Bekiffte Konzertreviews

Mit neun Spliffs auf den drei Bilderbuch-Konzerten in Wien

Frau Professor haben mich erwischt. In meinen Händen neun Spliffs.

von Anonym und You Know Who
22 Mai 2017, 11:23am

Header: Jeden Tag mit jeweils drei Spliffs unterwegs. Alles, was man braucht. Alle Fotos vom Autor, wenn nicht anders angegeben.

Die unter Menschen weilenden Halbgötter von Bilderbuch haben ihn ihrem Größenwahn die Wiener Arena dreimal hintereinander ausverkauft und dabei wieder einmal die Messlatte für heimische Liveshows einen guten Meter höher gelegt. Die drei Open Air-Konzerte werden sich in ein paar Jahren zu den Geschichten entwickeln, die sich alle erzählen, wenn sie vor ihren Musiknerdfreunden angeben wollen. "Ich war damals dabei, als sich Maurice die Hose von den Beinen gerissen hat!". Ich dann so: "Guess what. Ich war alle drei Tage. Und dabei so breit, dass Snoop Dogg stolz gewesen wäre."

Das ist eigentlich schon gar nichts mehr so Abwegiges bei uns. (Ich meine nicht, die Arena dreimal auszuverkaufen. Das ist immer noch verrückt.) Denn Marihuana ist auf dem besten Weg, auch in unseren Graden irgendwann mal legalisiert zu werden – zumindest sind schon ein paar amerikanische Bundesstaaten mit gutem Vorbild vorangegangen – und geht man durch die Wiener Innenstadt, duftet es jetzt schon an jeder zweiten Ecke danach. Also wollte ich mit guten Vorbild vorangehen und euch zeigen, dass ihr einen Dreitages-Konzertmarathon locker überstehen könnt, ohne dabei in der furchteinflößenden, nüchternen Welt bleiben zu müssen. Drei Tage, neun Spliffs. Let's go.

Ich drehe meine Spliffs in den Leiden des jungen Werther. Wer weiß, wie seine Geschichte ausgegangen wäre, wenn er Zugang zu medizinischem Gras gehabt hätte.

Neben zu viel zu rauchen, habe ich auch beschlossen, nichts zu trinken. Die Idee kam mir, als ich am halben Weg zur U-Bahn bemerkte, mein Bier zuhause vergessen zu haben – möglicherweise, weil ich zuhause schon ein oder zweimal wo angezogen habe und dabei ein wenig vergesslich werde. Ich war im Nachhinein sehr glücklich über diese Entscheidung, denn drei Tage besoffen auf die Konzerten zu gehen, würde bei mir ziemlich sicher mit einer Nahtoderfahrung enden. Neben einem klaren Kopf am nächsten Morgen, hatte ich mich noch dazu ausreichend ernährt. Ausreichender als normalerweise. Die Nudelbox oder der Burger nach den Konzerten waren Momente des Glücks für mich, die vielleicht sogar das Konzert selbst übertrafen.

"Mein Gefühlszustand pendelte meistens zwischen getanzter Ekstase und einem geistesabwesenden Unendlichkeitsblick auf die Sneakerwand und das bunte Scheinwerferlicht."

Gleich zu der Frage, die mir am öftesten gestellt wurde: Es gab keinen besten Tag. Der zweite Tag hatte zwar mit "Discokugel" einen extra Song (und ich liebe sie dafür), ansonsten wurden aber nur die Outfits gewechselt und die Ansprachen an den jeweiligen Tag angepasst. Leichte technische Schwierigkeiten am zweiten Tag und den ein oder anderen Textaussetzer könnte man bemängeln, nur wenn man so weit in Wolken war wie ich, gibt es andere Dinge, die wichtiger sind. Zum Beispiel Farben und Essen. Ansonsten waren die minutiös durchchoreografierten Shows auch ohne Mary Jane als Begleiterin beeindruckend genug. Glaub ich zumindest.

Mein Gefühlszustand pendelte meistens zwischen getanzter Ekstase und einem Unendlichkeitsblick auf die Sneakerwand und das bunte Scheinwerferlicht. Auch wenn die Lichtshow in meinem Zustand oft ein bisschen sehr stressig war, konnte ich nicht anders, als sie wertzuschätzen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele Details bei einer Lichtshow entdeckt habe.

Über 1000 Schuhe und viele helle Lichter.

Beispiel: Wenn Maurice den leicht misszuverstehenden Lader-Teil bei "Bungalow" singt ("Bauer in Monaco etc."), sieht man einen Ladebalken auf der Rückwand, der nach und nach vom grünen in den roten Bereich zurückgeht, bis der Akku schließlich wirklich aus ist und der Strom auf der gesamten Bühne ausgeht ("Ich brauch mehr Strom!"). Das hat mein leicht zu begeisterndes Gehirn fast überfordert. Und als ich an den nächsten Tagen meinen Freunden erzählt habe, dass sie bei diesem Teil auf die Lichter sehen sollten, taten sie es mir gleich und zuckten völlig aus.

Maurice hat wie gewohnt seinen Hypnose-Arsch in Szene gesetzt, Mitzi seine Gitarre irgendwo zwischen Liebkosung und Misshandlung herumgeschwungen und Peter und Pille hatten zwar weniger Zeit im Scheinwerferlicht, waren dafür so tight wie ein Drumcopmuter. Sie sind immer noch die beste österreichische Boyband, die tatsächlich auch was kann.

Und zwischen den großen Showmomenten gab es genug Möglichkeiten, die gerade nur so danach schrieen, sich einen anzuzünden. "Spliff" ist da natürlich aufgesetzt und ich konnte mich immer darauf verlassen, irgendwo Rauchwolken aufsteigen zu sehen, wenn Maurice "Lecko mio dios mio" singt. Lediglich am letzten Tag konnte ich dabei keine blazenden Mitstreiter in meiner unmittelbaren Umgebung ausmachen. Alleine fühlte ich mich trotzdem nicht, denn ich versorgte meine Freunde sehr gern mit roten Augen und seligen Grinsern.

Foto von Elisabeth Anna Photography

Jeder, der schon einmal eingeraucht Musik gehört hat, weiß, dass man sie dabei viel intensiver wahrnimmt und auf Sachen achtet, die man normalerweise nicht hören würde. Außerdem ist alles hundertmal faszinierender und ein paar philosophische Gedanken fallen einem auch immer ein. Auch wenn sie mindestens so wirr sind wie Maurices Ansagen. Ich fühlte mich ihm sehr verbunden. Das alles machte es es sehr einfach, dreimal die selbe Show zu sehen und dabei immer noch Spaß zu haben.

Einen großen Teil davon machten die zwei Gospelsängerinnen aus, die sie auf ihre Magic Life-Tour mitgenommen haben und für meine unterhaltsamsten und erfrischendsten Momente auf Bilderbuch-Shows der letzten Jahren verantwortlich waren. Manchmal konnte ich ein halbes Lied lang nur auf sie achten, weil sie die Bühne so im Griff hatten mit ihrem Handtuchwedeln und dem Rap-Part bei "Softdrink". Vielleicht aber auch, weil ich sehr schnell abgelenkt war, außer es hat mich zum Lachen gebracht. Und das haben die zwei zu genüge. Ich will kein Konzert mehr ohne Gospelchor sehen.


Die Arena-Konzerte waren mindestens so unterhaltsam wie dieses Satire-Video:


Die drei Spliffs reichten an den jeweiligen Tagen für mich und alle mutigen Leute, die sich in meiner Umgebung aufhielten gut aus. Mutig deshalb, weil ich normalerweise nicht rauche und nur sehr wenig Tabak beim Drehen verwenden kann. Ich warne die Leute immer vor, nur eine Bekannte hat die Warnung nicht ganz ernst genommen. Sie musste sich eine halbe Stunde zu den Sanitätern setzen, weil es ihr ein bisschen zu viel wurde. Das war leider sehr lustig und nach einer halben Stunde stand sie schon wieder topfit bei uns. Ein anderer Freund schrieb mir am nächsten Tag "Boah. Hod mi gscheid in'd Eckn gstöt gestern." Es machte mich auf eine komische Weise ein bisschen stolz.

Am besten aufgehoben fühlte ich mich dann aber bei der Aftershowpartyim Dreiraum. Irgendwann ging dort das Gerücht um, dass es eine Überraschung geben wird. Niemand wusste, was passieren wird, auch die Bandmitglieder nicht. Stellte sich heraus, dass ihr Manager und ihr Booker Kroko Jack gebucht haben, weil die Jungs die größten Fans der Linzer Rapperlegende sind. Und weil Kroko Jack erstens mit einem Hanf-Shirt auf die Bühne gekommen ist und die Hälfte seiner Songs von Weed handeln, war ich irgendwie zuhause. Leider war zu dem Zeitpunkt schon alles weggeraucht und ich schon wieder halbwegs klar im Kopf. Ich habe gelernt: Nächstes Mal noch einen Safety-Spliff mitnehmen, man weiß nie, ob Kroko Jack nicht noch irgendwo spielt. Alles andere hab ich irgendwie schon wieder vergessen.

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