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Archäologe knackt Rätsel um Pyramidenbau mit Gartenexperiment

Wie konnten die Ägypter Pyramiden so bauen, dass sie fast perfekt nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind? Ein Archäologe hat jetzt vielleicht die Antwort gefunden. Sein Werkzeug? Ein Stock.

von Dennis Kogel
21 Februar 2018, 1:43pm

Pyramiden von Gizeh | Bild: imago

Das Erstaunliche an den Pyramiden von Gizeh sind nicht nur ihre gewaltige Größe oder ihre versteckten Grabkammern: Es ist auch ihre Ausrichtung. Jede der vier Seiten ist, bis auf wenige Grade, exakt nach den Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden und Westen ausgerichtet. Nur leichte Verschiebungen gegen den Uhrzeigersinn trennen sie von der Perfektion. Für viele Archäologen und Ägyptologen ist das seit langem ein Rätsel: Wie soll diese Präzisionsarbeit möglich gewesen sein, ohne Kameradrohnen, moderne Technik, Messinstrumente und Blaupausen? Ein Forscher hat jetzt eine mögliche Antwort gefunden, die bisher ignoriert wurde.

Die ägyptische Methode

Glen Dash ist ehemaliger Spieleentwickler, Anwalt, Ingenieur, Berater – und Archäologe. Seit 1996 erforscht er mit der "Glen Dash Foundation for Archeological Research" die Antike mit speziellen Radar- und Sensormethoden. Doch seine bisherigen technischen Ansätze waren nutzlos bei der Beantwortung der Frage, warum die Pyramiden so erstaunlich akkurat ausgerichtet sind.

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Bis er auf eine neue Methode gestoßen ist. Alles, was Dash gebraucht hat, war das, was auch die alten Ägypter nutzen konnten: ein paar Holzbretter, einen Faden und einen Stock, den er in den Sand steckte. Damit musste er das Sonnenlicht an zwei ganz bestimmten Tagen, den Äquinoktien oder Tagundnachtgleichen, beobachten. Es sind – der Name verrät es schon – die Tage, an denen Tag und Nacht gleich lange dauern.

So funktioniert die Methode, die Dash in einem Forschungsbericht beschreibt: Die ägyptischen Ingenieure stecken während der Tagundnachtgleiche einen Stock – auch Gnomon genannt – in den Boden. Der Schatten, den der Stock wirft, wird sich an diesen Tagen in einer geraden Linie von Osten nach Westen ausbreiten. Die Baumeister markieren diese Schattenlinie nun etwa mit einem Faden. Damit wird es ein Leichtes, Norden und Süden zu bestimmen, denn Norden und Süden befinden sich im rechten Winkel zum ausgelegten Faden.

Bereits 1989 vermutete der US-Archäologe Martin Isler, dass die Ägypter die Sonne und einen Gnomon benutzt haben, um die Ausrichtung der Pyramiden zu bestimmen. Nur auf das entscheidende Element der Tagundnachtgleiche kam Isler nicht. Seine Methode wird auch als "Indischer Kreis" bezeichnet, denn laut Isler wurde sie von Architekten auf dem indischen Subkontinent eingesetzt. Beim "Indischen Kreis" benutzt man einen Gnomon und die Sonne, um eine hyperbelförmige Schattenbahn zwischen Osten und Westen zu zeichnen. Das ist nützlich, um sich auch ohne Kompass orientieren zu können, möglicherweise aber nicht präzise genug, um allein damit die Genauigkeit der Pyramidenausrichtung erklären zu können.

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Um herauszufinden, ob die Messungen wirklich am Äquinoktium stattfinden konnten, benutzte Dash eine ziemlich simple Methode. Er baute den Versuch einfach in seinem Garten nach: mit einem Stock, ein paar Brettern, auf denen der Schatten entlangläuft, und einem Stift zum Markieren. Am 22. September 2016 begann Dash dann um acht Uhr morgens das Pyramiden-Experiment in seinem Garten in Connecticut. "Am Ende des Tages hatte ich vier Punkte markiert", schreibt Dash in seinem Forschungspapier, "zwei im Osten und zwei Westen."

Ein paar Holzplatten, ein Stock und Messgeräte: Alles, was Glen Desh gebraucht hat, um seinen Versuch durchzuführen. | Bild: Glen Dash

Dash benutzt die Linie als Ursprung, um durch einige Berechnungen exakt Norden und Süden zu bestimmen – und findet doch noch eine Besonderheit, die wichtig werden sollte. "Die beiden Linien zeigen eine leichte Rotation gegen den Uhrzeigersinn, weg von den vier Kardinalpunkten", schreibt Dash. "Das war zu erwarten", denn die Erde bewege sich natürlich auch und lässt den Schattenwurf an Genauigkeit verlieren. Doch genau diese leichte Ungenauigkeit findet sich in sehr ähnlicher Form wieder bei den größten Pyramiden Ägyptens, deren Seiten fast präzise nach den Kardinalpunkten ausgerichtet wären – gebe es da nicht die leichte Rotation gegen den Uhrzeigersinn.


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Das Gartenexperiment in Connecticut produziere also "Ergebnisse, die der tatsächlichen Ausrichtung der größten Pyramiden entspricht", schreibt Dash. Ob die Pyramiden tatsächlich so gebaut wurden, wie Dash vermutet, werden wir wohl nie erfahren. Die Baumeister der Pyramiden haben keine Pläne und keine Schriften hinterlassen, die dieses Rätsel der Forschung eindeutig klären könnten.

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