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Yung Hurn, Crack Ignaz und Co.: Welche Cloudrapper werden in welchen Bundesländern am meisten gehört?

Yung Hurn wird im Burgenland geliebt, Fler in Kärnten und Crack Ignaz ausschließlich in Salzburg.

von Fredi Ferkova
09 Mai 2018, 11:39am

Fotos: Screenshot via YouTube | Sandro Nicolussi

Es gibt da ja diesen Staat Österreich. Menschen – zum Beispiel alle Nicht-Österreicher – denken, dass Österreicher ein homogenes, konservatives Volk sind. Also homogen sind wir nicht, liebe Ausländer. Man muss nur manche Leute am Land fragen, wie lebenswert und cool sie Wiener auf einer Skala von 1 bis 10 einschätzen. Oder die Wichtigkeit von Jörg Haider in verschiedenen Bundesländern erklären lassen und in Kärnten den letzten Halt machen. Oder einen Vorarlberger irgendetwas fragen – man wird über den wahrlich seltsamen Duktus verwundert sein, der sich mehr nach einem Schlaganfall als nach der deutschen Sprache anhört.

Welche Musiker von welchen Bundesländern am meisten auf Google gesucht werden, könnt ihr hier nachlesen. Wir haben uns die YouTube-Aufrufzahlen der jetzigen, großen Rapper im Trap-Bereich – oder wie auch die Studie sagt: "Cloudrap" – in Zusammenhang mit den Bundesländern angesehen und sie für euch analysiert. Je dunkler die Farbe ist, desto beliebter ist ein Rapper in dem Bundesland.

1. Yung Hurn im Burgenland und in Niederösterreich

Alle Grafiken von Daniel Sigge I Daten via YouTube 2018 I Österreich-Karte: Wikipedia | Lencer | CC BY-SA 2.5

Das beliebteste Video auf YouTube von Yung Hurn ist "Bianco" und es zählt mittlerweile stolze 11 Millionen Aufrufe. Dicht gefolgt von "Nein" mit 8,3 Millionen. Die Liste setzt sich mit "Ok Cool", "Opernsänger" und "Stoli" fort. Wer aber gedacht hat, dass der Bursche aus 1220 eindeutig Wiener-Musik macht, der irrt. Niederösterreicher und Burgenländer lieben den Süßboy mehr als Wiener. Wie wir seit Saturday Night Fever wissen, steht ja die jugendliche Bevölkerung Niederösterreichs und Burgenlands nicht nur auf Großraumdiscos, sondern auch auf ganz viel Stoli-Action. Yung Hurn könnte ja das nächste Mal bei dieser Zielgruppe ansetzen und endlich ein Lied über Flaschenboote, Zeltfeste und das Flatrate-Saufen schreiben.

2. Ufo361 in Vorarlberg, Niederösterreich und Oberösterreich

Diese Karte zeigt eindrucksvoll, dass Vorarlberg wirklich ein ganz eigenes Stück Erde ist. Während im benachbarten Tirol das Interesse am Berliner eher nicht vorhanden ist, scheinen die Tasten für U, F und O in Vorarlberg auf YouTube fleißig genutzt zu werden. Die Nieder- und Oberösterreicher scheinen sich auch mit Ufuk identifizieren zu können und Wien enttäuscht wieder ein bisschen. Überraschender sind die Top 5 Songs: "Nice Girl 2.0" führt mit 28 Millionen Aufrufen, "Für die Gang" mit GZUZ gibt's 17 Millionen. "Scheiß auf eure Party" bildet den Schlussplatz mit 10 Millionen. Wer seinen Durchbruchstrack "Ich bin ein Berliner" in den Top 5 erwartet hat, der wird sich – ähnlich wie ich – wundern. Mit 5,1 Millionen Aufrufen ist es zu schwach – oder Ufo361 mittlerweile zu stark.

3. Fler in Wien, Vorarlberg und Kärnten

Diese Bundesländer-Formation ist wahrlich sonderbar und außerhalb des Internets auch ziemlich surreal. Wenn Wiener Urlaub in Kärnten machen, müssen sie ihre Wurzeln verstecken. Und man kann es nicht genug erwähnen: Vorarlberg ist sowieso ein eigenes, sprachspezielles Königreich.

Jedenfalls hat Vorarlberg bisher den freshesten Geschmack – zumindest was "Cloudrap" betrifft. Dass Fler aber nicht unbedingt nur wegen seiner Trap-Tracks beliebt ist, zeigt die Top 5: "Das alles ist Deutschland" (13 Millionen), "Berlins Most Wanted", "Weg eines Kriegers", "Mit dem BMW/Flersguterjunge" und "Ansage 8" sind alles Lieder mit einem Feature. Und bei den ersten vier Tracks ist sein Altersgenosse Bushido sein Rap-Partner. Fler und seine Trap-Karriere klingt eh mehr nach Midlife Crisis, trotz der guten Reviews von Flizzy.

4. Crack Ignaz in Salzburg, Niederösterreich und Wien

Im Gegensatz zu seinem Hurn-Kollegen begeistert Crack Ignaz seine Heimat. Salzburg liebt Austrias Sweetheart aka die beste Werbung für den Hanuschplatz, Mozartkugeln und Salzburg generell. Oder könnt ihr mir einen Künstler aus Salzburg nennen, der auch den deutschen Nachbarn ein Begriff ist? Volksmusik zählt nicht. Was aber doch überrascht, ist das Fehlen von Dunkelrosa auf der Karte – das Epizentrum seiner Beliebtheit liegt in Salzburg. Wenig verwunderlich: "König der Alpen" führt mit 2.1 Millionen Aufrufen die YouTube-Liste an. "New Level" und "Oida Wow" mit LGoony sind auf Platz zwei und auf Platz vier. Auf Platz drei ist der Redbull Soundclash – der für das New-Level-Team gelinde gesagt desaströs ausgegangen ist. Das liegt aber wohl mehr an alten HipHop-Fans, die alles hassen, was sich nicht nach den 90ern anhört und weniger an den Songs: Die "Mein Block"-Performance mit Sido schafft es in die Top 5.


Das ist der Hanuschplatzflow:


5. Money Boy in der Steiermark und im Burgenland ... und überall sonst in Österreich

Money Boy wird uns alle überleben, möge er noch so viele Wodkaflascherln auf seine Fans werfen. Seine Beliebtheit in ganz Österreich ist wirklich einzigartig und auch hier sind klassische Saturday Night Fever-Bundesländer am Start. Dass die Burgenländer einen einzigartigen Humor haben, hat ja bereits Ilse Benkö mit ihrem Wahlkampfsong bewiesen und dass die Burgenländer auch gern mit Alk-Flaschen um sich werfen, zeigt die österreichische Alkoholkonsum-Statistik. Sie sind unangefochten auf Platz 1 – gefühlt seit immer. Die Steirer wiederum sind für ihren Internet-Humor bekannt, was auch die einst sehr berühmte Facebook-Seite "Steira Memes san very good" und die vielen Likes beweisen. Einzig Oberösterreich scheint unbeeindruckt. Die einzigen Songs in der Liste sind "Monte Carlo" und "Halt die Fresse 03 Nr. 93", der Rest der Top 5 besteht aus einem Disslike-Video, einer Parodie und dem berühmten Joiz-Interview. Money Boy ist tot, hoch lebe Money Boy.

6. Haiyti in Wien

Schande über diese Karte! Haiyti und ihr Sound kommen nur in Wien so richtig an – auf ihrem Konzert in der Grellen Forelle hatte sie aber auch hier Mühe, das eingeschlafene Publikum wachzurütteln. Aber so ist es ja nun mal in unseren Breitengraden: Wenn etwas 2017 cool ist, dann erreicht uns das eben manchmal erst im Jahre 2019 oder später. "Gib Geld" mit Haftbefehl und Xatar bringt ihr den ersten Platz. Trettmann, der ihr in "120 Jahre", "Nur noch einen" und "WKMSNSHG" assistiert hat, katapultiert diese Tracks auf Platz 2 bis 4. Und mit Why SL Know Plug (Money Boy) und dem Track "Halleluja" gibts Platz 5.

7. RIN in Vorarlberg, Kärnten und dem Burgenland

Ist euch auch schon aufgefallen, dass sich wohl die meisten "Cloudrap"-Fans in Vorarlberg oder dem Burgenland verstecken? Der erfolgreiche Ex-Bro von Yung Hurn, RIN, wird besonders gern im Land der seltsamen Sprache gehört. Kärnten, Vorarlberg und Burgenland – drei Bundesländer, die von anderen Bundesländern gerne belächelt werden, haben ihr Seelenwohl auch bei RIN gefunden. Auch sonst zeigt er mit seinen bestplatzierten Liedern "Bros", "Monica Belucci" und "Blackout", dass er mit Tracks ohne Features seinen eigenen Fame aufbauen konnte.

8. LGoony in Salzburg, Tirol, Niederösterreich und Wien

LGoony ist in Österreich beliebter als sein österreichischer Kollege Ignaz K. Aber auch hier ist das Epizentrum der Beliebtheit das beschauliche Salzburg – nur kann dieses Mal die Beliebtheit bis nach Tirol ausgeweitet werden. Tatsache! Tiroler hören Musik! Bis dato war ja das Bundesland bei jedem Künstler blass, aber mit LGoony scheint sie die Trap-Welle auch erwischt zu haben. Niederösterreich und Wien sind auch LGoony-Fans, was sich nicht wirklich erklären lässt. Die musikalischen Vorlieben von Wienern und Niederösterreichern scheinen sehr inkohärent zu sein. Genau wie die Liste seines Kollegen schaffts der Red Bull Soundclash in die Liste, sowie "New Level". Sonst hat "Millionen Euro" mit 2,4 Millionen Aufrufen die YouTube-Gemeinde am meisten gefesselt.

9. Trettmann in Wien und Tirol

Achtung, dieser Absatz wird sehr trocken und objektiv: Oh, du liebes Wien, ich danke dir. Trettmann hat 2017 ungefähr alle HipHop-Preise im deutschsprachigen Raum für sich beanspruchen können, war DER Artist mit der meisten Aufmerksamkeit und trotzdem ist Österreich ganzheitlich not impressed. Money Boy hat mehr rosa Flächen in Österreich. Facepalm-Emoji. Habt ihr sein Album gehört? Wie kann #DIY nicht im Unterrichtsplan verankert sein? Oder zumindest den Nobelpreis bekommen? Tiroler hielten sich musikalisch bis jetzt ziemlich zurück – außer bei LGoony –, aber sie können jetzt mit dem on point Geschmack überzeugen. Tiroler sind Menschen mit Klasse und Gehör. Tiroler sind cool. Lang lebe Tirol. "Knöcheltief", "GottSeiDank", "Grauer Beton", "Was Solls" und "Billie Holiday" bilden die Top 5. Schreiben wir noch "New York" und "120 Jahre" dazu und ich bin zufrieden. Hier als Abschlusstrack in der Colors-Version. Bildet euch.

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