Anzeige
Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
tech

Wie du dich am besten vor dem Überwachungsstaat versteckst

Da es ja langsam kein Geheimnis mehr ist, dass der Staat einfach auf deine digitalen Daten zugreifen kann, haben wir hier ein paar Tips für dich, wie du dich vor Big Brother am besten schützen kannst.

von Daniel Stuckey
11 Juni 2013, 3:55pm


Foto via Flickr

Am Sonntag hat der Guardian eine eigentlich geheime Karte des amerikanischen Geheimdienstes National Security Agency veröffentlicht, auf der zu erkennen ist, dass Daten von Bürgern abgefangen und ausgewertet wurden—im Namen der nationalen Sicherheit natürlich. Schon ein kurzer Blick auf das brisante Dokument genügt, um festzustellen, dass Deutschland das durch die NSA am meisten überwachte Land in Europa ist. Das Überwachungsprogramm der NSA greift auf die Server amerikanischer Internetkonzerne wie Google, Facebook und Co. zu und speichert laut Medienberichten nur die Metadaten—also keine Inhalte von Nachrichten, sondern nur Empfänger, Absender und Uhrzeit. Wenn du aus Angst noch nicht dein gesamtes Hab und Gut verbrannt hast und weit, weit weg in ein analoges Leben geflohen bist, dann haben wir hier ein paar Tipps für dich, wie du dich im Allgemeinen vor Datensammlern schützen kannst.

Als Erstes solltest du eine Liste von allen Datenschleudern, die du besitzt oder ausgeliehen hast, erstellen. Telefone, Kreditkarten, Autos, E-Mail-Accounts, Konten, Social-Media-Profile, WiFi-Kaffeemaschinen, Postfächer und so weiter—alles, was auf dem Radar eines Geheimdienstes so sein könnte.

Bargeld
Manche von uns hinterlassen auf Geldscheinen ziemlich viele Fingerabdrücke, aber darüber solltest du dir jetzt keine Sorgen machen. Ja, das Benutzen von Bargeld ist eine gute Methode, um dem Überwachungsradar zu entfliehen. Beim Einkaufen mit Kredit-, EC- oder Punktesammelkarte helfen dir weder Fake-Schnurrbart noch Perücke—deine digitalen Stalker werden über deine Transaktionsdaten herauszufinden, was du gekauft hast, wo du es gekauft hast und wahrscheinlich auch wie viel du mit dem letzten Mc-Donald‘s-Besuch zugenommen hast. Bares ist Wahres und sobald wie möglich solltest du sehr viel davon besorgen und es im Garten deiner Oma vergraben.

Wenn du aber nicht auf das Gefühl, ein wandelndes Überwachungsobjekt zu sein, verzichten möchtest—oder dich einfach nur viel geiler, schöner und reicher fühlst, wenn du mit einer glitzernden Plastikkarte bezahlst—, kannst du dir ja Geschenkgutscheine besorgen. Die haben auch oft die Form einer Kreditkarte und keiner fragt nach deinem Namen.

Bitcoins

Das ist sicherlich nicht die stabilste Geldanlage, aber du bleibst auf jeden Fall anonym. Jedenfalls solange du beim Kauf deiner Bitcoins vorsichtig bist. Wie viele andere erwartest du von einer „nicht zurückverfolgbaren Krypto-Währung“ wahrscheinlich, dass sie keinerlei Datenspuren hinterlässt. Das kann bei falschem Kaufverhalten jedoch passieren. Wenn du nämlich nicht vorsichtig genug bist, kann deine Transaktionshistorie dich verraten.

Theoretisch kannst du die Bitcoins per Überweisung zahlen—aber ich habe dir ja schon gesagt, dass du das Bankkonto loswerden musst, wenn du Datenschnüfflern den Kampf ansagen willst. Wenn du die Bitcoins dennoch über dein Bankkonto kaufst, bleibt das Bezahlen mit Bitcoins unterm Strich immer noch anonymer als mit einer Kreditkarte—aber eben nicht hundertprozentig sicher. Deshalb solltest du deine Krypto-Münzen anonym erwerben. Hierfür gibt es zwei Wege: durch einen Broker wie BitInstant, wo du per Bargeldüberweisung bezahlen kannst, und—als sicherste der zwei Methoden—mit einer persönlichen Übergabe, die du im Bitcoin-Forum arrangieren kannst.

Das sind die sichersten Wege für den Bitcoin-Kauf—jedenfalls bis es Bitcoin-Automaten auf den Straßen gibt. Sogar dann, wenn sich in naher Zukunft solche Geldautomaten mit kryptografischen Währungen etabliert haben werden, können Datenstaubsauger wie die NSA sie mit Kameras und Wanzen zu einer Falle präparieren.

Handy

Abhörsichere Telefone sind in der Regel sehr teuer. Angela Merkels Krypto-Handy kostet zum Beispiel 2500 Euro. Dein normales Smartphone hingegen ist eine einzige Datenschleuder. Etwas sicherer wird es in Kombination mit Codewörtern und Stimmenverfremden—aber da du bei deinem Mobilfunkanbieter namentlich registriert bist, kannst du das schon mal vergessen. So richtig anonym bleibst du eigentlich nur in der Telefonzelle. Damit du dein Smartphone aber nicht in die Tonne treten musst, kommen hier aber noch ein paar andere Tipps:

Wenn du ein Android-Telefon besitzt, kannst du dir die Tor-Software installieren und dann über Gibberbot an den kontrollwütigen Regierungen dieser Welt vorbeisurfen. In Kombination mit Apps wie Tango oder KakaoTalk kannst du Tor auch zum heimlichen telefonieren nutzen. Neuere, vielversprechende Apps wie zum Beispiel Seecrypt verschlüsseln deine Telefongespräche sogar permanent. Allerdings sollte die Person auf der anderen Seite der Leitung ebenfalls eine sichere Verbindung haben.

Dann wäre da noch die Sache mit der Ortung. Da dein Telefon Signale empfängt und sendet, kann es jederzeit—sogar wenn es ausgeschaltet ist—geortet werden. Du kannst die Verbindung zum Satelliten aber auch unterbrechen, indem du dein Handy in Blei einwickelst—oder einfach den Akku rausnimmst, solange du nicht telefonieren musst. 

Internet

Als Allererstes wirst du natürlich einen neuen Weg finden müssen, um auch weiterhin VICE online lesen zu können. Aber es braucht nicht viel, um gemütlich und anonym durch das Internet zu surfen—willkommen in der Welt des Tor-Browsings. Tor steht für The Onion Router, ist umsonst, einfach zu installieren und unfassbar langsam. Es ist so langsam, dass dein ganzes Leben an dir vorbeiziehen kann, bis die erste Seite geöffnet ist. Aber hey, es ist total anonym!

Jetzt wird der eine oder andere von euch sagen, dass es doch diesen Inkognito-Modus bei Firefox gibt. Und ja, es gibt ihn durchaus. Im vergleich zu Tor ist er jedoch ein Witz. Alles, was diese Funktion bewirkt, ist, dass deine Mutter nicht sehen kann, was für ekliges Zeug du dir schon wieder angeschaut hast—es sollte lieber „Porno-Modus“ heißen.

E-Mail

Auch hier heißt es wieder: verschlüsseln, verschlüsseln und nochmal verschlüsseln. Pretty good Privacy (PGP) ist eine wasserdichte Verschlüsselungsmethode zum Senden und Empfangen von geschützten Nachrichten. Dann gibt es noch den Internet Relay Chat (IRC), wo sich Bradley Manning, Hacker-Gruppierungen wie Anonymous und andere Leute mit Namen wie Meat_Duck oder Koffin_Kat tummeln. Wenn du nicht nur mit Hackern chatten willst, weil du vielleicht etwas Brisantes veröffentlichen willst, kannst du es auch an Wikileaks oder an eine große Zeitung mit Sensationshunger schicken. Lass dich dabei aber bloß nicht erwischen.

Es macht wahrscheinlich keinen Sinn, wenn du jetzt deinen Gmail-Account löscht; es gibt irgendwo immer eine Sicherheitskopie. Du kannst aber immer noch—besser später als nie—zu Tor Mail wechseln, was dir erlaubt, E-Mails anonym zu verschicken, zu empfangen und sie zu verstecken. Auch hierfür muss du den Tor-Browser installieren.