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Ein Interview mir einem Privatdetektiv

24.7.10

Duncan Mee kommt so was wie einem Privatdetektiv für Prominente in etwa am Nächsten. Als Geschäftsführer von Cerberus, das sind Ermittler, die auf geistiges Eigentum und organisierten Betrug spezialisiert sind, wirkte er kürzlich in dem Dokumentarfilm Erasing David mit, bei dem er mit dem Aufspüren des Filmemachers David Bond beauftragt wurde, als dieser versuchte aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden. Offenkundig hat Duncan seinen Mann erwischt. Duncan entspricht nicht dem Stereotyp eines Privatdetektivs (englisch: Private Eye = PI): Die Fenster seines Büros sind nicht getönt, er raucht keine 50 Zigaretten am Tag und, heute zumindest, hängen keine Femme Fatales rum. Trotzdem verbringt er sehr wohl eine Menge Zeit damit, die Mülleimer anderer Leute zu durchwühlen, coole Apparaturen zu verwenden und zu vermeiden, von den weltweiten Mafias niedergestreckt zu werden.

Vice: Hallo Duncan, kannst du mir erzählen, was ein PI eigentlich tut?

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Duncan Mee: Nun gut, es gibt unterschiedliche PIs, die unterschiedliche Sachen machen, aber unser Unternehmen hat hauptsächlich mit dem Markenschutz großer Konzerne zu tun - wir sind deren Augen und Ohren. Wir helfen den Marken, sich selbst vor Urheberrechtsverletzungen zu schützen und helfen ihnen, mithilfe dieses Schutzes zu wachsen. Wir haben 160 über die Welt verteilte Agenten, an die wir uns in bestimmten Fällen wenden können. Wir haben ein Büro in London und eins in Istanbul, Türkei.

Also verfolgst du keine fremdgehenden Ehemänner und ihre mutmaßlichen Geliebten?

Nein. Wir haben immer Leute, die uns kontaktieren und uns danach fragen zu versuchen, Beweise für die Untreue des Manns oder der Frau zu bekommen, aber wir sagen immer, wenn du sie so sehr deswegen verdächtigst, dass du bei einem PI um Hilfe fragst, dann gehen sie mehr als nur wahrscheinlich fremd. Unsere hauptsächlichen Zielvorgaben sind, das Fälschen der Produkte unserer Kunden und deren Schmuggel zu unterbinden.

Und wie geht ihr da vor?

Naja, zuallererst kommen die Kunden zu uns mit einem Verdacht, dass ihr Produkt illegal geschmuggelt oder plagiiert wird und unser Job ist dann, die Fabrik aufzuspüren, indem wir uns als Käufer tarnen. Wir beobachten das Gelände und bekommen dann einen Gerichtsbefehl, die Fabrik zu durchsuchen. Wir sind nicht daran interessiert, die zwielichtigen Händler auf dem Markt oder auf der Einkaufsstraße hochzunehmen - oft sind sie sich nicht bewusst, dass sie gefälschte Güter verkaufen. Und wenn du den Agenten für die Handelsrechte dazu bekommst, ihre Güte zu konfiszieren, können sie innerhalb von zehn Minuten an neue Ware kommen.

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Welche Sorte von Menschen handeln mit gefälschten Produkten?

Fälscher haben gewöhnlich mit anderen illegalen Geschäften wie mit Drogen, Waffenhandel, Prostitution und Menschenschmuggel Geld gemacht. Fälscherei ist ein kostspieliges Unternehmen - man braucht eine Menge Kleingeld für die Neugründung um Raum für die Fabrik zu bekommen, die ganzen Maschinen und Arbeitskräfte. Organisierte Verbrecher wollen das Geld, das sie aus kriminellen Tätigkeiten erworben haben, vervielfachen, indem sie anfangen, Plagiate zu vertreiben. Das geht, weil sie selten Haftstrafen bekommen und sie einfach von vorne anfangen können, wenn sie hochgenommen werden.
Welche gefälschten Waren sind vorherrschend unter denen, die ihr beschlagnahmt? Also, es kommt natürlich darauf an, aber meistens ist es Kleidung. Das am meisten verbreitete Plagiat in Europa und Amerika sind die Männerunterhosen von Calvin Klein. In Indien ist es aber noch schlimmer: Dort gibt es eine gewaltige Bandbreite an gefälschten Medikamenten. Annähernd jedes dritte Medikament ist entweder ein Placebo oder ein falsches Medikament, was offenkundig ernste Beschwerden verursacht, oder dich unter Umständen sogar umbringt.

Das hört sich ziemlich düster an. Gibt es viel gefährliche Fälscherei?

Ja, einiges davon kann extrem gefährlich sein. Es gibt einen großen Markt für gefälschte Auto-Airbags. Einen gebrauchten zu ersetzen kann sehr kostspielig werden, darum entscheiden sich einige idiotische Leute vom Schwarzmarkt einen neuen zu bekommen. Der würde ihnen dann bei einem Unfall garantiert nicht helfen. Es sind nicht nur die Produkte, die gefährlich werden können - Der Handel mit und die Ermittlung über gefälschte Güter kann extrem gefährlich sein.

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Wurdest du je engagiert um in gefährlichen Situationen nachzuforschen?

Vor ungefähr 15 Jahren wurde ich von einer Zigarettenfirma beauftragt einen Fälschungsvorfall in Indonesien nachzuforschen. Während meines Fluges wurde mir dann erzählt, dass ich der siebte Detektive sei, der rübergeschickt wurde und das mein Vorgänger getötet und sein Körper in Stücke gehackt wurde. Sie sagten mir dann, dass ich noch aussteigen könnte aber ich war schon fast da und dachte mir, warum nicht. Es kam dann raus, das der Fälschungsbetrug zum sehr korrupten Sohn des damaligen Präsidenten zurück verfolgt werden konnte, der sehr wichtige und gefährliche Freunde hatte. Mir wurde bei den Recherchen sehr viele Mittel und Befehlsmacht gegeben um diesen Betrugsfall zu lösen und ich hatte sogar einen Satelliten unter meinem Kommando um Fabriken im dichten Wald aufspüren zu können. Wir haben sie dann am Ende gefunden und beschlagen über 188 Millionen Zigaretten. Das war damals der größte Fang bei gefälschten Zigaretten.

Das ist ein sehr guter Fang. Hast du dich nie um dein Leben gefürchtet?

Komischerweise war das einzige mal wo ich wirklich dachte, dass dies mein Ende ist unten in Hungerford. Vor der Zeit von Ceberus musste ich viele Zwangsenteignungen machen und daher bin ich los um das Auto von einem Typen abzuholen. Ich ging zu seiner Tür, klopfte und sagte ihm, dass ich einen Gerichtsbeschluss hätte und nun sein Auto nehmen müsste. Er schlug die Tür in mein Gesicht, kam dann wieder rausgestürmt und hielt eine Schrotflinte direkt in mein Gesicht und sagte, „Ich habe auch etwas für dich“. Das war das erste mal, dass ich richtig mit einer Waffe bedroht wurde.

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Aber er zog nicht den Abzug. Es muss doch ein paar echt harte PI Geschichten geben die ihr euch dann gegenseitig erzählt?
Vor einigen Jahren haben wir mal den Mülleimer von einem Typen durchsucht, wo wir vermuteten, dass er Zigaretten schmuggeln würde und fanden dort ein Fax das sagte, „Gib uns das Geld das du uns schuldest oder du bist tot“. Es kam dann raus, dass einige Tage später ein echter Auftragsmörder zu seinem Haus kam und seine Frau und Kinder fesselte und auf ihn wartete. Sie holten ihn sich auch, fesselten ihn im Keller und folterten ihn, um ihn dann aus kürzester Distanz mit einer Schrotflinte in den Kopf zu schießen. Als wir das hörten übergaben wir das Fax an die Polizei. Die Spur lief aber ins leere.

Ein Schmuggler zu sein hört sich gar nicht mehr so cool an. Wie wurdest du eigentlich zum PI? Hattest du eine Prüfung?

Ich fing vor knapp 25 Jahren an. Ich hatte auch schon außer Lande gearbeitet und als der Onkel eines Freundes Detektive Arbeit brauchte schickten sie mich, da ich Reise Erfahrungen hatte. Nachdem ich mit diesem Fall fertig war entschieden sie sich mich zu behalten. Viele Menschen glauben, dass du eine Verbindung zur Armee oder der Polizei brauchst. Ich meine, schaden tut es sicher nicht aber es ist nicht das essentielle. Abschlüsse in verwandten Fächern wie Jura oder Kriminalwissenschaft kann auch helfen, aber wir haben kein festgelegtes Kriterium. Jeder kann ein PI werden.

Duncan Mee (links) und Cameron Gowlett von Cerberus

Könntest du mir etwas über die verschiedenen Geräte erzählen, die du bei der Arbeit verwendest?
Also, wir verwenden eine Bandbreite von Ausstattung für bestimmte Aufgaben. Wir haben gerade ein Webseite gemacht, die die sechs besten auf dem Markt befindlichen Geräte verkauft, die wir benutzen und effektiv finden. Wir verkaufen etwa die klassische Spionen-Uhr, die man aus den ganzen James-Bond-Filmen kennt.  Bis kürzlich wäre es nicht möglich gewesen, aber letztendlich hat die technik einen Sprung gemacht und jetzt gibt es Armbanduhren, die mit einer klitzekleinen, beinahe unsichtbaren Linse Fotos und Filme machen kann. Die waren auf unserer Webseite sehr beliebt und wir konnten sie schon zu zahlreichen Gelegenheiten erfolgreich verwenden. Es ist so viel einfacher, als einen Raum verwanzen zu müssen oder versteckte Kameras zu installieren. Die Zielpersonen ahnen nichts.

Meine Hand, wie sie für die "Spionenuhr" modelt, die Duncan mir geliehen hat. Ich werde unter Verwendung der Kamera in der Uhr Fotos und Videos erstellen, also haltet die Augen für Bilder meiner Freundin in der Dusche offen.

Cool, was noch?

Wir verkaufen auch ein Laufwerk, das vom US-Militär entwickelt wurde und unmöglich zu hacken ist. es heißt Iron Key und du kannst es mitnehmen und die Chips vertauschen. Als ich in China war, war die British Airways-Homepage gesperrt, also schloss ich den Iron Key an meinem Laptop an und öffnete ein Fenster, in dem man im Internet surfen konnte, Word verwenden und Mails schicken kannst - Es hinterlässt keine kriminaltechnischen Spuren auf dem Computer, weil das computereigene Laufwerk nicht verwendet wird. Es ist dazu entworfen, keine Spuren zu hinterlassen. Wir haben gerade 200 von denen an einen Energiekonzern verkauft, der mit Öl und Gas handelt. Man kann auf den Iron Key nur mit einem Passwort zugreifen und jeder hat eine eigene Seriennummer, so dass sie aufgespürt werden können.

In jedem klassischem Thriller benutzen PIs falsche Namen, als gäbe es kein Morgen. Hast du für einen Auftrag jemals eine falsche Identität angenommen?

Nein, das ist nicht wirklich empfehlenswert. Einen falschen Namen zu verwenden macht mehr Mühe, als es das wert ist. Etwas Banales wie jemand, der deinen Namen sagt, woraufhin du instinktiv deinen Kopf drehst, kann dich auffliegen lassen. Zu einem Zeitpunkt hatten wir einen Kunden, der sich mit dem polnischen Gesindel getroffen hat, um nach gefälschten Maschinenteilen zu forschen. Die Typen waren bewaffnet und keine Leute, mit denen zu scherzen ist, und er gab sich einen falschen Namen. Als er das Treffen verlassen hatte bemerkte er, dass er seinen Terminplaner vergessen hatte, der all seine Flugdaten, Kontaktadressen und seinen Pass enthielt. Er brauchte ihn wirklich, also musste er zurück zum Treffpunkt gehen. Doch glücklicherweise waren sie alle weg, als er kam und haben seinen Planer nicht angefasst. Wenn sie das getan hätten, hätten sie ihn erschossen, keine Frage.