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Die grössten Diktatoren

Diktator sein ist ein hartes Geschäft. Ich wette, dass die meisten der großen Diktatoren an einem schlechten Tag gern ihr palmengeschmücktes, luxuriöses Leben in der ersten Reihe aller Folterkammern, gegen ein ruhiges Leben...
16.7.10

Diktator sein ist ein hartes Geschäft. Ich wette, dass die meisten der großen Diktatoren an einem schlechten Tag gern ihr palmengeschmücktes, luxuriöses Leben in der ersten Reihe aller Folterkammern, gegen ein ruhiges Leben tauschen würden, wo sie den ganzen Tag mit einem Rentner aus dem Altenheim darüber schwatzen könnten, wie man eine Menge Knete sparen könnte,  indem man die Krankenversicherung wechselt. Das ist ein neun-bis-fünf-Job. Diktator sein ist ein sieben-mal-24-Stunden-Job.

Niemals wissen, aus welcher Ecke die nächste vergiftete Lachsroulade kommt? Ständig draußen einen neuen Rasen pflanzen zu lassen, weil die rivalisierenden Generäle mal wieder ihre Panzer drauf geparkt haben? Das geht schwer auf die Nerven. Wie sich diese Männer zum Wohle ihrer Untertanen selbst geißeln, sollte uns allen zu denken geben. Letzte Woche brachte das Foreign Police Magazine seinen Pendant zur Richlist raus—eine Rangliste der 23 schlimmsten Diktatoren unseres Planeten.

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Aber inmitten all dieser Großschläger, den Mugabes, Jong-Ils und Gaddafis, gab es auch einige Namen, die uns nicht so bekannt waren. Typen, wie Gurbanguly Berdimuhamedov aus Turkmenistan. Oder Weißrusslands Aleksandr Lukassen. Paul Biba aus Kamerun. Typen, die sehr hart dafür Kämpfen mussten, um die verfeindeten Parteien zu verbannen. Wie ein Fußballstar in der Kreisliga hatten sie niemals die Chancen in die Schlagzeilen zu kommen, weil ihre Nationen einfach zu dunkel, zu winzig und auch geopolitisch zu uninteressant waren, um zu zählen.

Sie haben sich auch ihren Platz im Scheinwerferlicht verdient. Jetzt, wo die 80er Diktatoren-Legende Manuel Noriega in Paris vor Gericht kommt, salutieren wir vor den kleineren Jungs, den Underdogs der autokratischen Welt.

YAHYA JAMMEH

Im Dezember 2008 haben zwei britische Bürger, David Fulton (60), ein ehemaliger Major der Armee und seine Frau eine gewöhnliche Mail mit Weihnachtswünschen und Neuigkeiten aus ihrem Leben in Gambia nach Hause zu ihren Freunden geschickt. Beiläufig erwähnten sie, dass die Regierung vielleicht nicht ganz fähig ist. Wie sich herausstellte, war die Regierung aber zu sehr viel fähig: Der Briefwechsel wurde abgefangen und sie selbst wurden aufgrund von Volksverhetzung bald beide zu einem Jahr harter Arbeit verurteilt. Wie in allen guten Schauprozessen gaben sie dort eine überschwängliche Entschuldigung an ihren Präsidenten ab.

Seitdem Jammeh 1994 durch einen Putsch die Macht ergriffen hatte, wurden abweichende Meinungen in Gambia rücksichtslos unterdrückt. Aber in der Bekämpfung der Homosexualität arbeitet der militärische Stabschef am effektivsten. Im Mai 2008 erklärte Jammeh Gambias Schwulen, dass er jeden schwulen Kopf abschlagen werde, der sich weiterhin in Gambia aufhält. Damit gelobte er, mithilfe einer "strengeren Gesetzgebung als der Iran" das Land zu säubern. Er stellte dann allen Schwulen ein Ultimatum, das Land zu verlassen und befahl, dass jedes Hotel und jede Herberge geschlossen werden würde, die Schwule beherbergen.

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Wenn er seine Nation nicht gerade von der schwulen Pest befreit, verbringt Jammeh viel seiner Zeit damit, den Fortschritt der Medizin zurück zu drehen. 2007 verkündete er, er könne AIDS mit Kräutern heilen und machte sich daran, seine erfreuten Bürger mit Spritzen zu behandeln. Als er im August dieses Jahres AIDS erfolgreich geheilt hatte, war er bereit, eine Kräuterinfusion auf den Markt zu bringen, die durch einmalige Verwendung Bluthochdruck heilen konnte.

2008 wurde Jammeh Ehren-Oberst des US-Staates Kentucky, der US-Gouverneur war vermutlich sehr von dessen freimütiger Haltung gegenüber dem wundersamen Kräuterheilen beeindruckt.

BLAISE COMPAORÉ

Frauenrechte, Impfkampagnen, das Wegrationalisieren aller Beamten auf ein Zehntel um soziale Projekte voranzutreiben, die Anpflanzung von zehn Millionen Bäumen, um den Vormarsch der Sahara aufzuhalten: Thomas Sankara war ein Mensch, der  Humanität höchste Priorität gab. Der so genannte "ärmste Präsident der Welt" verachtete den Luxus, kam mit einem Monatsgehalt von 450 Dollar aus, verkaufte die Mercedes-Flotte der Regierung, verbannte die Klimaanlage aus seinem Büro, weil das Luxus sei, der den meisten seiner Landsmänner aus Burkina Faso verwehrt war.

Natürlich blieb er nicht lange auf seinem Posten.

Nach vier kurzen Jahren schossen die Schergen seines ehemaligen Freundes, Blaise Compaoré, Sankara nieder und hoben ein notdürftiges Grab aus. Tausende gewöhnlicher Bürger haben Tage damit verbracht, ihm an dem winzigen Erdloch Tribut zu zollen. Compaoré hat diesen Mord einmal als einen Unfall bezeichnet. Es war kein Unfall, dass er bald die meisten von Sankaras Reformen aufhob, Millionen von Dollars in seinen eigenen Topf strich und die Verfassung so änderte, dass sie ihn als Präsidenten jetzt mit unbegrenzten Vollmachten ausstattete. Es gibt ihn immer noch. Als Dikator ist er ein unbedeutender Mensch, dem viel von der sadistischen Großtuerei seiner einfallsreichen Nachbarn abgeht. Doch dafür trägt er nun zu 1000-prozentiger Sicherheit den Titel des Mannes, der Afrikas größte Hoffnung seit Nelson Mandela umgelegt hat, oder?

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KING MSWATI III

"Eine starke, tradionsreiche Privatschule in einem schönen Umgebung" wird im "Good Schools Guide" über das Sherbone College gesagt. "Es bietet ein belebendes, intellektuelles und facettenreiches Umfeld". Vielleicht wird irgendwo, über irgendeiner Turnhalle einem Alumni namens König Mswati III gedacht. Wie jeder andere große Diktator, ist auch er in England unterrichtet worden. Es scheint jedoch, dass Biologie in Sherbone abwählbar ist, weil  2000 hatte der junge König bei einer Parlamentsdebatte behauptet, dass alle die AIDS hätten (was im Swaziland fast ein Drittel der ganzen Bevölkerung ist) "sterilisiert und gebranndmarkt" werden sollten.

Danach berief er sich auf ein uraltes Gesetz, dass allen Frauen unter 50 Jahren, über einen Zeitraum von fünf Jahren Sex verbietet. Obwohl allein die "Parlamentsdebatte" natürlich schon übertrieben ist, da König Mswati natürlich ein absoluter Herrscher ist. Aber es gibt eine Art von öffentlicher Versammlung wo die übrigen Klanchefs über verschiedene Sachen debattieren dürfen.

Natürlich ist überall da, wo die Interessen des Königs direkt betroffen sind „absolut" das Schlagwort. 2002 gab es einen winzigen Aufruhr, da er seine zukünftige Braut einfach gekidnapped hatte. Zena Mahlangu, eine Schülerin, wurde auf ihrem Nachhauseweg einfach eingepackt und zum königlichen „Kraal" gebracht, um dort in Schnellfassung erzählt bekommen, dass sie zur zehnten Frau des Königs ernannt wurde, während ihre Mutter verzweifelt die Straßen nach dem verloren geglaubten Kind absuchte. Seitdem hat er noch vier weitere Frauen (drei sind nach Südafrika abgehauen) geheiratet. Die meisten werden zwischen 12 und 16 verheiratet, aber um seinen Vater noch zu übertrumpfen, dauert es noch ein wenig: Sobhuza II, der fast 70 war, als er starb, hat vermutlich über 1000 Enkelkinder gezeugt.