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VICE Alps

Der Tod der Pasterze

Der Klimawandel hat nicht nur Auswirkungen in der Arktis. Wir sind zum größten Gletscher Österreichs gereist, der in wenigen Jahrzehnten weggeschmolzen sein wird.

von Franziska Tschinderle
08 März 2015, 5:00am

Wer wissen will, was der anthropogene Klimawandel in nur einem Jahr anrichten kann, muss in mehreren Abständen einen Gletscher besteigen. Oder in unserem Fall „zu einem Gletscher hinunterwandern"—denn die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs, der vor 150 Jahren noch ein ganzes Tal ausgefüllt hat, geht seit den 80er Jahren derart schnell zurück, dass das, was heute übrig geblieben ist, eher an einen dreckigen Gebirgsbach erinnert als an Eis.

Warum sollte es einen überhaupt interessieren, dass eine einst so mächtige Gletscherzunge Jahr für Jahr kleiner und dünner wird? Wenn man so will, dann ist sie ein lokales Beweisstück dafür, was bereits heute weiträumig auf allen Kontinenten und Ozeanen spür,- und sichtbar ist: Ansteigende Meeresspiegel, Wetterextrema, vermehrte Naturkatastrophen wie Tsunamis oder Hurricanes bis zu Waldbränden und Hitzeperioden.

Gletscher hingegen sind „die sensibelsten und sichtbarsten Indikatoren für die globale Erderwärmung". Das erzählte uns ein Kärntner Glaziologe vor einem Jahr und weckte unser Interesse für das alpine Gletschersterben und für diese Dokumentation. Mit ihm haben wir damals auch ausgerechnet, dass die Pasterze am Fuße des Großglockners, in wenigen Jahrzehnten vollständig abgeschmolzen sein wird. Genau dorthin haben wir ein Vermessungsteam der Universität Graz im Herbst 2014 begleitet.

Die von ihnen erhobenen Daten werden jedes Jahr in einem Gletscher-Bericht des österreichischen Alpenvereins veröffentlicht. „Endlich wieder Gletschervorstöße", titelten diese euphorisch in ihrem neuesten Bericht von 2013. Das stimmt, durch starke Schneefälle konnten mehr Gletscher als im Vorjahr die Sommersaison unter einer Schutzschicht überdauern. Und trotzdem muss man die zwei Gletscher, die 2013 vorgestoßen, sind den restlichen 83 gegenüberstellen, die zurückgingen. Enorme Rückgänge sind bei den Talgletschern zu verzeichnen, die dadurch, dass sie in niedrigeren Lagen liegen, bis zu 170 Meter im Jahr an Länge verlieren.

Auch wenn wir in einer begnadeten Region leben, wollten wir schon heute nach den Spuren der globalen Erderwärmung Ausschau halten, um zu zeigen, dass der Klimawandel kein Zukunftsszenario mehr ist.