Reproduktive Gesundheit

Das Schwierigste an einer Sterilisation? Einen Arzt zu finden, der dich ernst nimmt

Ich wusste schon ziemlich früh, dass ich keine Kinder möchte. Es dauerte 13 Jahre, bis man es mir glaubte.
16.8.17
Illustration: Vivian Shih

Ich war 29, Single und kinderlos, als ich das erste Mal um eine Sterilisation bat. Mein Arzt verzog kurz den Mund und wischte mein Anliegen beiseite. Bestimmt würde ich doch noch Kinder wollen, wenn ich erst einmal älter und reifer sei, versicherte er mir. Mitte 30 ging ich mit derselben Bitte zu einer Ärztin. Sie empfahl mir, lieber nach Hause zu gehen und meine Gebärfähigkeit mit meinem Mann oder Freund zu besprechen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt weder das Eine, noch das Andere.

Anzeige

Schon fast mein gesamtes Leben als Erwachsene wünsche ich mir, sterilisiert zu werden. Es dauerte fast anderthalb Jahrzehnte, bis jemand mich ernst nahm. Vor ein paar Wochen hatte ich – 42 Jahre alt, Single und immer noch kinderlos – endlich eine Eileiterdurchtrennung per Bauchspiegelung.

Mehr lesen: Warum haben so viele Männer Angst vor einer Vasektomie?

Theoretisch hätte ich diese Operation auf meinen Wunsch hin sofort bekommen müssen. Es gibt kein Gesetz, dass es einer Frau verbietet, sich freiwillig sterilisieren zu lassen. In den USA, wo ich lebe, wird die Sterilisation oft zur Verhütung eingesetzt. Aber in der Praxis war es ein wahrer Kampf. Die Ärzte, die sich weigerten, den Eingriff durchzuführen, erzählten dasselbe wie meine Freunde und Verwandten. Sie alle gingen davon aus, dass ich lediglich aus mangelnder Reife behauptete, keine Kinder zu wollen. Dreizehn Jahre lang durfte ich mir anhören, ich solle nichts überstürzen, ich würde es später bereuen. Meist servierten sie mir diese Weisheiten auf herablassende, gönnerhafte Art. Ich solle doch erst einmal das Glück erfahren, ein oder zwei Kinder zur Welt zu bringen, und dann könne ich genauso gut meinen Mann zu einer Vasektomie überreden. Immerhin hätte ich dann ja Großes geleistet.

Die Wahrheit ist: Ich wollte noch nie Kinder haben. Als ich jünger war, erklärte mir eine Tante, der Wunsch werde schon noch kommen, wenn ich die richtige Person träfe. Vielleicht ist da ja etwas dran. Ich hatte allerdings schon viele Partner, die großartige Väter abgegeben hätten. Ich war sogar mit einem Mann verheiratet, der sich für eine lange Bilderbuchehe mit zwei Kindern und Doppelgarage geeignet hätte. Aber so ein Leben interessierte mich eben nicht und letztendlich ließen wir uns scheiden. Bisher habe ich es nicht bereut.

Es war, als wäre ich nach all den Jahren auf den Heiligen Gral gestoßen: einen Arzt, der mir zuhört, und der bereit ist, mich zu sterilisieren.

Den Großteil meines sexuell aktiven Lebens habe ich mich damit herumgeschlagen, eine Verhütungsmethode zu finden, die nicht ständiges Unbehagen oder Schmerzen auslöst. Von der Pille kriege ich einen Haufen negativer Nebenwirkungen: tägliche Kopfschmerzen, manchmal Migräne, durchgehende Magenverstimmung, eine längere und unregelmäßige Regelblutung, Stimmungsschwankungen. Man hat mir gesagt, mein Muttermund sei für eine Spirale zu klein (ein Arzt sagte, er habe "den Durchmesser eines Nadelstichs"). Da ich auf Hormone so empfindlich reagiere, kommt ein Implantat auch nicht infrage. Die Eileiterdurchtrennung erschien mir schon immer wie eine vernünftige Lösung, ganz ohne Hormone und dauerhaft. Doch lange Zeit konnte ich keinen Arzt und keine Ärztin finden, die das auch so sahen.

Als ich diesen Februar bei einem Abstrich ein auffälliges Ergebnis hatte, machte ich einen Termin bei einem angesehenen Gynäkologen in meiner Stadt. Ich hatte schon gar keine Hoffnung auf Verständnis und erzählte einfach nur, ich würde eine dauerhafte, hormonfreie Verhütungsmethode suchen. Er sagte: "Sie könnten ein Implantat ausprobieren, aber das sind eben auch wieder Hormone – oder Sie lassen sich sterilisieren. Das ist dann permanent, aber es wäre eine Option für Sie." Ich verließ die Praxis mit einem Hochgefühl. Es war, als wäre ich nach all den Jahren auf den Heiligen Gral gestoßen: einen Arzt, der mir zuhört, und der bereit ist, mich zu sterilisieren.


Mehr von Broadly: Lohnt es sich, seine Eizellen einfrieren zu lassen?


Einen Monat später hatte ich einen zweiten Termin und sagte ihm, dass ich die Eileiter-OP wolle. Er wirkte zwar überrascht, erklärte mir aber ruhig die Details zu dem Eingriff. Er fragte nicht, ob ich mit meinem Partner darüber gesprochen hätte. Er sagte nicht, ich solle noch einmal nach Hause gehen und gut überlegen. Stattdessen ging er sicher, dass mir klar war, dass es sich um einen irreversiblen Eingriff handelt, und gab mir eine Einverständniserklärung zum Lesen und Unterzeichnen. In anderen Worten: Er behandelte mich wie eine erwachsene, mündige Person.

Meine Krankenkasse genehmigte den Eingriff innerhalb einer Woche. Dann gab es eine Voruntersuchung und einen EKG, außerdem wurde meine Brust geröntgt und mein Blut getestet. Das Gespräch mit meiner Mutter war das Schwierigste, denn sie ist fest davon überzeugt, dass die wichtigste Berufung einer jeden Frau die Mutterschaft ist. Ich beschloss, es ganz zwanglos zu machen, während wir zusammen auf dem Sofa hockten und uns über die Telenovelas lustig machten, die wir immer zusammen gucken. "Das Ergebnis des zweiten Abstrichs war in Ordnung", sagte ich möglichst beiläufig. "Ich überlege, mich sterilisieren zu lassen."

"Ich habe 13 Jahre, viele Ärzte und ein paar schlechte Abstrich-Ergebnisse gebraucht, um an diesen Punkt zu gelangen. Ich bin mir sicher."

Und dann kam die große Überraschung: Sie verkraftete es ziemlich gut. Meine Mutter seufzte und meinte, da ich mir ohnehin nie Kinder gewünscht hätte, sei nun ein guter Zeitpunkt dafür. Der Eingriff sei nicht so invasiv und recht risikoarm und die Krankenkasse zahle ihn ja. Wenn ich mich als alleinstehende Person zu so einem Eingriff entscheiden würde, sei das für sie in Ordnung. Dann zögerte meine Mutter: Ich sei doch wirklich Single und es sei doch wirklich meine eigene Entscheidung, oder?

Die Sorge meiner Mutter war nicht unbegründet. Es gibt eine lange, grausame Geschichte der Zwangssterilisierung. 1927 urteilte der Oberste Gerichtshof der USA, der Staat habe aus Gründen der Eugenik das Recht, Männer und Frauen gegen ihren Willen zu sterilisieren. Laut Alexandra Stern, einer Expertin für die Geschichte der Eugenik, sterilisierten kalifornische Ärzte Mitte des 20. Jahrhunderts etwa 20.000 Menschen.

Anzeige

Die meisten Opfer waren Patienten, die als sexuell auffällig oder promiskuitiv galten, sowie Kinder aus mexikanischen, japanischen und italienischen Migrantenfamilien, deren Eltern zu arm waren, um sie zu ernähren. In den 1960ern und 70ern zwang das LAC+USC Medical Center in Los Angeles Mexikanerinnen und mexikanischstämmige US-Bürgerinnen, die einen Notkaiserschnitt brauchten, im Vorfeld in ihre Sterilisation einzuwilligen. Erst diesen Juli erntete ein Richter aus dem US-Bundesstaat Tennessee heftige Kritik, weil er Häftlingen eine Strafmilderung von 30 Tagen anbot, wenn sie sich für eine Vasektomie oder ein Hormonimplantat entschieden (die Regelung wurde daraufhin abgeschafft).

Foto: imago | Westend61

Als mexikanischstämmige Amerikanerin weiß ich also, dass ich historisch gesehen eine Ausnahme bin, weil ich mir den Eingriff tatsächlich gewünscht habe. Selbst unter den Frauen, die sich freiwillig für die Eileiter-OP entscheiden, bin ich eine Ausnahme: Laut der Gesundheitsbehörde CDC wählen nur 1,7 Prozent der betroffenen Frauen in den USA den Eingriff, weil sie keine Kinder wollen und mit anderen Verhütungsmethoden nicht zurechtkommen.

Vor zwei Wochen, am Abend vor meiner Operation, sah ich mir diese Statistik noch einmal an und spürte einen leisen Zweifel. Die Vorstellung, ein Kind großzuziehen, fand ich schon immer langweilig, aber eigentlich wäre ich dazu jetzt gut in der Lage: Mein Arbeitgeber ist kinderfreundlich und mit ein paar Einschnitten könnte ich mir ein Baby auch "leisten". Meine Schwestern und meine Mutter haben mir immer wieder versichert, dass sie mir mit meinem Sohn oder meiner Tochter helfen würden, wo es nur geht. Für diese Umstände sollte ich dankbar sein, doch als ich im Bett lag und mir vorstellte, eine Schwangerschaft durchzumachen und ein Kind zu erziehen, drehte sich mir der Magen um und meine Kehle schnürte sich zu. Ich liebe meine Neffen und Nichten, aber Mutter sein will ich nicht. Beim Einschlafen dachte ich: "Ich habe 13 Jahre, viele Ärzte und ein paar schlechte Abstrich-Ergebnisse gebraucht, um an diesen Punkt zu gelangen. Ich bin mir sicher."

"Ich verspüre inzwischen weder Reue noch Freude, sondern einfach nur Sicherheit."

Meine Operation verzögerte sich letztendlich um mehr als eine Stunde, weil der Arzt bei einer Geburt gebraucht wurde. Das erzählte mir eine Krankenpflegerin, während sie eine Wärmedecke über mich breitete und mir einen Tropf legte. Ich lag eingehüllt im Krankenbett und dachte an die Frau, die ein paar Stockwerke über mir ein Kind zur Welt brachte. Ich wünschte ihr alles Gute und hoffte, dass sie ihr Baby in den besten Umständen bekam, so wie ich meinen Eingriff. Ich war dabei wegzudösen, als mein Arzt ins Zimmer kam und fragte, ob ich bereit sei und weiter zu meiner Entscheidung stünde. Ich sagte Ja und wurde in den OP-Saal geschoben.

Eine Eileiterdurchtrennung ist ein einfacher Eingriff: Der Chirurg oder die Chirurgin macht ein, zwei kleine Schnitte in den Bauch der Patientin und pumpt Gas in die Bauchhöhle, damit Gebärmutter und Eileiter gut sichtbar werden. Dann wird eine winzige Kamera in den Bauch eingeführt und die Eileiter werden durchtrennt. Hinterher werden sie verödet oder abgeklemmt. Dann kommt die Kamera wieder raus und der Arzt vernäht die Einschnitte. Fertig.

Mehr lesen: Wie sexistische Medizin Frauenleben gefährdet

Ich weiß nicht, ob mein Arzt denn nun verödet oder abgeklemmt hat; danach habe ich gar nicht gefragt. Zwei Stunden nach dem 30-minütigen Eingriff kam ich benommen und glücklich zu mir. Mein Bauch und mein Bauchnabel taten weh, aber darauf hatte mich die Krankenschwester schon vorbereitet. Sie versicherte mir, dass die Schmerzen nicht schlimmer werden würden und die folgenden Tage gaben ihr Recht.

Nach einer Woche erinnerten nur noch die Wundnaht und der fünf Zentimeter lange blaue Fleck unter meinem Bauchnabel an die Operation. Dreizehn Jahre sind eine lange Bedenkzeit und ich war mir sehr sicher. Ich verspüre inzwischen weder Reue noch Freude, sondern einfach nur ein anhaltendes, beruhigendes Gefühl der Sicherheit. Es war meine Entscheidung, steril zu sein. Jetzt bin ich es.

Folgt Broadly bei Facebook, Twitter und Instagram.