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DIE SCHNITZEL UND STRUDEL AUSGABE

Fünf aktuelle Videospiele, die man gerade in Österreich kennen sollte

Wir haben Spiele von heimischen Entwicklern getestet. Und wie sehr sind Luftrausers bis Secrets of Raetikon verwandt mit unserer oft unterschätzten Alpenrepublik.
8.5.14

Es ist tatsächlich erstaunlich wie viele Österreicher mittlerweile an international namhaften Videospiel-Produktionen mitarbeiten. So werkeln Programmierer aus Wien an und iOS-Apps und -Games, unter anderen zum Beispiel Broken Rules mit ihrer genialen Ginkgo Engine an Wii-U-Spielen und Port-Adaptionen.

2005 gab es sogar fast ein ganzes Jahr lang Rockstar Vienna und nach der unschönen Schließung, hat Entwickler Tobias Sicheritz mit den Rockollegen das Studio Mi'pu'mi Games ins Leben gerufen. Von dort stammen Titel wie Anno fürs iPad und die Hitman: HD Trilogy. Und auch andereAlpenentwickler wie JoWood Entertainment, ClockStone Software und Nordic Games mischen mittlerweile nicht nur im Bereich der Indie-Games mit. Aber nun genug mit der grauslich patriotischen Selbstbeweihräucherung, schauen wir uns jetzt ein paar aktuelle, heimische Spiele an.

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Heil Läufer

Cure RunnersWas wie ein humanistisches Manifest klingt, das du für deine letzte Caritas-Spende als Sticker bekommen hast, ist eigentlich ein Handyspiel aus dem österreichischen Entwicklerhaus ovos. Es ist ein nettes Gratis-Game ohne Werbung und mit einfacher Steuerung. Angenehm, aber ziemlich zittrig in der Umsetzung, ruckelt das unmittelbare Spielverhalten mit einem Flair von Parkinson. Überall wurde das Handyspiel gelobt und verherrlicht. Von Der Standard über Ö3 bis hin zu den letzten, vom Aussterben bedrohten österreichischen Gaming-Seiten waren alle stolz auf Cure Runners wie Heinz Fischer auf unsere Olympia-Skispringerinnen. Der Titel wurde ein mobiles Borderlands genanntmit genialer Story und Cross-Genre-Elementen.

In Wirklichkeit sehe ich nicht mehr als ein wackeliges Jump’n’Slide mit übertriebenem Fokus auf ein unpraktisches Inventar und einen sehr bemüht mysteriösen Spannungsaufbau, der aber trotz globalen Luftverschmutzungsplots nicht den empfindlichsten Nerv kitzelt. Ist da etwa eine versteckte Öko-Message hineinverpackt? Das kann ich gar nicht leiden! Das den Touchscreen mit Fingergrind einfettende Gameplay wird schnell eintönig und das nette Artwork in den Cutscenes ist eben nur „nett“. Was bleibt, ist der alte und meiner Meinung nach unfair positiv-diskriminierende „Für österreichische Verhältnisse richtig toll“-Effekt. Das können wir besser!

Josef vergibt 2 von 5 Sprüngen in die Leere seines Desinteresses.

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Publisher: ovos
Platform: iOS, Android

Forked Up ist weder fucked up noch ein Wortwitz

Simuliert wird ja mittlerweile wirklich so gut wie alles am PC—von der Angelrute bis hin zum Sezierskalpell. Nur der Gabelstapler-Simulator hat noch gefehlt. Forked Up füllt uns diese Marktlücke! Erinnert ihr euch noch an die nervigen Forklift-Sequenzen bei fast jedem der letzten GTA-Teile? Jetzt haben sich zwei Oberösterreicher mit ihrem frisch gegründeten Linzer Label entschieden, das Prinzip zum eigenständigen Titel zu erheben. Aber wenn ihr nun gähnend aufgehört habt, weiterzulesen, versäumt ihr eines der unterhaltsamsten Geschicklichkeits-Racer-Games überhaupt!

Forked Up ist nicht fucked up, denn der Reiz liegt vor allem in der leistungsstarken Physik-Engine, die es ermöglicht, die aberwitzigsten Geschicklichkeitsprüfungen zu gestalten. Statt faden Kistengeschiebes in Form eines Shenmue-Minigames wird hier eine grandiose Knobelherausforderung kredenzt. Und als ob das nicht schon für einen sicheren Hit ausreichen würde, implantieren die zwei Programmierprofis einen Oculus Rift-Treiber für eine wirklich immersive Staplererfahrung. Forked Up hat deshalb bereits auf diversen Internet-Foren Aufmerksamkeit und Neugier erregt. Ich bin gespannt wie Gabelstaplerfahrer Klaus.

Nik vergibt 4 von 5 Erwartungspunkten, um nicht zu hoch zu stapeln.

Publisher: dunium games 
Platform: PC, Mac

Mystische Dreieckskunst

Inspiriert von der alpinen Landschaftsstruktur Österreichs schuf das Wiener Indie-Entwicklerstudio Broken Rules ein in mehreren Belangen einzigartiges Computerspiel namens Secrets of Raetikon. Wie schon bei deren Wii U Launchtitel Chasing Aurora— das ich damals sogar persönlich Beta-testen durfte—schlüpft der Spieler in die Rolle eines sagenumwobenen Vogels. Statt durch packende Luftkämpfe fordert Secrets of Raetikon mehr durch eine Fülle an Rätseln. Das mystisch Unbekannte steht im Mittelpunkt dieser riesigen, ästhetisch ansprechenden Polygon-Welt und stimuliert die Experimentierfreude.

Erinnerungen an Metroid (1986) werden wachgerüttelt, wobei bei Secrets of Raetikon weniger der Erwerb von neuen Fähigkeiten als vielmehr die geschickte Manipulation der Umgebungsgrafik im Vordergrund steht. So muss man beispielsweise durch geschicktes Herausbrechen von Steinfelsen eine Mure auslösen, die geheime Höhleneingänge freilegt. Der vom chinesischen Tangram-Design inspirierte Grafikstil verleiht dem Ganzen eine unverwechselbare Note und unterstreicht echt vorbildhaft den Forscherdrang des Spielers. Secrets of Raetikon ist im Steam Store um 9,90 Euro erhältlich und ein Must-Buy.

Nik vergibt 5 von 5 Flügelschlägen im Tangram-Style—Op Op Op Op Oppa.

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Publisher: Broken Rules 
Platform: PC, Mac, Linux

Die Lichtprinzessin ist zwar hübsch, aber enttäuscht mich trotzdem

Gut, ihr habt mich erwischt. Child of Light ist eigentlich von den international verstreuten Leuten von Ubisoft, spielt aber dafür in Österreich. Eine Prinzessin stirbt und erwacht in einer Unterwelt der märchenhaften Forstwirtschaft. Monster sind im rundenbasierenden Kampf zu vernichten, was echt keine Herausforderung darstellt und ansonsten nervt echt mieses Reimformat. Wenn das Spiel nicht so unglaublich hübsch wäre, hätte ich ihm es schon ein neues Popoloch gerissen. Und ein bisschen will man dann schon wissen, wie es mit dem toten Mädchen ausgeht. Vielleicht bist ja DU sogar die Lichtprinzessin? Das klingt jetzt wie ein Anmachspruch frühmorgens auf einem Goa-Fest nach einer Portion Schwammerl.

Josef vergibt 1 von 5 Enttäuschungen, da er nicht an Lichtwesen glaubt.

Publisher: Ubisoft
Platform: Xbox 360, PS3, PC, Xbox One, PS4, Wii U

Kuss und Schelte für die Luftnazis

Luftrausers ist auch nicht von Österreichern, sondern von Dänen und Texaner mit einem Faible für Nazistilistik. Aber das hatten wir schließlich auch einmal bei uns. An dieser Stelle teilen sich übrigens unsere Reviewer-Meinungen. Nik findet die Story und die Hintergedanken der Entwickler von Luftrausers eher frech, so im Sinne von „IN YOUR FACE, du abartiger Zocker, bist eh nur an Blut und Beuschel interessiert! Wozu eine Geschichte?!“. Ikonenhaft und völlig überzeichnet kämpft man in Luftwaffengestalt, was einfach unkommentiert bleibt. Das ist ein gutes Gegenbeispiel zu Secrets of Raetikon, dessen Team mit Mühe eine ausgefallene Hintergrundstory eingebaut hat. Das Wichtigste bei Luftrausers ist die Score-Jagd, die durch das Zufallsprinzip der fliegenden Gegnerangriffe etwas unkontrollierbar ist.

Josef wiederum küsst den Boden, auf dem die Leute von Devolver wandeln, da die sich seit Hotline Miami—der zweite Teil Wrong Number ist schon in Postproduktion—eigentlich alles erlauben können. Spielphysik, Soundtrack und Herausforderungslevel von Luftrausers sind wieder komplett süchtig machend, und dass man mal auf der Seite der Bösen spielt, stört in Videospielen ja seit Ewigkeiten nicht mehr. Von der Couch aus die Retro-Pünktchen am Plasmafernseher beim Dauerfeuer zu steuern, während die Freundin daneben gemütlich an der Dissertation arbeitet, ist Entspannung pur.

Josef vergibt unendlich viele von 5 Zeppelinzerstörungen und Nik vielleicht einen Schuss weniger.

Publisher: Devolver, Vlambeer 
Platform: PS3, PS Vita, PC, Mac, Linux

Josef auf Twitter: @theZeffo
Andranik auf Twitter: @schirmsprung