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It's still real to me, damn it!

It's still real to me, damn it! Die VICE Wrestling-Kolumne

Wrestling und VICE - gut geölter Scheiß! Mit Shane McMahon und viel Glanz, Glamour und Gloria.
3.8.12

Die Welt des Wrestling besteht zu gleichen Teilen aus Glanz, Glamour und Gloria. Das ist eine akzeptierte Tatsache unter uns Kennern, die wir jeden Montag neue Mainstream-Stars reingedrückt bekommen wie immer dicker werdende Anal Beads. wie kürzlich erst den einzig wahren Charlie Sheen, der von seinem Webcam-Wohnbunker aus den "Social Media Ambassador" für Raw gab. Ja, Fernseh-Wrestling ist Glitzer und Regenbogen und Einhornkacke – und dass Vince McMahon für jeden nichteingeölten echten Star das Bruttoinlandsprodukt von Papua-Neuguinea über den Tisch wandern lässt, tut da nicht viel mehr zur Sache, als der Fun Fact, dass Stripperinnen im Olympic Garden nicht gratis mit einem schlafen wollen (manche wollen auch für Geld nicht, aber die haben dann auch nicht das Geringste mit Charlie Sheen zu tun).

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Als ich neulich in New York war, wohnten meine Freundin und ich bei einem Typen namens Peter Chen, was an sich schon lustig ist, wenn man Deutsch spricht, weil seine süße E-Mail-Adresse peterchen@irgendwas lautete. Aber Peterchen war nicht nur ein asiatischer Nichtsnutz, sondern arbeitete auch gelegentlich in einem Coffeeshop – okay, das wahrscheinlich sogar die Definition von asiatischer Nichtsnutz, wenn ich es mir recht überlege –, und als wir eines Abends so auf der Dachterrasse beisammen saßen und ich von meiner Liebe für Wrestling erzählte, sagte er zwischen zwei Schlucken Bier ganz beiläufig: "Do you know who comes over to my coffeeshop quite regularly? Shane McMahon."

Ich war kurz so aufgeregt, dass die Skyline von Manhatten vor den Augen zu einem Rufzeichen im Enter The Void-Stil verschwamm. Shane McMahon ist der Sohn von Vince McMahon und neben seiner Schwester Stephanie, die derzeit die Kreativ-Abteilung der WWE leitet, wahrscheinlich der große Erbe der letzten Wrestling-Dynastie. Aber Peterchen war noch nicht fertig und nach einem weiteren Schluck Blue Moon setzte er nach: "Yeah. He's a pretty decent tipper, too. One time, he tipped me 40 bucks just to change seats."

Eine gute Woche später, als wir nach einem Regenunwetter nachhause kamen, das sich anfühlte, als wären wir Läuse im Arschhaar eines schwitzenden Fremdenlegionärs, berichtete Peterchen per Telefon, wie sein Abend im Vergleich zu unserem gelaufen war: "Oh, I just had dinner with this guy from the McMahon dynasty … Shane." Ich schwöre euch, da war eine von diesen Wie-heißt-er-noch-gleich-Pausen, die man nur macht, wenn man einem Fan zeigen will, wie unbedeutend das alles natürlich für einen selbst ist. "He walked in, said that I always took good care of him and invited me to a 500 dollar dinner."

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Als guter WWE-Fan habe ich meinen Hass wie einen unerwünschten Bully aus meiner Synapsen-Sex-Party geschmissen und jeden Gedanken daran, dass wir um ein Haar mit ihm unterwegs gewesen und zu einer McMahon-Audienz gekommen wären, mit dem folgenden ersetzt: Genau das meinen die Leute, wenn sie sagen, Wrestling besteht zu gleichen Teilen aus Glanz, Glamour und Gloria. Ganz recht. Was einem dieselben Leute meistens verschweigen, ist jedoch, dass diese drei Zauberzutaten maximal die Hälfte der Suppe ausmachen, die Woche für Woche für uns zusammengebrüht wird und sich die andere Hälfte aus teuren Scheidungen, aufgeweichten Gehirnen und schwitzigen Eiern zusammensetzt (wobei 2 und 3 nicht selten der Grund für 1 sind).

Selbst Shane-O-Mac hat nicht immer nur zwei Andrew Jacksons fürs Platztauschen und 5 Ben Franklins für eine Kellnermahlzeit verteilt, sondern musste dafür auch ganz schön dreckige Sachen machen, bei denen es anderen Großunternehmersöhnen sicher das glamouröse Goscherl ausgehängt hätte. Die Videos sind relativ selbsterklärend, aber seht einfach selbst.

SHANE DROPKICKT SICH 5,5 METER DURCH DEN RING AUF EINEN MISTKÜBEL

Der Coast-to-Coast geht von Ringecke zu benachbarter Ringecke und war sowas wie Shane-o-Macs Markenzeichen, bevor er das Rutschen über den Ringboden gegen das Rutschen über Coffeeshop-Stühle getauscht hat.

SHANE SPRINGT AUS 15 METERN HÖHE AUF DEN 226 KG SCHWEREN BLASEBALG BIG SHOW

Ich kann den Darmwind, der dem massiven Schlach von Big Show hier aus purer Furcht entwicken ist, immer noch förmlich riechen (oder habe ich gerade angstgefurzt?).

SHANE KÄMPFT BEI WRESTLEMANIA GEGEN SEINEN VATER

Wrestlemania 17 gilt bei vielen Nostalgikern immer noch als beste Mania aller Zeiten (was ich so nicht unterschreiben würde). Dass dieser formvollendete Familienkrieg, der auf dem Papier ganz schön nach Pupskonzert klingt, doch kein Stinker geworden ist, trägt sicher einiges dazu bei. Immerhin gibt es neben häuslicher Gewalt, Ehebruch und unrechtmäßiger Sedierung auch gut ausgeführte Moves zum Saufüttern. Hier als Highlight Reel mit Linkin Parks "Numb" auf der Tonspur (hihi).

SHANE FLIEGT DREIMAL GEGEN GLAS UND HOLT SICH EINE GEHIRNERSCHÜTTERUNG

Eigentlich ist es ziemlich erstaunlich, dass ausgerechnet die Großveranstaltung King of the Ring, die dem Design nach als Turnier aufgebaut ist und durch Sportlichkeit bestechen sollte, einige der brutalsten Nicht-Matches überhaupt hervorgebracht hat. Dieses Match von Olympia-Goldmedaillen-Gewinner Kurt Angle und Shane McMahon fand drei Jahre nach dem berüchtigten Aufeinandertreffen von Mick Foley und dem Undertaker statt und steht seinem Vorbild überraschenderweise in nichts nach. Vor allem nicht in Sachen Idiotie. Shane zog sich eine Gehirnerschütterung zu, Angle ein gebrochenes Steißbein. Also, abgesehen von den klaffenden Schnittwunden im Gesicht und so. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber ich gönne diesem Wahnsinnigen jedes verdammte 500-Dollar-Dinner, das er zwischen heute und dem Ende der Welt noch verschlingen wird.

Nächstes Mal geht es dann weiter mit Glanz und Glamour in Form der Mugshot Matches, wo uns der einzig wahre Styler & Profiler "The Nature Boy" Ric Flair erwartet. Eigentlich hätte die Shane-Anekdote nur die Politur für Flairs Auftritt werden sollen, aber irgendwie ist alles außer Kontrolle geraten und naja, jetzt ist das hier eben ein Artikel über Shane-o-Mac. Da bin ich wohl ein bisschen eskaliert. Aber was soll man machen? Post-Empire heißt keine Entschuldigungen. Hab ich recht, David? In diesem Sinne: Mahalo!