Wie verschiedene Drogen deinen Sex verändern

Während diverse Substanzen einen Rausch an Glücksgefühlen hervorrufen, können andere wiederum für tote Hose im Bett sorgen. Wir haben uns darüber informiert, wie sich unterschiedliche Drogen auf den Geschlechtsverkehr auswirken.

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11 November 2015, 5:03am

Illustration: Carly Jean Andrews

"Viele Menschen konsumieren viele verschiedene Drogen", so Matthew Johnson, ein Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Johns Hopkins University vor Kurzem gegenüber VICE. "Und viele Menschen haben Sex. Man braucht nur eine Droge zu nennen und irgendjemand wird dir sagen, dass er darauf gerne Sex hat."

Wenn du dich jemals in einem Club, im Internet oder an einer Uni aufgehalten hast, dann weißt du, dass an Johnsons Behauptung irgendwas dran sein muss. Ein Großteil der Menschheit dreht gerne mal ein kleines bisschen durch. Und seit wir herausgefunden haben, wie man Substanzen verbrennt, fermentiert oder anderweitig synthetisiert, um einen Rausch hervorzurufen, haben wir auch Mittel und Wege gefunden, sie in unser Liebesleben einzubauen und damit die ungeschliffenen Freuden des Beischlafs nochmals zu verstärken und zu verfeinern.


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Wenn man überlegt, wie lange – und oft – Menschen Drogen und Sex schon miteinander vermischen, dann könnte man eigentlich davon ausgehen, dass wir beide Dinge inzwischen ziemlich gut verstehen. Aber wie Johnson – der klinische Tests zu den Auswirkungen von Betäubungsmitteln auf das menschliche Verhalten durchführt – bestätigen kann, wirken Drogen bei uns allen ein klein wenig anders. Einige davon haben einen direkten pharmakologischen Einfluss auf die Art, wie wir die Welt wahrnehmen, während andere unser Gehirn derartig stark beeinflussen, dass ihr Einfluss auf unseren Sex reine Glückssache ist. Sie können uns die totale Ekstase erleben lassen oder uns zu riskanten und gefährlichen Entscheidungen verleiten, die sich negativ auf unsere Gesundheit und die unserer Partner auswirken. Sie können sogar eine verstörend zentrale Rolle bei sexuellen Übergriffen spielen, die überall in unserer Gesellschaft stattfinden.

Es ist wichtig, dass man sich ein wenig über das informiert, worauf man sich einlässt, bevor man mit einem Tütchen Irgendwas miteinander in die Kiste oder in eine Klokabine springt. Um euch zu helfen, haben wir uns durch unzählige Drogenforen gewühlt, die wenigen Studien, die zu diesem Thema existieren, überflogen und so viele Leute – von Gelegenheitskiffern bis hin zu ausgemachten Psychonauten, von enthusiastischen Amateuren bis hin zu Ärzten und Psychiatern – wie nur möglich konsultiert, um euch diese Zusammenfassung aller erhältlichen Infos zum Sex auf Drogen zusammenzustellen.

Alle Illustrationen: Carly Jean Andrews

Alkohol

Alkohol ist die wahrscheinlich gängigste Droge, wenn es darum geht, Sex zu initiieren oder diesen noch zu verbessern. Einigen Studien zufolge könnte Alkohol bei mehr als der Hälfte aller sich in den USA ereignenden sexuellen Interaktionen im Spiel sein – zumindest unter jungen Menschen. Wir wissen aber nicht genau, ob es immer zu Rauschzwecken oder einfach nur als soziales Schmiermittel genutzt wird. Erwartungsgemäß gibt es Geschichten, die Sex und Alkohol beinhalten, wie Sand am Meer. Manche dieser Anekdoten lassen darauf schließen, dass Gelegenheitstrinkern so eine Steigerung ihres Sexualinteresses, ihrer Erregung oder ihres Orgasmus erfahren, wohingegen andere von Problemen in all diesen Bereichen sprechen.

"Es scheint nicht so zu sein, dass Menschen Sex tatsächlich besser gefällt [wenn sie betrunken oder angeheitert sind]", sagt Johnson zu mir. "Es ist wahrscheinlich nur der enthemmende Effekt. Ihre Sozialphobie, die in der Regel mit dem Ansprechen eines [potentiellen] Partners einhergeht, wird gemindert. Oder das Vorschlagen einer sexuellen Praktik, die man normalerweise nicht auf den Tisch bringen würde – vor allem bei einem neuen Partner –, wird einem auch erleichtert."

Vieles von dem, was wir in betrunkenem Zustand erleben, ist eine Manifestation von Erwartungen. Wenn wir davon ausgehen, geil zu werden und zu ficken, dann werden wir diese Prophezeiung wahrscheinlich auch für uns selbst erfüllen.

Einen im Tee zu haben, kann es leichter machen, frei und offen über Sehnsüchte und Vorlieben zu sprechen – oder jemandem, der durch Stress und Spannung Schmerzen verspürt, dabei helfen, sich zu lockern und Spaß zu haben. Für die meisten Menschen haben ein paar über den Abend verteilte Drinks diese Wirkung. Wenn man mehr als das konsumiert, kann man jedoch schnell Probleme bekommen.

Alkohol – vor allem wenn er in großen Mengen konsumiert wird – baut nicht nur die eigenen Hemmungen ab, sondern auch die Fähigkeit, vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Damit wird auch auch das Risiko auf ungeschützten Sex drastisch erhöht. Die Auswirkungen auf das Gehirn, das Nervensystem und den Körper können bei Männern zu Erektionsstörungen führen und bei Frauen sowie auch bei Männern ein abgestumpftes Empfinden sowie Orgasmusprobleme verursachen (einige Paare mögen das allerdings, da es dabei hilft, mit vorzeitigem Samenerguss oder ähnlichen Problemen umzugehen). Die Dehydration durch den Alkoholkonsum kann es für eine Frau auch schwer machen, feucht zu werden, was dann wiederum den Sex schmerzhafter macht.

Das Phänomen des Schöntrinkens einer Person existiert wirklich. In seiner schlimmsten Variante spielt Alkohol aber eine riesige Rolle bei sexuellen Übergriffen, Nötigung und Vergewaltigungen, da Selbstwahrnehmung und Konsensbewusstsein gehemmt sind.

Kokain und Amphetamine

Du hast wahrscheinlich über die Jahre hinweg schon eine Menge Geschichten von koksgeschwängerten Sexpartys gehört – und wahrscheinlich kamen da auch ein paar namhafte Politiker oder Künstler drin vor. Das liegt daran, dass Stimulanzien, wozu auch Kokain und Amphetamine zählen, zu den wenigen Drogen gehören, die tatsächlich über aphrodisierende Eigenschaften verfügen.

In vielen Berichten über Sex auf Amphetaminen tauchen Wörter wie "animalisch" oder "unbesiegbar" auf. Das findet sich auch in The Casual Sex Project (CSP), einer Reihe an Erfahrungsberichten, die Uhana Vrangalova von der NYU sammelt, um Sexerfahrungen fernab monogamer Mainstream-Beziehungen zu studieren. Ein Subjekt, "Aslan" – eine 34-jährige verheiratete Frau aus Panama – schreibt dort über einen kürzlichen One-Night-Stand, bei dem sie Sex unter Einfluss von Koks hatte:

"[Es war] harter, rauer Sex mit einem wunderschönen Fremden. Es fühlte sich fast surreal an. Dann [später] wurde mir die Realität der Auswirkungen auf meinen Ruf, eine möglichen Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten etwas bewusst."

Nichtsdestotrotz sprechen manche Menschen bei Amphetaminen schlicht von Hilfsmitteln, die einen länger wach und konzentriert bleiben lassen. Für andere wiederum sind sie ein Stimmungskiller oder führen zu Potenzstörungen. Die Möglichkeiten sind anscheinend unglaublich weit gefächert, aber im Grunde weisen so gut wie alle Forschungsergebnisse darauf hin, dass der Großteil der Amphetamin schluckenden, schnupfenden, rauchenden oder injizierenden Menschen Sex verstärkende Highs erfahren.

Laut Soptaw und Larissa Mooney, ebenfalls Professorin für Drogenmissbrauch an der UCLA, überfluten Amphetamine unsere Gehirne mit Dopamin – dem sogenannten Glückshormon, das unglaublich leistungsfördernd wirkt und uns unglaublich gut, energetisch sowie konzentriert fühlen lässt. Aber auch sie verändern die Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen, und können zu einer Überbetonung persönlicher Wünsche und zu Kurzzeit-Ergebnissen führen. Die Drogen erhöhen unseren Herzschlag und Blutdruck, was einerseits das körperliche Empfinden steigern kann, oft aber auch Orgasmen hinauszögert.

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Zwischen verschiedenen Amphetaminen gibt es aber auch leichte Unterschiede. Die Wirkung von Koks lässt in der Regel nach einer Stunde nach, wohingegen Meth bis zu elf oder zwölf Stunden lang wirken kann. Sie lassen dich im Allgemeinen aber alle wie ein Sexgott fühlen – alles kommt einem großartig vor und man kann normalerweise länger Sex haben als sonst.

"Menschen machen die Erfahrung, dass sie einfach ficken und ficken und nochmals ficken können, aber nie kommen", so Shoptaw gegenüber VICE im Bezug auf amphetamingeschwängerte Sexmarathons.

Diese Drogen bringen die üblichen Sex- und Nicht-Sex-Risiken mit sich. Durch den wilden oder lange andauernden Sex kann es dazu kommen, dass Menschen ihre Körper so weit an die Grenzen bringen, dass sie bluten oder wundgescheuert sind. Der Schlafentzug kombiniert mit einer verringerten Fähigkeit zur Risikoeinschätzung macht den Sex auf Koks, Meth, Speed oder Pillen außerdem zu einem großen Risiko, sich eine Krankheit einzufangen.

Ein Langzeitkonsum dieser Substanzen kann dann auch einen sogenannten "Koks-", "Speed-" oder "Meth-Schwanz" nach sich ziehen – anders gesagt einen schlaffen Penis. Noch besorgniserregender ist allerdings das Potenzial stark wirkender Amphetamine, dein mesolimbisches System und damit auch dein nüchternes Sexleben zu zerstören – ganz zu schweigen von deiner generellen Fähigkeit, noch Freude verspüren zu können, ohne vorher eine Dosis Crystal geraucht zu haben. Unter regelmäßigen Konsumenten ist das traurigerweise nicht ungewöhnlich.

Marihuana

Nach Alkohol ist wohl Gras das Betäubungsmittel, das zu sexuellen Zwecken am zweithäufigsten konsumiert wird. Und ähnlich wie beim Saufen sind auch die Erzählungen vom breiten Treiben sowohl allgegenwärtig als auch verschieden. Einige Menschen sehen in Gras ein Aphrodisiakum, das ihre Schwänze härter, ihre Muschis feuchter und sie überall sensibler macht – oder auch als Mittel zur Entspannung, das einen etwas lockert. Andere wiederum sehen darin einen Downer, der ihr Verlangen nach Sex generell mindert. Trotz der stark voneinander abweichenden Erlebnisberichte suggerieren Studien über Cannabis und Kopulation, dass ein Großteil der Konsumenten einen positiven Effekt verspürt, wenn sie sich bekifft gegenseitig die Kleider vom Leib reißen.

"Im Großen und Ganzen berichten zwei Drittel der erfahreneren Konsumenten von irgendeiner Form der sexuellen Verbesserung", schreibt Mitch Earleywine, ein Psychologe, der an der SUNY Albany Cannabis erforscht, an VICE. "[Alte Umfragen suggerieren], dass Männer sich nach der Verwendung der Pflanze für aufmerksamere Liebhaber halten, und die meisten Menschen fanden, dass es ihre Orgasmen verbesserte und die allgemeine Erregung sowie ihre Empfänglichkeit verstärkte."

Es gehen momentan eine Menge Theorien darüber herum, welche neurochemischen Veränderungen Marihuana in unserem Gehirn vornimmt, um genau das zu erreichen. Im Kern sieht es aber so aus, dass Gras Empfindungen verstärkt, was den Sextrieb intensivieren oder auch dämpfen kann – je nachdem, in welchem Bewusstseinszustand und in welcher Umgebung wir uns beim Kiffen gerade befinden.

Earleywine erklärt es so: "Cannabinoide verändern die Reaktion der Amygdala auf Stimuli im Allgemeinen und die Amygdala hat viel mit jeder Art von starkem Empfinden zu tun – vor allem auch mit sexuellem. In gewisser Weise kann Cannabis die Amygdala dazu bringen, durchschnittliche Reize als spaßiger und sexueller zu interpretieren, als sie anderweitig erscheinen mögen."

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Wie jeder bestätigen wird, der mal einen schlechten Trip erlebt hat, kann Gras auch Angst und Depressionen verstärken sowie Paranoia verursachen. Das kann dazu führen, dass du keine Lust mehr auf Sex hast oder dich generell von einem sexuellen Impuls ablenkst. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass einige Studien eine Korrelation zwischen chronischem Konsum und einer verminderten Fruchtbarkeit und erektiler Dysfunktion hergestellt haben, was allen Beteiligten ganz gehörig den Spaß versauen kann.

Verzweifelte Cannabis-Gegner haben in jüngster Zeit versucht, Marihuana als neue Vergewaltigungsdroge darzustellen. Auch wenn Kiffen das Bewusstsein verändert, scheint es im Gegensatz zu Alkohol und Stimulanzien jedoch kein riskantes Sexualverhalten zu fördern. Wenn man bedenkt, dass immer mehr Länder die Droge legalisieren und damit auch regulieren, ist es aus dieser Liste wahrscheinlich das Mittelchen, bei dem sich Sicherheit und Verlässlichkeit am besten die Waage halten.

Nichtsdestotrotz, durch den Mangel an Forschung und der bislang zu beobachtenden Eigenschaften, bleibt ein endgültiges Urteil über die Effekte von synthetischen Cannabinoiden noch abzuwarten. Wir empfehlen jedenfalls, den Konsum dieser Substanzen unter allen Umständen zu unterlassen.

MDMA und Ecstasy

Wenn man sich die zahlreichen Storys in der CSP-Datenbank über MDMA-induzierten Gelegenheitssex anschaut, könnte man meinen, dass dieses Amphetamin-Derivat mit psychoaktiven Eigenschaften nur ein weiteres Aphrodisiakum ist, das einen zu hartem und rauem Sex verleitet. Wenn man sich aber die Story von "DJ" anschaut, der drei Ecstasy-Pillen genommen hat, um den Fick mit einer Sex-Bekanntschaft zu verbessern, die er auf einer Dating-Webseite kennengelernt hatte, liest man Folgendes:

"Es gab einen Moment in der Nacht, an dem ich mich fühlte, als würden wir uns in einem anderen Raum und einer anderen Zeit befinden, in dem nur die von uns erfahrene Lust in dem Augenblick zählte. Es war wirklich großartig. Der Abend begann gegen 19 Uhr und wir hörten erst auf, miteinander zu schlafen, als es 7 Uhr morgens war."

Das klingt wie ein Sexmarathon – zwar zärtlicher als Meth-Sex, aber immer noch ein Marathon. Und in einigen Studien berichtete die Hälfte der von den Forschern befragten Konsumenten von einem gesteigerten Sexualtrieb und bestätigten damit die stimulierenden Eigenschaften der Droge. Wenn man sich die pharmakologischen Eigenschaften von MDMA jedoch genauer anschaut, dann ergibt das nicht viel Sinn.

"Reines MDMA bewirkt bei den meisten Menschen Euphorie und Empathiegefühle", sagt Karen McElrath, eine Professorin an der Fayetteville State University, die MDMA erforscht, gegenüber VICE. "Ein Großteil der Individuen, die reines MDMA konsumieren, wird Gefühle emotionaler Nähe (selbst mit völlig Fremden) erleben, die auch ein gewisses Maß an Sinnlichkeit mit sich bringen können – allerdings ohne das Bedürfnis nach richtigem Sex."

Sowohl McElrath als auch Zvi Zemishlany, ein Professor an der Universität von Tel Aviv und Autor einer der Studien, in denen MDMA mit stimulanz-ähnlichen Erfahrungen in Verbindung gebracht werden, suggerieren, dass die heißen Eskapaden von Ecstasy-Konsumenten oftmals das Resultat von verunreinigten Pillen oder Pulver sind – oder auf dem Mischkonsum mit anderen Drogen basieren.

Manche Menschen versuchen immer noch, die empathogene Eigenschaft von MDMA dazu zu verwenden, ihren Sex zu verbessern. Meistens überwiegen dabei aber die sexuell hindernden Eigenschaften – von einer Verminderung des Sexualtriebs bis hin zu Erektionsstörungen. Solange es bei einem keine Angstattacken auslöst (was durchaus der Fall sein kann), eignet sich MDMA eher zum Kuscheln als zum Vögeln.

Es sollte außerdem erwähnt werden, dass es nicht ganz klar ist, ob diese gefühlssensitiven Eigenschaften auch auf andere Stimulanzien zutreffen, die zumindest in den USA oft als MDMA verkauft werden (zum Beispiel synthetische Cathinone wie Methylon).

McElrath sagt hierzu: "Synthetische Cathinone wurden in der Vergangenheit mit sexueller Erregung in Verbindung gebracht, auch wenn diese Beziehung wissenschaftlich kaum erforscht ist. Die synthetischen Cathinone verfügen eindeutig über amphetamin-ähnliche Eigenschaften und wie andere Stimulanzien können auch sie unter Umständen den Sexualtrieb verbessern und sexuelle Aktivitäten in die Länge ziehen." Das heißt allerdings auch, dass sie ebenfalls ähnliche Risiken mit sich bringen.

Halluzinogene und andere psychoaktive Substanzen

Psychedelika und Dissoziativa (eine zugegebenermaßen sehr breitgefächerte Klassifizierung, die alles von DMT, über LSD, Ketamin bis hin zu PCP umfasst) gehören zu den Drogen, deren Wirkung am meisten vom subjektiven Empfinden abhängt, und die dementsprechend auch am unzuverlässigsten sind. Dafür brauchst du dir nur Berichte über Sex auf LSD anschauen. "Matthew", ein 33 Jahre alter Mann aus Austin, Texas, erinnert sich in der CSP-Datenbank an einen besonders sexuell aufgeladenen Trip, den er mit 16 erlebt hat und der die Droge wie das beste Aphrodisiakum der Welt klingen lässt:

"Ich war auf jedes weibliche Wesen heiß, weil ich die Erregung förmlich riechen konnte, sobald eine von ihnen meinen Blick erwiderte … [Ich] packte [ein Mädchen] bei den Hüften und zog sie nah an meine Lippen, dann hörte ich auf und fing von vorne an. So flirtend standen wir vor unseren beiden [Freundes]gruppen. Ich bin mir sicher, dass sie irgendwas gesagt haben, aber wir waren einfach in unserer eigenen Welt."

Für andere Konsumenten lenkt die Wirkung von LSD hingegen zu sehr ab oder die Trips sind zu sonderbar, um in eine sexuelle Stimmung zu kommen.

Das Gleiche gilt für Psilocybin, bzw. Zauberpilze. Einige behaupten, dass sie eine enthemmte, fast amphetamingleiche Lust in einem hervorrufen können. Andere beschreiben die Wirkung mehr in Richtung eines reinen MDMA-Trips mit hohem Kuschelbedürfnis. So war es auch für "Anna", eine 35 Jahre alte Frau, die in der CSP-Datenbank von ihrem Trip erzählt, den sie mit 18 hatte. Die Pilze ließen sie sich einem Jungen näher denn je fühlen, für den sie davor nie Gefühle gehegt hatte – ihr körperlicher Trieb oder ihre Fähigkeiten waren davon allerdings nicht beeinflusst.

Die gleiche Variabilität könnte man auch jedem anderen Dissoziativum oder Psychedelikum zuschreiben, egal ob nun DMT, Ketamin, Peyote oder PCP. Alle diese Drogen werden durch eine Sache vereint, nämlich ihre Unberechenbarkeit.

Laut Johnson und Michael Kometer, einem Neuropsychologen für veränderte Bewusstseinszustände, liegt das vor allem an der tiefgreifenden Wirkung, die diese Substanzen auf das menschliche Gehirn haben. Jede spricht dabei unterschiedliche Rezeptoren an. LSD hat eine weitreichende Wirkung, was das Ganze besonders unvorhersehbar macht. DMT hat eine besonders intensive Wirkung, was zur Folge hat, dass du wahrscheinlich zu bewegungsunfähig und zu drauf bist, um Sex zu haben. PCP und Ketamin wirken in den tieferen Regionen des Gehirns, was sie auf eine einzigartige Art und Weise zerstörerisch und risikobehaftet macht—so können die beiden Substanzen zum Beispiel zum Atemstillstand führen. Aber trotz dieser ganzen kleinen Unterschiede sprechen all diese Drogen zum Teil die gleichen Rezeptoren an, um unsere Gedankengänge aufzulockern.

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"Zwar müssen wir auf diesem Gebiet noch viel lernen und herausfinden, aber es hat den Anschein, als ob diese Substanzen die Eigenidentität verschwinden lassen", erklärt Johnson. "Man kann sich das wie eine befreitere Form des Bewusstseins vorstellen … Das kann zu Panikattacken und Angstzuständen führen, die auf fehlenden Egogrenzen und Verwirrung basieren. Allerdings kann das auch ekstatische Gefühlszustände zur Folge haben, bei denen man sich mit dem Universum und so weiter verbunden fühlt."

Je nach Persönlichkeit, Standort und Bewusstseinszustand wird man mit Halluzinogenen ganz unterschiedliche sexuelle Erfahrungen machen. Dieses Thema ist komplett idiosynkratisch und nur unzureichend erforscht. Aufgrund dessen, was er durch Psilocybin-Studien gelernt hat, vermutet Johnson jedoch, dass der Egoverlust zu einer Form der Einfühlsamkeit führen kann, die vor allem beim Wiederaufflammen einer Romanze und beim Entdecken von neuen Gemeinsamkeiten in Langzeitbeziehungen nützlich ist. Das würde auch bedeuten, dass man guten psychedelischen Sex eher mit einer Person hat, zu der man sich auch wirklich hingezogen fühlt – und nicht mit jemandem, bei dem man sich nur einen Trip einwirft, weil man verzweifelt im Bett landen will.

Es ist wahrscheinlicher, eine positive Sexerfahrung mit Halluzinogenen zu machen, wenn man vorher zum Psychonauten wird und herausfindet, welche Substanzen, Dosen und äußeren Umstände für einen am besten funktionieren. Und für diejenigen, die gleich mit einer Mischung aus Pilzen, Ketamin und Sex anfangen wollen: Denkt immer daran, dass kleine Dosen der Schlüssel zum Erfolg sind, dass man einen sexuellen Drang eher gegen Ende des Trips verspürt (diese Beobachtung basiert auf von Kometer gesammelten Erfahrungsberichten) und dass man in einer bequemen und sicheren Umgebung mehr Spaß hat.

Nitrite

Im Allgemeinen eher bekannt als Poppers sind Nitrite wohl die Droge, die am ehesten mit Sex in Verbindung gebracht werden. Trotz anhaltender Querelen mit den Behörden ist der Besitz von Poppers komplett legal, so lange das Ganze unter einer euphemistischen Bezeichnung verkauft wird. So ist es auch kein Wunder, dass so viele lebhafte Nitrit-Sexgeschichten die Runde machen.

Poppers entspannen den Körper und verursachen oftmals auch einen kurzen, aber intensiven Rausch, bei dem man einen extremen Sexdrang verspürt. Ein anonymer 19-Jähriger aus New York erzählt bei CSP über diese entspannende Wirkung, die er beim Sex mit einer 41-jährigen Grindr-Bekanntschaft erfuhr: "Er bot mir Poppers an, die meinen Körper dann merklich entspannen ließen und den Sex so angenehmer machten."

Währenddessen konzentrierte sich "Peter", ein 33 Jahre alter Mann aus dem Vereinigten Königreich, der eigentlich heterosexuell ist, aber auch schon sexuelle Erfahrungen mit einem anderen Mann und Poppers gemacht hat, bei seiner CSP-Geschichte mehr auf den intensiven Rauschzustand, den er verspürte:

"Das Gefühl war so tiefgreifend, dass ich dachte, mein Kopf würde explodieren. Ich hatte den Eindruck, als wären wie beide von irgendetwas besessen. Wir sind dann übereinander hergefallen und ich war so scharf auf ihn, dass ich das Gefühl hatte zu sterben, wenn ich ihn nicht kriegen würde. Das Ganze war total intensiv und überwältigend … An die darauffolgenden Minuten kann ich mich gar nicht mehr erinnern, weil ich wie im Rausch agierte und einfach nur total geil war."

Auch wenn das jetzt sehr extrem klingt, sind Poppers rein physiologisch betrachtet recht simpel. Als Amylnitrite oder manchmal auch als Isobutylnitrit-, Cyclohexylnitrit-, Isopentylnitrit-oder Isoamylnitrit-Lösungen handelt es sich bei Poppers um Vasodilatatoren – also Substanzen, die die Blutgefäße entspannen und damit weiten. Viel wichtiger für den Sex ist allerdings die Tatsache, dass dadurch auch das Weichteilgewebe locker gemacht wird – inklusive Anus und Schließmuskel. Diese Kombination ist schon seit jeher für die Leute interessant, bei denen das Thema Analsex die Neugierde weckt.

Poppers können vor allem dann gewisse Risiken bergen, wenn sie nicht korrekt gelagert werden. Außerdem rufen sie bei Hautkontakt Verätzungen hervor und sind leicht entzündlich. Für Leute mit bestimmten Krankheiten können sie außerdem noch weitere Gefahren beinhalten. Und obwohl sich ihre angenehme Wirkung gut mit vielen anderen Drogen verbinden lässt, sollte man Poppers besser nicht mit potenzsteigernden Mitteln mischen, denn der erhöhte Blutdruck kann dann je nach Gesundheitszustand verschiedene Konsequenzen haben – von temporärer Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod. Ich brauche hier wohl kaum erwähnen, dass ein entspannterer Anus auch zu härterem Analsex führt, was wiederum Risse und Blutungen zur Folge haben kann – so wird auch die Übertragung von Krankheiten begünstigt.

Shoptaw warnt Konsumenten auch davor, dass nicht alle erhältlichen Poppers-Sorten zwangsläufig Nitrite sind – in anderen Worten: Wenn ihr schon so etwas nehmt (macht es besser nicht), achtet genau darauf, was ihr da eigentlich konsumiert, Leute.

Opiate

Opiate sind die Kategorie, unter die auch Heroin sowie eine Reihe an Schmerz- und Beruhigungsmitteln fallen. Damit sind sie wohl die am wenigsten sexy Gruppe dieses Leitfadens. Das ergibt auch irgendwie Sinn, wenn man bedenkt, dass Opioide für den Anstieg an durch Überdosen verursachte Todesfälle verantwortlich sind. Die einzige Geschichte in der CSP-Datenbank, die anscheinend irgendeine Form von Opiaten enthält, stammt von einer 32-jährigen Frau, die beim Urlaub auf Hawaii nach einer leichten Verletzung mit einem Surfer anbandelte – und auf ihm dann direkt einschlief, nachdem sie aus Versehen Schmerzmittel und Alkohol vermischt hatte. In anonymen Berichterstattungen von anderen Drogen-Websites werden Opiate ebenfalls als Substanzen beschrieben, die die Lust auf Sex verschwinden lassen, die den Orgasmus beim Sex unmöglich machen und die einen meistens nur in einen total benommenen Zustand versetzen.

Opiate gehören zu den Rauschmitteln, die im Bezug auf Sex am wenigsten erforscht sind. Das liegt laut Johnson daran, dass sie beim Geschlechtsverkehr zu selten zum Einsatz kommen, um als weitreichendes Phänomen angesehen zu werden.

"Sie gehören zu einer anderen Kategorie als klassische Beruhigungsmittel wie etwa Barbiturate", meint er. "Nichtsdestotrotz muss man ihnen eine beruhigende Wirkung zuschreiben. Wenn man Opiate nimmt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man schläfrig wird und einfach wegdöst. Für einvernehmlichen Sex, an den man sich auch erinnert, muss man jedoch wach sein."

Dem fügt McElrath hinzu: "Ein Großteil der heroinabhängigen Menschen neigt dazu, weniger Lust auf Sex zu haben – sowohl bei Affären als auch bei längerfristigen Beziehungen."

Das scheint mit der Pharmakologie der Opiate zusammenzuhängen, die sich anscheinend auf eine Art und Weise mit Teilen des Gehirns verbinden, die die Produktion von mit dem Sexualtrieb in Verbindung stehenden Neurochemikalien hemmt. Das gilt für alles, von Codein bis Heroin – einige Opiate machen dabei vielleicht schneller abhängig und andere können in medizinischen Dosen besser kontrolliert werden, aber kein Opiat unterscheidet sich pharmakologisch gesehen so sehr von den anderen, dass die Wirkung auf das Sexualverhalten ebenfalls anders ist.

Und dennoch lassen sich immer ein paar wenige Leute finden, die behaupten, den Sex auf Opiaten zu genießen. Das liegt dann daran, dass eine kleine Dosis entweder das Zeitgefühl verändern kann (und damit die sexuelle Erfahrung verlängert) oder das Entspannungs- und Bequemlichkeitslevel erhöht (oder weil diese Dosis einen ein wenig abdrehen, dabei aber immer noch wach sein lässt).

Für die meisten Menschen sind Opiate jedoch keine wirklich guten und passenden Drogen – gerade im Bezug auf Geschlechtsverkehr.

Welches Fazit ziehen wir aus dem Ganzen?

Drogenkonsum kann sehr gefährlich sein und ist in Bezug auf guten Sex auch oft reine Glückssache – vor allem dann, wenn man sich die Drogen vom Schwarzmarkt besorgt. Selbst wenn man eine bestimmte Substanz schon mal ausprobiert hat, ist Sex für die Erfahrung ein ganz neuer Faktor und man sollte eher Vorsicht walten lassen. Oder man lässt Drogen beim Geschlechtsverkehr einfach komplett weg, denn auch ohne das ganze Zeug ist Sex durch die vielen Geschlechtskrankheiten und klammernde Partner heutzutage ein risikobehaftetes Unterfangen. Oder man lässt Drogen einfach komplett weg.

In Bezug darauf, wie die sexuelle Erfahrung von Drogen beeinflusst wird, gibt es bisher nur wenig Forschung. Dieser Umstand erhöht das Risiko der Kombination aus Rauschmitteln und Geschlechtsverkehr nur noch weiter. Eine Sache kann allerdings mit Sicherheit gesagt werden: Jede sexuelle Erfahrung auf Drogen ist einzigartig (nicht einzigartig gut). Wenn es darum geht, was man mit seinem eigenen Körper anstellt, sollte man deshalb die Erzählungen und Ratschläge von anderen Leuten nie für bare Münze nehmen. Und man darf niemals vergessen, dass der Partner bzw. die Partnerin auf eine bestimmte Droge anderes reagiert als man selbst. Wenn man Fragen zu Rauschmitteln, zum Thema Sex und zum eigenen Körper hat, dann sollte man sich immer zuerst an einen medizinischen Fachmann wenden.

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