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Der KKK-Kinderkanal

6.8.10

Die Andrew Marr Show stammt wohl direkt aus der Hölle und in dieser Hölle gibt es nur weiße Rassisten.  Oder was denkt ihr, woher etwas stammt, in dem ein Kind aus dem Ku Klux Klan einem Tips gibt, wie man Farbige hasst. Das ist die Apokalypse.

Andrew Pendergraft

In der The Andrew Show führt der zehn Jahre alte Andrew Pendergraft seine Gaben vor. Andrews Mutter Rachel Pendergraft ist die Tochter von Thomas Robb, dem "nationalen Direktor" des Klans, der Ausdruck "Grand Wizard" ist während der Umbenennung von Marken in den 90ern vom Erdboden verschwunden, in etwa so wie aus BP Beyond Petroleum wurde oder Philip Morris sich auf einmal Aaliyah nannte. Rachel und ihre Familie haben es auf sich genommen, die Online-Berichterstattung für den Ku-Klux-Klan zu machen, indem sie ihren eigenen Internet-TV-Sender etabliert haben. Der KKK-Kinder-Fernsehkanal (KKKKTV?) ist im Wesentlichen ein Raumschiff, aus dem der junge Andrew über seine Lieblingsthemen und die eines jeden Kindes referieren kann: GI Joe, Pferde, die Tücken der Rassenvermischung und so weiter. Das macht er vom Schreibtisch aus, während hinter ihm ein paar einfache BlueScreens 1995-Screensaver unscharf flimmern lassen - das bizarrste ist das mit der Schneeszene, die auf einer körnigen Techno-Leinwand wiedergegeben wird, so dass du nur auf ein aufblinkendes Fenster wartest, dass dir sagt, dass du eine Ladung Gratis-Smileys gewonnen hast und dafür deine Kreditkartendaten eingeben musst.

Rachel Pendergraft

Seine Grübeleien fußen oft auf einen Film, den er kürzlich gesehen hat. In GI Joe zum Beipiel kam zum Beispiel in Andrews Worten "eine schwarze Frau, die einen weißen Mann küsst." vor. Er bezeichnet das als schlecht, weil es "bald keine Weißen mehr geben wird." Kochen gehört auch zu seinen Aktivitäten. Er berichtet darüber, wie man Zuckerguss macht, bevor er den Abschuss liefert: "Und wenn du verschiedene Farben in den Guss rührst, wird es nie wieder zur ursprünglichen Farbe. Das ist ziemlich ganau so, wie wenn du Rassen vermischst… Hast du von der Sendung Sixteen gehört? Da werden Rassen gemischt… einer von denen ist schwarz, einer weiß, einer Mexikaner." Blablabla usw. Selbst aus einer Gesellschaftsschicht, die so uninteressant ist wie  die der Kinder, schließt sich Andrew mithilfe seiner schlaffen Geistesarmut aus. Oder noch schlimmer: Er macht sich selbst zu einer Art Autorität in Sachen der Rassenvermischung, nur liefert er leider keine Gebrauchsanweisung für die reale Welt. Denn was macht man, wenn sich ein Afrikaner  am Telefon verwählt hat und du ihn am Hörer hast? Oder dir ein russischer Klempner mit Dreadlocks für einen billigen Preis deinen Boiler aufrüsten würde? Das sind Situationen aus dem echten Leben, denen wir alle ausgesetzt sind und die Andrew nicht in seine simplizistische Ansichten passen.

Eine Nacht unterwegs mit den Pendergrafts

In einer Episode wird Andrew von seinem Freund Alex begleitet, ein Rotschopf, der ohne Zweifel noch nie ein Video von MIA gesehen hat. Alex ist ein energiereicherer, fernsehwirksamerer Bengel. Alex: "Es wäre sehr schade, wenn es in hundert Jahren keine weißen Kinder mehr geben würde." Andrew: "Also mischt keine Rassen. Bleib weiß und stolz drauf." darauf folgt immer eine Art Abspann-Musik, die den gleichen Slap-Bass-Funk-Pop hat wie die Melodie von Seinfeld. Gewiss, man muss nur die Augen schließen und man kann sich vorstellen, das Andrews hassvollen Neigungen ganz einfach ein Abklatsch von Jerrys Monolog über Trockenreinigung ist. "Was ist das Tolle daran, Rassen zu vermischen… Ich verstehe es nicht… in New York… und was geht mit dieser Spezialflüssigkeit, die man zur chemischen Reinigung benutzt? Ba-ba-da-bip-bang-bong!”

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Manchmal fehlen Andrews generell (gnädigerweise) kurz gefassten Bulletins jede Begründung, warum er Ausflüge macht. Er landet in der Kirche, wo er einen bärtigen fetten Mann trifft, der ihn gnadenlos anödet, indem er über die Kirche redet. "Kann hier jede Art von Mensch rein?", fragt Andrew. Nein, lässt er sich belehren. Eine Beweihräucherung der Kirche der Weißen. "Wir hassen niemanden. Wir laden alle unsere weißen Brüder und Schwestern ein bei uns mitzumachen." Nun ist Andrew dran, letzten Endes den Vogel abzuschießen, er dreht sich zur Kamera: "Das ist für weiße Leute ein schöner Platz in Indiana um herzukommen." Der gleiche fette bärtige Arier taucht ein paar Folgen später wieder auf. Diesmal sind es Pferde, über die er ewig schwadronieren will. Eine Nachricht an die Produzenten der Show: Kevin Smith-Lookalikes waren 2003 mal in.

Niemand würde wagen zu behaupten, dass der Klan zurückgeblieben ist, denoch es gibt auch einen Hinweis in all diesen Videos, wie man sich das Interview überhaupt ansehen kann: "Klickt auf den obigen Pfeil und wartet, bis die Sendung beginnt, um die Show anzusehen. Wenn die Show spielt, kann die Wiedergabe auch gelegentlich ruckeln, wenn das Internet nicht drauf klarkommt. Denk dran, wenn auf Pause drückst, kannst du die Seite immer minimieren und dir andere Seiten ansehen, während du das Video zehn Minuten laden lässt."

Shelby Pendergraft

Am Ende ist Andrew aber nur ein rotziger kleiner Handlanger. Für die etwas älteren gibt es auch eine Version, Youth Focus, mit seiner Schwester Shely Pendergraft "von der Band Heritage Connection." Bei Shelby geht auch BlueScreen-Zauberei im Hintergrund vor sich, nur hat sie um den kognitiven Anspruch zu demonstrieren einen Haufen Bücher hinter sich projiziert.

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Shelby konzentriert sich auf Zeitschriftenartikel, die sie nicht mag. Sie befindet sich in dem sensiblen Alter, in dem sie darüber hinweg kommen muss, dass sie kürzlich bewiesenermaßen von der Welt da draußen in ihren Glaubensstrukturen erschüttert wurde. Da dies leider so ziemlich alles beinhaltet, was seit 1950 passiert ist, geht es ihr wie einem Mann mit Ballonfüßen, der durch eine Welt voller Stecknadeln gehen muss. Soeben liest sie aus "Wigger Please" einen Zeitschriftenartikel über die Bildung von "schwarzen Engländern" in HIghschools. Sie scheint sich vor lauter Empörung die großen salzigen Tränen zurückzuhalten. "Was sie tun sollten," flennt sie, "ist es den Schwarzen beizubringen, wie man richtig miteinander umgeht."

Gelegentlich ist ihre Mutter mit ein paar besinnlichen moralischen Ratschlägen dabei. Zum Beispiel diskutieren sie über einen artikel, der sich mit einem Aufstand befasst, der ausbrauch, nachdem ein rassengemischten Theaterstück über AIDS, Rent, abgesetzt wurde.

Mutter: "Lass mich dich was fragen. Kümmert es die Leute, die du kennst, wenn eine Aufführung verboten wird?"

Shelby: "Nein."

Mutter: "Siehst du, so kann dich der Journalismus betrügen. Es gab wahrscheinlich einige Leute, denen das nichts ausmachte. Und viele, die eigentlich glücklich darüber waren, dass es abgesetzt wurde."

Die Mutter legt ihren Töchtern dann nahe, Schwule vorzugsweise gar nicht anzusprechen. "Die Homosexuellen an unserer Highschool wichen von der sexuellen Norm ab, doch für niemanden war es eine große Sache, nicht mit ihnen abzuhängen." Es muss toll sein, eine coole Mama zu haben, die so cool ist wie sie. Meine Mutter würde mir nie erzählen, wie sie die Homosexuellen an ihrer Highschool genannt haben. Sie sprach nur weiterhin davon, dass AIDS von Männern käme, die Sex mit Affen hätten.