Anzeige
Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
Tech

Mit einer neuen App teilst du anonym 20 Tage deines Leben mit einem Fremden

Das MIT hat eine App entwickelt, die dich 20 Tage lang mit einem anonymen Fremden verbindet—und eine dezente gegenseitige Überwachung des Alltags erlaubt.

von Christine Kewitz
12 Mai 2014, 7:58am

Screenshot aus dem verführerischen Demovideo 20 Day Stranger

Das MIT hat eine App entwickelt, mit der du 20 Tage deines Lebens mit einem Unbekannten teilen kannst. Mit 20 Day Stranger werden dein heimlicher Voyeurismus und deine Spionagephantasien befriedigt—während du gleichzeitig eine andere anonyme Person in den Genuss des personifizierten NSA-Exhibitionismus kommen lässt.

Die App verbindet dich mit einem anonymen Unbekannten, dem die gleichen Schnappschüsse und Infos aus deinem Leben zugesendet werden, die auch du über ihn zu sehen bekommst. Du erfährst zwar nicht, um wen es sich handelt, wirst jedoch vermittelt bekommen, wie und wann er oder sie auf Toilette geht (und wo), sich etwas zu essen besorgt oder im Schwimmbad seine Bahnen krault. Und dein Gegenüber wird das selbe über deinen Alltag erfahren.

All diese Möglichkeiten und Features der App werden in einem Video der MIT-Initiative Playful Systems auf spielerisch-heitere Weise beworben, und die Schönheit eines parallel zusammengeschalteten Alltags per Split-Screen inszeniert:

20 Day Stranger from Playful Systems on Vimeo.

Auch wenn nur Basisdaten herausgegeben werden sollen, die dir eine generelle Idee über das Leben am anderen Ende der anonymen Direktverbindung vermitteln, so spricht die Idee doch die niedersten menschlichen Instinkte an. Und auch einer meiner ersten Gedanken war: Ach, wie prickelnd und aufregend so ein geheimes Schlüsselloch doch wäre. Hitchcock par excellence für den gelangweilten Großstädter. Das Video kann dir dein 20-tägiges Privat-NSA-Dasein so richtig schmackhaft machen.

Die App ist noch in der Betaphase und soll nur abstrakte Infos über den verlinkten Fremden weitergeben, wie z.B. „fährt Fahrrad", „am Hafen" oder „in der Nähe eines Flughafens." Laut Boston Herald ermittelt die Anwendung ihre Daten auf der Grundlage des Bewegungssensors des Telefons und der GPS-Daten der Nutzer.

„Wir können intime Momente mit jemandem teilen und mit jemandem ein Verhältnis entwickeln, den wir nicht kennen und niemals kennen lernen", sagte Tinsley Galyean, Vize-Direktor am Dalai Lama Center für Ethik und Transformative Werte am MIT (ein schöner Name für einen Arbeitsplatz übrigens). „Meistens ist es ziemlich profan, aber manchmal sind die Teilnehmer auch im Krankenhaus zu erleben."

Wenn du zu denjenigen gehörst, die es lieben auf Chatroulette die schnelle Nähe zu suchen, um zum Beispiel mit einem Drake-Imitator intim zu werden, dann ist vielleicht auch eine Dauerüberwachung als virtuelles Blind-Date mit „20 Day Stranger" genau das richtige für dich. Und wenn es nach den 20 Tagen etwas zu meckern gibt, dann habt ihr laut eines Testers immer noch die Chance am letzten Tag eine einzelne Nachricht an euren virtuellen Begleiter zu schicken.