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"Fußball verbindet" – Wie Dresden den Koblenzern ihr Pokalspiel rettet

Die TuS Koblenz muss für ihr “Heimspiel” 400 Kilometer weit anreisen. Für die Kosten kommt jetzt Hilfe von den gegnerischen Dresden-Fans – die vorher keiner wollte.
11.8.17
Foto: imago | Dennis Hetzschold

Ein Heimspiel im DFB-Pokal ist für kleinere Vereine immer etwas Besonderes. Attraktive Gegner, Zuschauer in großer Anzahl, alles oder nichts. Meist kommt auch noch ein wenig Geld in die Kassen. Für die TuS Koblenz gestaltet sich die Lage etwas anders.

Zwar hat man heute nominell ein Heimspiel gegen Dynamo Dresden und somit auch einen durchaus interessanten Gegner, allerdings findet das Heimspiel nicht in Koblenz statt. Denn das heimische "Stadion Oberwerth" wird umgebaut und kann im DFB-Pokal nicht bespielt werden.

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Die Suche nach einem Ausweichort gestaltete sich schwierig, es gab Absagen aus Köln, Mainz und Wiesbaden. Scheinbar 50 Stadien hatte der Klub anvisiert. Ein Grund für die Absagen war sollen bei manchen Gastgebern auch die berüchtigten Dynamo-Fans gewesen sein, die in der Vergangenheit schon negativ aufgefallen waren. Als letzte Alternative konnte Zwickau als Austragungsort gefunden werden. Mit dem Auto ist das über 400 Kilometer von Koblenz entfernt. Weil das so weit weg ist, halfen ausgerechnet die Dynamo-Fans.

Wir haben uns von Marcel Günther, dem 1. Vorsitzenden des Dachverbands Koblenzer Fanclubs, und Ullrich Schumann, der Dynamo-Fan ist, erzählen lassen, wie sie zusammen an einer Lösung für die Fans gearbeitet haben.

Laut Marcel Günther sei es für die Koblenzer das "Spiel des Jahres". Kein Fan könne nachvollziehen, warum das Spiel so weit entfernt von Koblenz stattfinden muss. Zwar wisse auch er, dass der Fanszene aus Dresden ein negativer Ruf vorauseilt, erinnert aber an ein Ligaspiel gegen die Dresdener, bei dem es keinerlei Probleme gab:

"Ich kann diese Hexenjagd nicht nachvollziehen. Nach der Sammelaktion wird sich die Sichtweise definitiv verändern […]"

Denn Hilfe naht von unerwarteter Stelle: den Fans von Dynamo Dresden. Diese haben selbst nur einen Anreiseweg von etwa 100 Kilometern. Sie riefen eine Spendenaktion für die Koblenzer Fans ins Leben, um der "Heimmannschaft" eine günstigere Anreise zu ermöglichen.

Da sich eine Unterstützung über die offiziellen Vereinswege nicht ergab, wurde die Aktion unter anderem von Ullrich Schumann geleitet. Er nahm die Sache selbst in die Hand und setzte sich mit Verein und Fan-Dachverband aus Koblenz in Verbindung. Dort war man sich anfangs nicht sicher, was man von der Aktion halten sollte. Zuerst sei man überrascht gewesen, erklärte Günther, und hielt die Aktion für einen Scherz. "Aber nach diversen Mails und Telefonaten waren wir uns dann doch sicher, die Dresdner […] meinen es tatsächlich ernst."

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Besonders ein Post der Koblenzer bei Facebook sorgte dafür, dass die Aktion Aufmerksamkeit erhielt. Gerade bei Fanseiten von Dynamo Dresden "wurde fleißig geteilt", schildert Ullrich Schumann.

Mittlerweile sind über 4000 Euro zusammengekommen, die Kosten der Reise haben sich für die Koblenzer von 35 auf 15 Euro gesenkt. Quasi als Nebenwirkung meldeten sich, unabhängig von den Spenden, auch vereinzelte Dresdener, die Schlafplätze für die Koblenzer anboten. Die TuS Koblenz unterstützt die Aktion durch die Vermittlung eines Sponsors und stellt allen Zwickau-Reisenden Tickets für das nächste Regionalliga-Spiel zur Verfügung.

Für die Koblenzer Fans wird es dennoch ein schwierige Anreise, denn das Spiel findet schon am heutigen Freitag um 19:00 Uhr statt. Keine freundliche Anstoßzeit für eine mehrstündige Fahrt. Günther schätzt, dass ungefähr 300-400 Koblenzer beim Spiel anwesend sein werden. "Tief drin hoffe ich aber auf deutlich mehr", so Günther.

Heimspielatmosphäre wird damit zwar nicht aufkommen, aber vielleicht ist das nach der Fanaktion auch nebensächlich. Denn der Zusammenhalt zweier Fangruppen ist jetzt schon der klare Sieger dieses Spiels, da ist sich Günther sicher. "Fußball verbindet und das ist das beste Beispiel dafür."