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Skulpturen

Diese Künstlerin steckt kaputte Gegenstände in Bienenstöcke—und die Bienen reparieren sie

Aganetha Dycks neueste Zusammenarbeit mit Bienen verdeutlicht die wechselseitige Abhängigkeit von Mensch und Natur.

von Anna Marks
01 Juni 2016, 3:50pm

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Peter Dyck

Die mit Honigwaben überzogenen Skulpturen könnten aus einem 3D-Drucker oder der Hand eines talentierten Bildhauers stammen—doch sie alle wurden von den tüchtigsten Designern der Welt erschaffen: Bienen. Hinter der Idee zu diesen mit Wachs überzogenen Gegenständen steckt die kanadische Künstlerin Aganetha Dyck. Sie kann über 20 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Imkern, Wissenschaftlern und Hunderten von fleißigen Bienen vorweisen—und das sieht man.

Dycks Arbeit spiegelt die heutige Entwicklung des Design wieder. Dank des technologischen Fortschritts können wir die Natur dahingehend manipulieren, dass wir sie als Werkzeug zur Erschaffung aufwändiger Kunstwerke einsetzen können. Dyck interessiert sich sehr für Sammelobjekte und Erinnerungsstücke, und ihre Faszination spiegelt sich auch in ihren Arbeiten wieder. In ihrer Sammlung von mit Honigwaben überzogenen Gegenständen finden sich Dinge wie Edwardianische Figuren, Helme, Schuhe und auch Sportgeräte, die alle aussehen, als gehörten sie in einen Raritätenladen.

Dyck erzählte The Creators Project: „Mein ganzes Leben lang habe ich mich für Figürchen und Sammlerstücke interessiert. Ich machte mir über Staub und das Entstauben der Figuren und der Glasvitrinen Gedanken, in denen noch mehr dieser unantastbaren Gegenstände ruhten. Als Kind und auch später als Erwachsene waren diese Sammlerstücke für mich unerreichbar.“ Die Wahl der Gegenstände hat aber auch einen politischen Hintergrund. „Mit Sportgeräten reagiere ich auf die in den Medien diskutierte Bedeutung des Sports und die öffentlichen Mittel, die dafür zur Verfügung gestellt werden. Das steht oft in einem krassen Kontrast zur Bedeutung von Künstlern und Kulturarbeitern und ihrer öffentlichen Finanzierung.“ Indem sie Objekte auswählt, mit denen die Leute etwas anfangen können, untersucht sie die Beziehung zwischen der Natur und der Menschheit; die gegenseitige Dependenz zwischen uns und unterschiedlichen Arten, von der für uns Menschen im Grunde genommen sehr viel abhängt. Dycks Skulpturen sind visuelle Sinnbilder für diese wechselseitige Kommunikation und Abhängigkeit.   

Dyck wählt ganz bewusst die kaputten Objekte aus Second-Hand-Läden. Anschließend deckt sie ganz bestimmte Stellen der Stücke ab, um die Bienen anzulocken, bevor sie sie in den Bienenstock legt. Die Künstlerin erklärt, dass Honigbienen sehr auf Details achten, während sie die kaputten Teile mit ihren Wabenlagen „reparieren“. Sie sagt: „Während der Arbeit mit Honigbienen habe ich viel über ihre Bauweise und ihre Fähigkeit, Risse und Spalten am Bienenstock mit Honigwaben, Wachs und Bienenharz auszubessern, erfahren. Da dachte ich an die vielen kaputten Figürchen aus Antiquitäts- und Second-Hand-Läden. Ich wusste, dass Honigbienen Meister im Reparieren sind und entschied, ihnen die Auswahl an kaputten, verstoßenen Figürchen zu überlassen. Sobald die Bienen die Gegenstände ausgebessert hatten, wurden die Figuren plötzlich wieder zu Sammelobjekten. Das überraschte mich.“

Diese besondere Reparatur-Methode erfordert viel Geduld und Verständnis der Bienen, so Dyck gegenüber The Creators Project. „Ich bin so geduldig, weil ich weiß, dass die Hongbienen ihre eigene Routine haben; man darf sie nicht länger als notwendig stören, nie länger als ein paar Minuten.“ Die Kunstwerke sollen den Betrachter dazu anregen, über den westlichen Lebensstil nachzudenken; wie schnell wir Dinge wegschmeißen, ohne überhaupt zu überlegen, ob wir sie vielleicht reparieren könnten, weil wir dazu einfach zu ungeduldig sind. 

Dyck legt mit ihrer Arbeit den Fokus auf die Natur, die wir allzu oft als selbstverständlich betrachten. Das Projekt der Künstlerin hilft uns dabei, zu verstehen, wie wichtig Bestäuber sind. Sie sind unabdingbar für das Pflanzenwachstum und somit auch für die Nahrungsversorgung der stetig wachsenden Weltbevölkerung. Dyck lässt und mit dem folgenden Gedankengang zurück: „Es scheint, als bräuchte der Mensch noch Zeit, um zu verstehen, dass es Umweltprobleme gibt, für die wir verantwortlich sind. Die Grundfrage, die ich den Leuten stelle, lautet: Was wären die Folge für alle Lebewesen, wenn es ab morgen keine Bienen mehr auf der Welt gäbe?“

Hier erfahrt ihr mehr über Dycks Arbeit.