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schwarmfinanzierung im profifußball

Rapid-Wien-Fans sammeln Rekordsumme für neues Stadion

Nach einem Monat hat der Verein das angesetzte Crowdfunding-Ziel für das neue Rapid-Stadion ​schon fast verdoppelt. Das System der Schwarmfinanzierung ist im Fußball noch neu, aber hat riesiges Potenzial.
18.12.15

Der österreichische Erstligist Rapid Wien baut seit Ende 2014 seine neue Heimstätte, das Allianz Stadion. Bei der Finanzierung der zwischen 50 und 60 Millionen Euro teuren Spielstätte geht der Rekordmeister eher ungewöhnliche Wege und sammelt unter anderem Geld per Crowdfunding. Nach etwa fast einem Monat hat das Projekt "InvesTOR"1.968.500 Euro gesammelt und kratzt an der 2-Millionen-Marke. Noch nie wurde auf einer österreichischen Crowdinvesting-Plattform eine höhere Summe eingesammelt.

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Die Geldgeber sind vor allem treue Fans: Über 1000 Personen zahlten in dieses Ivestitionsmodell ein, was ihnen neben der vollen Rückzahlung aller geleisteten Beträge auch Zinsen garantiert. Der Verein, der bis zur Einweihung im Sommer 2016 noch auf das Ernst-Happel-Stadion ausweichen muss, kann sich voll und ganz auf die eigenen Fans verlassen. „Wir Rapidler brechen auch im Crowdinvesting Rekorde, weil wir alle an einem Strang ziehen", sagte Klub-Präsident Michael Krammer. „Dass wir unser eigentliches Ziel von einer Million Euro schon knapp eine Woche nach der Präsentation erreicht haben, ist sensationell."

Das grün-weiße #Crowdinvesting #RapidInvesTOR schrammt an der 2-Millionen-Euro-Grenze - https://t.co/6KhjLDKa1H #scr2015 #crowdfunding
— SK Rapid Wien (@skrapid) 18. Dezember 2015

Die Schwarmfinanzierung ist vor allem im Profifußball eine lukrative Möglichkeit an Geld zu kommen. Treue Fans gibt es bei den meist klammen Vereinen genug und der Wille den geliebten Klub finanziell zu unterstützen, ist gerade bei emotional an den Verein gebundenen Fans gegeben. Ein zusätzlicher Erfolgsfaktor: Das Modell mit einzelnen Großinvestoren stößt bei vielen Fans auf Ablehnung. Durch das Crowdfunding-Modell bleibt der Verein in der Hand der Anhänger und ist nicht von einem Geldgeber abhängig. Die Anhänger können sowohl den Verein unterstützen, als auch Zinsen einstreichen. Noch versuchen dieses Modell vergleichbar wenige Klubs, einige Beispiele zeigen aber, wie gut es funktionieren kann.

Der verschuldete VfL Osnabrück kämpfte schon zwei Mal um die Lizenz in der dritten Liga. Geld musste her. Und der kleine Verein bewies als erster Klub im deutschen Profifußball, dass man mit Hilfe von Crowdfunding bei seinen Fans durchaus große Summen in kurzer Zeit akquirieren kann. Im Frühsommer 2014 wurden 516.000 Euro gesammelt um die vom DFB geforderte Liquiditätsreserve zu sichern. Ein Jahr später brauchte man wieder Geld: Fast 90 Prozent verlängerten ihr Darlehen und es blieben 458.000 Euro übrig. Alle anderen Fans wurden mit Zinsen ausgezahlt—eine Win-Win-Situation. Der Verein rettete durch Crowfunding ein weiteres Mal den Spielbetrieb.

Auch in Spanien sicherte sich der Verein SD Eibar durch Crowfunding den Spielbetrieb nachdem der Verein aus dem baskischen 30.000-Seelen-Örtchen plötzlich in die erste spanischen Liga aufstieg. Anders als die überschuldeten Vereine in der ersten und zweiten Liga, musste der gesunde SD Eibar statt bisher 422.000 Euro nach spanischen Gesetzen mehr als 2,1 Millionen Euro an Kapital aufweisen. Ansonsten drohte der Zwangsabstieg in die dritte Liga. Ein Verkauf an einen Investor kam für die stolzen Basken nicht in Frage. Die Region hielt zusammen und 46.200 Aktien wurden von Einzelpersonen, Belegschaften, Kneipen oder Geschäften gekauft und der Verein erreichte die Höchstsumme von 1.980.000 Euro. Aktien für den baskischen Mini-Klub kauften Fans aus 50 Ländern—auch aus Deutschland. Das Crowdfunding-Modell könnte also auch hier einigen Vereinen weiterhelfen…