haben, wollten wir nicht das ganze kreative Programm veröffentlichen. Die Leute sollten schließlich nicht denken, es wäre ein Festival—das ist es nicht. Es geht mehr um durchdachte Performances in einer schönen Umgebung, einmalige Performances. Mittwochs hast du vielleicht einen Liveact, gefolgt von einem späten DJ-Set von jemand anderem. Donnerstags gibt es dann vielleicht einen Liveact und kein spätes DJ-Set, aber am Tag danach wieder. Es ist also ein schönes, ausgewogenes Programm, es ist nicht die ganze Zeit Betrieb wie bei einem Festival—fünf Bühnen und Afterpartys und so. Es gibt Elemente davon, es gibt eine Latenight-Rum-Bar, einen kleinen House- und Techno-Club im Wald, aber es gibt viel mehr Abwechslung beim Programm. Die Leute können eine ausgelassene Nacht haben, sie kann aber auch entspannt sein.

Können die Leute also länger bleiben, als sie es für ein Festival tun würden?
Die Leute können so lange bleiben, wie sie möchten. Ein paar Nächte oder ein paar Wochen. Wir ermutigen die Leute, mindestens eine Woche zu buchen, damit sie die ganze Erfahrung genießen können. Ein bisschen Musik hören, ein paar Gespräche führen, die Vorteile der Wellness-Aspekte genießen. Wir haben viele Leute dazu geholt, um mit uns zu arbeiten. Mit dem Well Garden haben wir zum Beispiel an vielen der Wellness-Sachen gearbeitet, sie haben Yoga-Lehrer mit einbezogen und bei der Meditation geholfen. Wir haben einen Musik-Background, also machen wir viele der Bookings, aber wir arbeiten auch mit den Künstlern selbst, um sicherzugehen, dass sie so viel wie möglich in die Zusammenstellung eingebunden sind.

Okay, aber wenn man zynisch ist, dann gibt es immer noch die Gefahr, dass ein unberührtes Stück Land durch das Projekt zerstört wird, oder?
Na ja, es ist keine einsame Insel, die noch nie von einem Menschen angefasst wurde. Sie hat diese großartige Geschichte und eine Infrastruktur gab es hier auch bereits. Von einem ökologischen Standpunkt aus würde ich in keine Insel reinpfuschen. Aber die Bäume, die es dort gibt, haben kein Problem mit menschlichem Kontakt. Die Insel wurde zuvor durch die Pfadfinder-Organisation genutzt. Sie hieß damals Insel der Jugend, also wurde ein Swimming Pool, Bungalows, ein großes Restaurant gebaut. Es gibt auch ein Amphitheater, das perfekt für Musik ist und in den 70ern von den Pfadfindern errichtet wurde.
Uns wurde vor Kurzem auch klar, dass der einzige Grund, warum die Insel mit Kiefern übersät ist, der ist, dass das Forstamt sie in den 50ern kurz nach dem Zweiten Weltkrieg dort gepflanzt hat. Da sie künstlich angelegt wurden und nicht durch Zufall gewachsen sind, gibt es bereits Pfade und Lichtungen zwischen den Bäumen.

Was ist euer langfristiger Plan, um diese Umgebung zu erhalten?
Wir wollen, dass es sozial, ökonomisch und ökologisch einen positiven Einfluss hat, was der Grund ist, warum wir Leute dazu geholt haben, die uns dabei helfen. Natürlich habe ich durch meinen Festival- und Club-Background nicht viel Erfahrung mit Nachhaltigkeit, also haben wir uns die Hilfe von Leuten geholt, die wissen, worüber sie sprechen. Es sind einige der Gründer des Eden-Projekts dabei. Brian Spooner, der Teil des Eden Lab ist, ist unser strategischer Entwicklungsmanager. Im Moment machen wir Studien zur Biodiversität, damit wir wirklich Daten darüber sammeln können, welche Auswirkungen unsere Arbeiten auf die Insel über fünf Jahre, zehn Jahre und so weiter haben werden.
Wenn du eine Möglichkeit wie diese bekommst—wir haben die Insel für 44 Jahre—dann willst du etwas zurückgeben, das einen positiven Einfluss hinterlässt. Der einzige Weg, das zu machen, ist, es nachhaltig zu gestalten.

Wenn man euren Background im Festivalbereich bedenkt, dann ist es fast überraschend, dass ihr euch so für Wellness und Yoga einsetzt.
Wir sehen uns selbst als Ergänzung der kroatischen Festivalszene. Ich denke, nachdem Leute auf einem Festival waren, sind sie ziemlich erschöpft, das gibt ihnen also die Möglichkeit, danach für vier Tage auf die Insel zu kommen, bevor sie wieder völlig fertig am Flughafen rumhängen. Wir denken, dass es die Festivalszene erweitern, aber auch eine Alternative zu ihr bieten wird.

Denkst du, es ist möglich, dass die Insel einige der Ideale erneuert, die Orte wie Ibiza verloren haben? Vielleicht sich mit der Schönheit des Ortes auseinanderzusetzen, anstatt sich einfach volllaufen zu lassen?
Genau, es geht darum, an diesem Ort zu sein und es zu genießen. Sich Bilder anzusehen ist eine Sache—dadurch bekommst du eine Vorstellung—,aber es ist nichts im Vergleich dazu, die Insel selbst zu sehen. Die Leute sind sofort absolut begeistert.

Wenn Kroatiens Status als „das neue Ibiza"—ein Label, das dem Land und seinen vielen Inseln in den letzten Jahren definitiv angeheftet wurde—irgendetwas bedeutet, dann müssen wir ein paar Lektionen aus dem ersten Mal lernen. Unsere rosarote Version der weißen Insel ist die eines balearischen Paradieses. In der Realität haben Auswirkungen des Tourismus sowohl sozial und kulturell als auch ökologisch gesehen viel Schaden angerichtet—wie es bei einem Touristenziel, das aus den spontanen Träumen von DJs entstanden ist, zu erwarten ist. Auch wenn einige Aspekte von Obonjan eher an eine Wellness- als an Partyinsel erinnern, scheint das Team dahinter die Weitsicht zu haben, ebenso in die Umwelt wie in die Line-ups zu investieren. Und mit diesem Hintergrund wird die Insel hoffentlich zu einem Ziel, das Leute noch lange besuchen wollen.

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